Regionales / Harz

21.03.2026

"Einst war die Fichte unser täglich Brot!" Jetzt ernten Holzforscher Aspen im Harz


Klone der Amerikanischen Zitterpappel – Pando – größter lebender Organismus der Welt

Landesforsten suchen neue Nutzhölzer - Was kann der Baum des Jahres?

...Nds. Landesforsten

(Seesen / Göttingen) Fichtenwälder bis zum Horizont - einst wuchsen die Charakterbäume im Harz wie die "Haare auf dem Hund". Seit Jahren führen die Folgen des Klimawandels zu einem Rückgang der Nadelbäume. Die Niedersächsischen Landesforsten gestalten diesen Wandel aktiv mit. Jetzt im Frühjahr pflanzen sie zigtausend Setzlinge, führen aktuell neue Baumarten ein und nutzen die Hilfe der Natur. Das Ziel: eine tiefgreifende Transformation hin zu vielfältigen Mischwäldern. Welchen Nutzen bringt das Holz der Zitterpappel - dem Baum des Jahres 2026?

Zitterpappel ist Baum des Jahres: Ökologisch wertvoll - als Rohstoff nutzlos?

Eine altbekannte Baumart im Harz ist die Zitterpappel, auch Aspe genannt. Im Herbst zum Baum des Jahres 2026 gekürt, erlebt die Aspe derzeit eine Renaissance. Als Pionier besiedelt sie baumfreie Flächen. Sie verjüngt sich natürlich, ihr Samen wird vom Wind in weit entfernte Regionen verweht. Wo Aspen wachsen, gedeihen auch andere Gehölze. Im Schutz ihrer Zweige und zittrigen Pappelblätter überleben empfindliche Baumarten, die Frost und Sonnenbrand wenig vertragen. Mit diesen Eigenschaften und der zunehmenden Bedeutung bei der Wiederbewaldung rückt die Zitterpappel in den Fokus der Holzforschung.

Pappelernte im Forstamt Seesen zu Forschungszwecken der Regionalstudie Harz

Als relativ weiches Laubholz wird die Pappel vornehmlich für Faser- und Spanprodukte genutzt. Ein Forscherteam will untersuchen, welche Chancen die Aspe in lasttragenden und somit höherwertigen oder leistungsfähigeren Werkstoffen wie OSB und Furnierschichtholz hat.

Die Landesforsten beteiligen sich an dem Forschungsvorhaben. Sie lassen im Forstamt Seesen für die Untersuchungen eine erste Fuhre Pappelholz fällen. Forstwissenschaftlerin Jella Rebentisch Weikert ist Betriebsdezernentin im Forstamt. Sie hat gemeinsam mit Silas Tepper, dem Revierleiter der Försterei Lautenthal, geeignete Pappelbäume im Seesener Revier ausgewählt und unterstützt die Feldforschung im Rahmen der Regionalstudie Harz.

"Die Fichte war unser täglich Brot! Über Jahrhunderte hat die Baumart den Bergbau im Harz ermöglicht. Aus dem Verkauf des begehrten Bauholzes konnten wir in den vergangenen 40 Jahren den Umbau unserer Nadelwälder bezahlen", erinnert Försterin Rebentisch-Weikert. Die nächste Waldgeneration bestehe überwiegend aus Mischwäldern. Darin befänden sich mehr Laubbaumarten, insbesondere sogenanntes Weichlaubholz wie Birke, Aspe und Eberesche, so die Forstfrau und ergänzt: "Die Studie will untersuchen, wofür Hölzer verwendet werden können, die bislang auf dem Markt nur eine Nebenrolle spielen. Denn Aspen, Birken oder Ebereschen liegen uns Forstleuten aus ökologischen Gründen sehr am Herzen. Wenn künftig mehr weiches Laubholz im Harz anfällt, freuen sich Holz-Fans natürlich, diesen Rohstoff nutznießend verwenden zu können", hofft die Försterin auf positive Forschungsergebnisse für ihr Pappelholz. Schließlich sollen die Seesener Aspen nicht ausschließlich als Streichhölzer enden. Bekanntermaßen eignet sich Pappelholz dafür besonders gut.

Das Forschungsteam

Das Projektkonsortium ist ein regionaler Wald- und Holzforschungs-Cluster im Raum Göttingen. Es besteht aus dem Kompetenznetz für Nachhaltige Holznutzung e. V., der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und der Universität Göttingen, ergänzt um die Partner Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI und das Thünen-Institut für Waldwirtschaft sowie den Niedersächsischen Landesforsten und dem Harzer Tourismusverband.

Die Regionalstudie Harz (REHA) entwickelt vor dem Hintergrund der aktuellen Waldsituation und des zukünftigen Klimawandels Szenarien für die Wiederbewaldung des Harzes. Die Pflanzung von klimaangepassten, ertragsstarken Baumarten und die Chancen hinsichtlich ihrer Holzverwendung werden betriebswirtschaftlich analysiert. Darüber hinaus werden wichtige Funktionen des Waldes wie beispielsweise die Trinkwassergewinnung beleuchtet. Neben der wissenschaftlichen Zusammenarbeit stärkt REHA die Netzwerke der Wald- und Holzwirtschaft, aber auch der anderer Sektoren wie dem Tourismus.

 

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