Regionales / Stadt Osterode / Förste/Nienstedt
30.03.2026
Förster Osterfeuer im Wandel der Zeit
Osterfeueraufbau auf der Spille 2015
An eine Zeit, in der es in Förste noch mehrere Osterfeuer gab, erinnert sich Helga Häusler zurück.
...Helga Häusler
Vor dem Krieg gab es In Förste fünf Osterfeuer. Für jedes war eine Osterfeuergemeinschaft zuständig. Später gab es nur noch drei Osterfeuer. Davon ist aufgrund von Vorschriften nur eins übriggeblieben. Ein Los, das auch andere Dörfer teilen mussten. Das „Osterfeuerturlen“, profaner als Osterfeuerschleppen bekannt, war mehr oder weniger den Jungen vorbehalten. Kein Wunder, denn es war wirklich eine Plackerei um im Wald und Feld nach Abfallholz, Gestrüpp, Tannenhecke und sonstigem brennbaren Holz zu suchen.
Ich kann es bestätigen, denn als kleines Mädchen war ich einmal gnädigerweise mit dabei. Das Resultat sprach für sich: Ich hatte schmutzige, nasse Schuhe, ein zerrissenes Kleid und blutige Schrammen an den Händen.
Rückblickend war es so, dass die Jungen um das schönste und größte Osterfeuer wetteiferten. Das war nicht ungefährlich, denn Neider versuchten durch das vorzeitige Abbrennen anderer Osterfeuer die eigene Position zu stärken. Darum mussten die Osterfeuer des Nachts unbedingt bewacht werden.
Als mein großer Bruder Joachim zusammen mit Moppi, dem Hund von unserer Nachbarsfamilie Helmut Schwerthelm, Wache schob, zogen sich beide in späterer Stunde in dem zu einer Bude ausgebauten Hohlraum unter dem aufgeschichteten Osterfeuer zurück. Und sie bekamen tatsächlich ungebetenen Besuch. Wie ein Blitz schnellte Moppi aus dem Versteck und schnappte den Übeltäter tatsächlich an seinen Hosenbeinen. Darauf suchten die Übeltäter das Weite. „Gut gemacht, Moppi! Das Osterfeuer ist gerettet. Es wird ,wie geplant, erst morgen in den frühen Abendstunden brennen.“ Und dass ein Feuer lange brannte, dafür sorgten damals die alten LKW-Reifen von Hermann Lüer. Die schmorten langsam aber stetig vor sich hin...
Um eine schöne Fackel für mich und später auch für meinen kleinen Bruder Wilfried, musste ich mir keine Gedanken machen. Die hatte mein Onkel Werner Binnewies bereits frühzeitig angefertigt. Weil die allgemeine Nachfrage nach Fackeln im Laufe der Jahre immer größer wurde, stellte er stets genügend Fackeln auf Vorrat her. Der außergewöhnlichste Kunde war seinerzeit ein Vater mit Sohn aus Teheran.
Mein Sohn Oliver, der inzwischen mit seiner Familie „hinterm Berge“ wohnte, hat beim Fackeln machen wohl gut aufgepasst. Denn später stellte er traditionelle Fackeln nach Binnewies´scher Methode her und machte so die traditionelle Holzfackel im „Alten Amt“ populär und verdrängte somit dort weitgehensd die tropfenden Pechfackeln. Eine seiner Holzfackeln schaffte es mit dem Flugzeug über den großen Teich gar bis nach Amerika.
Vorm Osterfeuer, damals brannten die Feuer noch am Ostersonntag, musste wir noch zu Abend essen. Wie stets wollte mein kleiner Bruder vor lauter Aufregung nichts essen. Selbst ich war aufgeregt, so stieg auch bei mir nach dem Essen die Anspannung. Es dämmerte schon, als wir zum Osterfeuer auf dem Salzenberg aufbrachen. Dort warteten bereits viele Menschen aufs Anzünden. Mein großer Bruder Joachim war schon da. Er brachte im kleinen Begleitfeuer bereits einige Fackeln für die ersten Kinder zum Brennen.
Wurst- oder Getränkestände und Musik wie es heutzutage üblich ist, gab es nicht. Die Leute freuten sich über das schöne Feuer und unterhielten sich miteinander. Ab und zu gaben sie hier und da Hilfestellungen beim Fackeln oder probierten selbst das Überkopfschwingen. Wenn die Fackel dann irgendwann abgebrannt war, warf man sie mit einen Wunsch, der nicht laut ausgesprochen wurde, ins Feuer.
Wir aber tauchten den noch glimmenden Fackelstumpf zum Ablöschen in den Krauborn, der kleinen Quelle am ehemaligen RAD Lager (Reichsarbeitsdienstlager, später Standort der Grafenquelle) ein. Eine Sage erzählt, dass aus der kleinen Quelle die kleinen Kinder kamen. Daran musste ich auf jedem Rückweg wieder denken. Andere klemmten den Fackelstumpf auf dem Dachboden zwischen die Dachsparren. Das sollte das Haus vor Bränden schützen.
2017 war in der Zeitung zu lesen „Werden Osterfeuer bald verboten?“ Das Umweltbundesamt sollte herausfinden, wieviele Brauchtumsfeuer es gibt und welche Schadstoffe dadurch freigesetzt werden. Deutschland sei laut Genfer Luftreinhalteabkommen zur vollständigen und transparenten Berichterstattung über Luftschadstoffe verpflichtet, heißt es in der entsprechenden Ausschreibung. Stichprobenartig sollten Gemeinde befragt werden, welches Material bei Brauchtumsfeuern verbrannt wird.
Gott sei Dank hat sich die Tradition durchgesetzt und die Osterfeuer brennen noch immer im Sösetal.
Anmerkung der Redaktion:
Natürlich wurden die Osterfeuer nicht verboten, nur das verbrennen von umweltschädlichen Materialien wie oben genannte Autoreifen. Das Abbrennen anderer Osterfeuer kommt nur noch äußerst selten vor, da heutzutage die Osterfeuer erst am Ostersamstag aufgeschichtet und bereits am Abend bei Sonnenuntergang angezündet werden, um Flora uns Fauna zu schützen. Holz und Hecke werden auch seit Jahrzehnten nicht mehr aus Wald und Flur geholt. In den Gärten fällt soviel Material an, dass es jedes Jahr für imposante Osterfeuer im Sösetal ausreicht. Es hat sich also viel geändert über die Jahre, nur die guten alten Holzfackeln sind immer noch ein "Dauerbrenner".


