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01.04.2026

Grimme-Preis für Serie „Tschappel“ und für Filmemacher aus Osterode


Marc Philip Ginolas stammt aus Osterode - hier ist er bei der Arbeit am Film-Set zu sehen

Der aus Osterode stammende Filmemacher Marc Philip Ginolas wird im April gemeinsam mit seinem Team mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

von Herma Niemann

Der Grimme-Preis gilt als einer der renommiertesten Medienpreise Deutschlands. In diesem Jahr werden 16 Preise sowie drei Sonderpreise vergeben. Einer davon geht an die ZDF-Serie „Tschappel“. Stellvertretend für das Team nehmen Marius Beck (Buch), Marc Philip Ginolas (Buch/Regie), Carly Coco (Regie) sowie die Schauspieler Sebastian Doppelbauer, Jeremias Meyer und David Ali Rashed die Auszeichnung im April in Marl entgegen. Und so geht ein Teil der Auszeichnung nicht nur nach Zußdorf, wo „Tschappel“ gedreht wurde, sondern auch nach Osterode: Denn der Regisseur und Drehbuchautor Marc Philip Ginolas stammt ursprünglich aus der Stadt am Harz.

In ihrer Begründung hebt die Grimme-Preis-Jury hervor, dass dem Autorenduo Marius Beck und Marc Philip Ginolas mit „Tschappel“ etwas gelungen sei, das im deutschen Fernsehen selten zu sehen sei. In acht skurrilen Episoden erzählen sie Geschichten aus Hintervorderbach, einem fiktiven Dorf in Oberschwaben – ohne das Leben dort zu verklären oder sich darüber lustig zu machen.

In dieser präzise gezeichneten Szenerie entfaltet sich, getragen von einem spielfreudigen Ensemble, eine klassische "Erwachsenwerden-Geschichte" mit Comedy-Elementen. Im Mittelpunkt stehe das Erwachsenwerden mit all seinen Freiheiten, Unsicherheiten und dem alltäglichen Durcheinander.

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer dürften sich in der Figur des Abiturienten Carlo Brenner wiederfinden, aus dessen Perspektive die Serie erzählt wird, so die Jury. In den treuherzigen Augen des Hauptdarstellers Jeremias Meyer spiegele sich das Staunen über eine Welt, die auch auf dem Land längst nicht mehr heil ist, und in der Carlo seinen Platz erst noch finden muss.

Auch musikalisch setze die Serie besondere Akzente. Die folkloristisch-elegische „Rumpel-Jazz-Hochzeitskapelle“, wie die Jury beschreibt, sei zwar ein Nebenprojekt der Macher, unterstreiche aber in Verbindung des Spiels die vielen Fragezeichen in Carlos Blick.

„Tschappel“ sei, so die Jury weiter, liebevoll und temporeich inszeniert. Die Serie biete beste Fernsehunterhaltung: witzig und klug, komisch, ohne klamaukig zu sein, warmherzig, ohne rührselig zu werden. Diese Balance zu halten sei ein Kunststück – eines, das der Produktion gelungen sei und Lust auf mehr mache.

Für Ginolas ist die Auszeichnung etwas Besonderes, wie er unserer Zeitung berichtet: „Das ist unbeschreiblich, zu einer solchen Verleihung zu fahren“, sagt er. Dass bereits das erste Projekt und eine vergleichsweise kleine Serie einen solchen Preis erhalte und zudem so viel positive Kritiken bekomme, mache ihn stolz und dankbar. Im Übrigen durfte sich Ginolas vor kurzem auch ganz persönlich über den Erfolg der Serie freuen - da erhielt er eine Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen als beste Regie.

Mit dem Grimme-Preis werden Fernsehsendungen und -leistungen ausgezeichnet, die für die Programmpraxis als vorbildlich und modellhaft gelten. Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Fernsehen als bedeutendem Medium mit vielfältigen gesellschaftlichen Auswirkungen.

„Tschappel“ war zudem für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Die Serie wurde erstmals im Mai vergangenen Jahres im Streamingportal des ZDF veröffentlicht. Eine zweite Staffel mit zehn Folgen ist bereits geplant, die Dreharbeiten beginnen im Juni, das Ergebnis soll nächstes Jahr ausgestrahlt werden. Ein neues Serienprojekt hat Ginolas im vergangenen Herbst gedreht, dieses soll bald auf RTL Plus veröffentlicht werden. hn

Werdegang Marc Philip Ginolas

Schon als Jugendlicher begann Marc Philip Ginolas, eigene Filme zu produzieren. Mit 13 Jahren drehte er erste Lego-Stop-Motion-Filme mit seiner Spiegelreflexkamera. Spätestens nach seinem Kinoerlebnis mit „Pulp Fiction“ reifte der Wunsch, selbst Filme zu machen und eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren.Nach dem Abitur am Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode absolvierte Ginolas zunächst eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton beim ZDF in Mainz, die er sogar mit dem bundesbesten Ergebnis abschloss. Anschließend zog es ihn an die Hochschule für Fernsehen und Film München, wo er Spielfilmregie studiert.

Seine Kurzfilme wurden inzwischen auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet. Sein Zweitjahresfilm „Till“ mit Ulrich Matthes und Juliane Köhler feierte 2022 bei den Internationale Hofer Filmtagen seine Deutschlandpremiere und wurde später im Bayerischer Rundfunk im Rahmen einer Kurzfilmnacht ausgestrahlt. Zudem erhielt Ginolas gemeinsam mit der Historikerin Judith Grosch das 18. Medienkunststipendium der Münchner Filmhochschule.

Weitere Erfahrungen sammelte er im Serien- und Streamingbereich: Für das Format „Mitarbeiter des Monats“ auf der Plattform Joyn arbeitete Ginolas zusammen mit Leander Kupferer als Autor, Regisseur und Editor. In der ersten Folge war der YouTuber Sascha Hellinger zu sehen.

Bei seinem Weg wurde er stets von seiner Familie unterstützt. Besonders seine Mutter Christin Ritter, Lehrerin an der Grundschule Gittelde, habe ihn immer ermutigt, seinen Interessen nachzugehen.



 

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