Regionales / Stadt Osterode / Schwiegershausen
30.03.2026
Eine Ära geht zu Ende – Abschied in Raten

...Wilhelm Sonntag
Schwiegershausen: Gaststätten sind nicht nur Stätten, wo Gäste bewirtet werden. Nein, sie haben eine viel größere Bedeutung für unsere Gesellschaft. Gastwirte sind auch Seelsorger, Psychiater und Hüter vieler Geheimnisse von Thekengästen. Was einen guten Gastwirt auszeichnet, ist die Fähigkeit, zuzuhören, Gespräche zu führen und zu erkennen, was den gegenübersitzenden Thekengast beschäftigt oder bedrückt.
Hier soll nicht dem Alkohol als Seelentröster das Wort gesprochen werden, sondern eher der Möglichkeit, Dinge auf den Tisch, bzw. auf die Theke zu bringen. Das ist jedoch nur eine Sache, die fehlt, wenn eine Gaststätte schließt.
Auf dem Dorf ist eine Gaststätte vor allem auch der Ort, wo sich Vereine treffen, Gesangvereine üben, Familienfeste und Dorffeste gefeiert werden. Das Sterben der Gaststätten und der Geschäfte ist in fast allen Dörfern landauf landab zu beobachten. Was ist die Ursache?
Im 19. Jahrhundert entstanden Kolonialwarenläden, wo mit der Zeit auch allerlei Getränke angeboten wurden. Hinzu kamen später der Konsum und die Läden einzelner Supermarktketten. Aber auch etliche Flaschenbierverkaufsstellen bei Privatpersonen etablierten sich Mitte des 20. Jahrhunderts im Dorf.
In Schwiegershausen gab es noch bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts vier Gaststätten. Vereinsbälle, Faschingsvergnügen, Familienfeste und Dorffeste wurden in den Gaststätten und deren Sälen gefeiert. Einige Vereine haben sich mit der Zeit eigene Räumlichkeiten gebaut und haben dort auch ihre Feiern veranstaltet. Das Nachsehen hatten die Gastwirte.
Gründe für das Sterben der Gaststätten sind auch verschärfte Auflagen für Toiletten, Brandschutz und Kücheneinrichtungen. Das generelle Rauchverbot hat nachweislich nicht dazu beigetragen. Der Umsatz von Bier und Alkohol ist jedoch auch durch stärkeres Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zurückgegangen. Und nach der Coronapandemie war es besonders schwer, Personal für die Bedienung der Gäste zu finden.
Auch in Schwiegershausen wird wohl Ende des Jahres nun auch die letzte Gaststätte ihre Türen schließen.
Die umfassende Geschichte des Gaststättenwesens hat die Schwiegershäuser Dorfzeitung in ihrer Sonderausgabe Nr.11/1984 ausführlich dargestellt.
Am 01.03.1984 hat Hans Berger den Gasthof Ohnesorge erworben. Berger selbst stammt aus einer Wirtsfamilie, denn bereits sein Großvater Willi hatte in Schlesien eine Gastwirtschaft. Willi Berger hatte den Gasthof Ohnesorge bereits 1956 für ein paar Jahre gepachtet.
Hans Berger wurde 1949 geboren und hat 1965 eine Lehre als Koch im Waldhotel Aschenhütte angetreten. Dort war er später auch als Oberkellner beschäftigt. Seine Frau Carola, geb. Spillner war vor Übernahme des Gasthofes als Bäckereifachverkäuferin bei Bäcker Banse in Osterode tätig.
Leider musste nunmehr ab 01.01.2026 der Küchenbetrieb im Gasthof Ohnesorge eingestellt werden, da die Einrichtung nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. Der Gasthof war überregional für sein reichhaltiges Schnitzelangebot bekannt. Doch komplett geschlossen ist das Wirtshaus noch nicht. Es können noch bis Ende des Jahres Familienfeiern oder Versammlungen im kleineren Rahmen stattfinden. Warme Speisen dürfen jedoch nicht mehr angeboten werden.
Auch die Schwiegershäuser Dorfbühne kann noch mindestens in diesem Jahr den Saal für ihre Theaterauftritte verwenden.
Aber spätestens Anfang nächstes Jahr wird das Ehepaar Berger in das Wohnhaus ihres Sohnes Niklas ziehen. Das Anwesen an der Osteroder Straße soll dann veräußert werden.
Für Schwiegershausen bedeutet das, dass eine wichtige Stätte für das dörfliche Leben wegbricht. Ob es gelingen wird, dass sich hier nochmal eine Gastwirtschaft etabliert, bleibt offen.

