Kultur

17.03.2026

Vernissage KUNSTBETRACHTER mit Werken von Werner-Joachim Schatz


Werner-Joachim Schatz gehört ebenfalls zu den Kunstbetrachtern im Bild

von Corina Bialek

Am vergangenen Freitag wurde im Kunsthaus am Schilde die Kunstausstellung KUNSTBETRACHTER mit Werken von Werner-Joachim Schatz mit einer Vernissage eröffnet. Werner-Joachim Schatz war ein prägender Bildhauer und Grafiker aus Osterode am Harz, der über Jahrzehnte in Lerbach lebte und arbeitete. Seine Werke sind menschennah, erzählerisch und oft von feinem augenzwinkernden Humor geprägt.

Horst Lossie aus Lerbach hat die Exponate für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. In seiner Rede erläuterte er seinen persönlichen Bezug zu Werner Joachim-Schatz und wie die Ausstellung zustande kam. Er wurde 1940 in Lerbach geboren und erlebte Schatz’ Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft Anfang der 1950er Jahre als Nachbar. Besonders hob er die Verbindung zu seinem Schulfreund hervor, der ebenfalls Werner Schatz hieß und vom Künstler als „der kleine Werner“ porträtiert wurde – die Büste dieses Jungen ist in der Ausstellung zu sehen.

Den künstlerischen Nachlass erwarb Lossie von einem Berliner Architekten nach dem Tod von Schatz’ Ehefrau. Teile des Nachlasses gab er an die Heimatstube Freiheit und die Kirchengemeinde St. Aegidien. Der größte Teil verblieb bei ihm. Ein besonderes Highlight ist eine Bronzetafel, die er in einer Galerie in Nordrhein-Westfalen entdeckte. Sie diente Schatz ursprünglich als Entwurf für die Tür der Marktkirche in Osterode. Die Darstellung auf der Tafel ist identisch mit einem Teil der tatsächlichen Kirchentür.

Ingrid Kreckmann, eine ehemalige Schülerin von Werner Joachim Schatz, beleuchtete in ihrem Vortrag das bewegte Leben und das vielseitige Werk des Künstlers. Geboren 1911 in Bromberg, studierte Schatz Kunst in Berlin und Geographie in Hannover. Eine zentrale Zäsur bildete der Zweite Weltkrieg: Nach einer zehnjährigen russischen Kriegsgefangenschaft (1944–1954), in der er zeitweise zum Tode verurteilt war und Zwangsarbeit leistete, kehrte er erst 1954 als Spätheimkehrer zurück.

In Osterode wirkte er fortan als Kunsterzieher am Gymnasium, musste sich jedoch 1960 krankheitsbedingt pensionieren lassen. Dennoch blieb er als Bildhauer und Grafiker hochaktiv. Zu seinen prägendsten Arbeiten im öffentlichen Raum zählen die Skulptur „Die drei schwatzenden Weiber“, die „Tür der Hoffnung“ der Marktkirche sowie die Synagogen-Gedenktafel. Kreckmann hob hervor, dass Schatz’ Schaffen von Neugier und purer Freude an kreativer Tätigkeit getrieben war. Er verstarb 1998 in Lerbach

Jens Augat zeigte sich tief bewegt von der Lebensgeschichte Werner Joachim Schatz’, insbesondere von dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Alter von 43 Jahren, was genau Augats aktuellem Alter entspricht. Er dankt den Organisatoren und betont, dass Schatz durch seine Werke im öffentlichen Raum wie die „Schwatzenden Weiber“ in Osterode für die Bürger allgegenwärtig bleibt.

Er interpretiert diese Skulptur als zeitlose Symbole für den Wert von Austausch, Respekt und menschlichem Miteinander. Zudem zog er Parallelen zwischen historischen und aktuellen Debatten zur Stadtgestaltung am Kornmarkt, denn die Skulptur war damals in der Bevölkerung durchaus umstritten. Er sieht in Schatz' Kunst einen Spiegel, der die Gesellschaft zum Nachdenken und Schmunzeln anregt. Für ihn ist die Würdigung dieses Erbes auch ein Auftrag, aktiv daran zu arbeiten, dass sich die tragische Geschichte nicht wiederholt. Mit dem Wunsch nach bereichernden Begegnungen für die Besucher eröffnet er die Ausstellung offiziell.

Sabine Tippach bedankte sich bei allen, die diese Ausstellung möglich gemacht haben, insbesondere bei Indra Zahner und André Haak für die Gestaltung und Anfertigung der Plakate sowie bei Ingrid Kreckmann für die beeindruckende Darstellung der Lebensgeschichte des Künstlers. Sie selbst habe Werner-Joachim Schatz nicht persönlich gekannt, wohl aber seine Frau. Besonders nachhaltig beeindruckt war sie von einem Besuch seines Ateliers, da es dort so wirkte, als habe der Künstler den Raum gerade erst verlassen.

Die Ausstellung kann noch bis zum 04. April 2026, montags bis freitags von 10 - 17 Uhr und samstags von 10 - 13 Uhr besucht werden.
Kunst am Schilde, Am Schilde 2, 37520 Osterode am Harz

Die Ausstellung befindet sich im 1. Obergeschoss. Im Erdgeschoss hat zeitgleich die Galerie auf Zeit FRÜHLINGSBOTEN ihr Tür geöffnet.


Hanna Geb umrahmte die Vernissage musikalisch

Begrüßung durch Sabine Tippach

Horst Lossie aus Lerbach hat die Exponate für die Ausstellung zur Verfügung gestellt

Ingrid Kreckmann berichtete über das Leben und das künstlerische Schaffen von Werner-Joachim Schatz

Bürgermeister Jens Augat eröffnete die Ausstellung

Selbstbildnis von Werner-Joachim Schatz

Die folgenden Bilder können Sie vergrößern, wenn Sie ein Eseltreiber-Abo haben:








Der kleine Werner

Arthur Rubinstein



Entwurf für die Skulptur der 'Schwatzenden Weiber', die auf dem Kornmarkt steht. Wat dei seck woll tau vertellen hewet?

Kirchentür Muster...

...es floss in die Gestaltung der 'Tür der Hoffnung' in der St. Aegidienkirche ein


Werner-Joachim Schatz bei der Arbeit

 

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