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23.01.2026

Wenn der Fotograf auf der Isomatte liegt


Wenn es um Fotos aus der Froschperspektive geht, muss der Fotograf oft direkt auf dem Boden liegen und lauern

Guido Aßmann aus Gittelde entdeckt die großen Wunder der Natur im Allerkleinsten

...von Herma Niemann

Pilze wie aus dem Bilderbuch, schimmernde Regentropfen und Pusteblumen, so zart, dass man fast den Atem anhält – wer die Fotografien von Guido Aßmann sieht, ahnt schnell: Hier schaut jemand ganz genau hin. Sehr genau sogar. Oft aus nächster Nähe. Und nicht selten aus Bodennähe.

Der 48-jährige Gittelder fotografiert seit etwa 2021 – als Hobby, aus Leidenschaft und mit wachsender Begeisterung für Natur- und vor allem für die Makrofotografie. Autodidaktisch hat sich Aßmann alles selbst beigebracht: durch Lesen, Fotobücher, YouTube-Videos und vor allem durch Ausprobieren. Viel Ausprobieren. „Ich habe viele gute Fotos“, sagt er bescheiden, „aber ich habe auch oft viel Glück gehabt".

Dabei begann alles recht unspektakulär. Lust auf Fotografie hatte Aßmann schon lange, doch es fehlte an der Ausrüstung. Seine Lebensgefährtin Monika Schaper wollte ihm zu Beginn sogar einen Fotokurs bei der Volkshochschule schenken – doch Corona machte dem Geschenk einen Strich durch die Rechnung. Also lernte Aßmann auf eigene Faust. Seine erste Kamera war ein Einsteigermodell, eine Canon EOS 2000D. Inzwischen arbeitet er mit einer Canon EOS 90D und verschiedenen Objektiven – und vor allem mit viel Geduld.

Geduld ist ohnehin eine der wichtigsten Zutaten seiner Bilder. Für eine Libelle wartete Aßmann einmal rund zwei Stunden und drückte etwa 200 Mal auf den Auslöser, bis das perfekte Foto im Kasten war. Andere Aufnahmen zeigen eine Meise, die ihrem Nachwuchs gerade einen dicken Wurm serviert, oder ein Eichhörnchen, das sich offenbar gerne freiwillig als Fotomodell zur Verfügung stellt.

Besonders auffällig sind Aßmanns Makroaufnahmen. Pilze, Disteln, Regentropfen oder Pusteblumen erscheinen darauf wie kleine Kunstwerke – geheimnisvoll, filigran und oft überraschend. Sie zeigen die Natur nicht nur, sie offenbaren sie: ihre Strukturen, ihre Zerbrechlichkeit, ihre oft übersehene Schönheit.

Für viele dieser Motive begibt sich der Fotograf sprichwörtlich in die Froschperspektive – also eine sehr niedrige Kameraposition dicht über dem Boden, die Motive größer und eindrucksvoller wirken lässt. Damit das bequem möglich ist, gehört eine Isomatte inzwischen zur festen Ausrüstung bei seinen Spaziergängen. Nicht selten liegt Aßmann damit am Waldrand oder auf einer Wiese, regungslos, „sozusagen auf der Lauer“, wie er sagt.

„Dabei kann ich besonders gut vom Alltag abschalten“, erzählt er, „manchmal harrt man mehrere Stunden aus – das braucht Geduld, aber genau das macht es für mich aus". Unterstützung bekommt er dabei inzwischen sogar von einem Tarnnetz, mit dem er sich demnächst am Feldrand nahezu unsichtbar machen möchte.

Dass diese Spaziergänge gelegentlich etwas länger dauern, weiß auch Monika Schaper. Sie fragt an den Wochenenden manchmal augenzwinkernd, ob es ein normaler Spaziergang wird – oder eine Fotosafari. Bei Letzterer geht Guido Aßmann dann meistens lieber allein los.

„Ich habe einfach viel Spaß an der Fotografie und daran, mich an Motive heranzuarbeiten“, sagt er. Ob Langzeitbelichtungen oder kreative Bildgestaltung: Aßmann schätzt die Mischung aus Technik und Kunst. „Das ist mein Ding. Natürlich könnte man auch musizieren“, sagt er lachend, „aber Musik von mir will bestimmt keiner hören".

Vergleicht er seine ersten Aufnahmen mit den heutigen, erkennt er deutlich eine Entwicklung. Einige seiner Bilder verschickten Monika und er bereits als Weihnachtsgrußkarten – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was inzwischen auch öffentlich zu sehen ist.

Denn seit Mitte 2025 können Interessierte eine Auswahl seiner Fotografien im Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde in Gittelde bewundern. Wann die Ausstellung endet, steht noch nicht fest. Die Bilder können zudem käuflich erworben werden. Der Kontakt läuft unter anderem über Aßmanns Instagram-Account guido.knipst oder über Handy 0172-9501222.

Und wer weiß: Vielleicht liegt der Fotograf beim nächsten Spaziergang schon wieder auf seiner Isomatte – auf Augenhöhe mit der Natur. Also Fußgänger aufgepasst, dann heißt es: "bitte nicht stören". 


Guido Aßmann aus Gittelde hat das Fotografieren autodidaktisch erlernt und macht jetzt beeindruckende Natur- und Makroaufnahmen

Eine Auswahl seiner Bilder ist momentan noch im Pfarrhaus in Gittelde zu bewundern

Flechten auf einem Holzpfahl: als Makro sehen sie aus, wie Lebewesen aus einer anderen Dimension

Ein wunderschöner Fliegenpilz

Ein Eichhörnchen - aufgenommen am Hübichenstein

 

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