Panorama

17.01.2026

Oder doch nicht die Weltherrschaft?


KI ist ein Werkzeug, keine Revolution der Maschinen

von Christian Dolle

Künstliche Intelligenz ist eines der ganz großen Themen unserer Zeit. Was kann sie alles ersetzen? Wird sie eines Tages die Weltherrschaft übernehmen? Oder ist sie so selbstreferenziell, dass sie sich schneller als wir denken selbst zerstört? Die Erkenntnis aktuell: Wir wissen es einfach noch nicht.

Was wir wissen, ist, dass es inzwischen jedem möglich ist, KI-Tools zu nutzen, sei es, um Fragen beantwortet zu bekommen, Fakten zu checken, Texte zu erstellen oder auch Bilder. Unternehmen gestalten ihre kompletten Internetauftritte mit KI, Influencer unterhalten sich in Streams mit ihrem KI-Assistenten wie mit einem guten Freund, politische Akteure generieren mit KI die Hintergründe, die sie brauchen, um ihre Agenda zu rechtfertigen. Was wir aber auch wissen, ist, dass kaum jemand von uns in der Lage ist, KI-Inhalte sicher als solche zu erkennen, das, was KI als Fakt ausgibt zu verifizieren, kurz: das, was die Algorithmen ausspucken, richtig einzuordnen. 

Kein Zugewinn von Erkenntnis

Darin besteht die ganz große Gefahr. Wir sind auf dem besten Wege, eine vermeintliche Intelligenz als Quelle für alles Mögliche heranzuziehen, ohne dabei zu sehen, dass die meisten Tools, die uns zur Verfügung gestellt werden, so programmiert sind, dass sie uns immer wieder bestätigen. Kein Zugewinn von Erkenntnis also, sondern Kreiswichsen. Sorry. Es ist nun einmal keine wirkliche Intelligenz, sondern eine Maschine, die unsere Welt der Über-Information schneller durchforsten kann als wir und viele Zusammenhänge besser erkennt als wir. Das ist aber auch alles. 

Das soll an dieser Stelle keinesfalls KI-Bashing werden. Es mag nach diesen Zeilen verwundern, aber ich halte KI für eine großartige Entwicklung und für einen enormen Fortschritt. Das Problem sehe ich aber bei uns, also unserem Umgang mit diesem Werkzeug. Einen solchen muss man nämlich in jedem Fall erst erlernen. Ich setze mich ja auch nicht in ein Auto und fahre einfach los, weil das absolut fatale Folgen hätte. Nicht viel anders ist es bei KI.

Mangelnde Medienkompetenz

Grundsätzlich bin ich dafür, dass Medienkompetenz schon in der Schule einen viel größeren Raum einnehmen müsste. (Das auszuführen würde allerdings ziemlich ausufern.) Und nicht nur in der Schule, sondern auch bei Erwachsenen. Viele aktuelle Probleme resultieren meiner Meinung nach aus mangelnder Medienkompetenz. Das wird durch KI nur verschärft. Also braucht es dringend mehr Wissen, wie ich mit dem Tool umgehen kann. 

Nutze ich selbst KI? Für meine journalistische Arbeit absolut nicht. Weder lasse ich Texte von KI vorformulieren, noch setze ich sie bei der Recherche ein. Sicher, es mag hilfreich sein, grundsätzliche Fakten zu checken, das schon. Aber im Lokalen, wo es meist um global gesehen unwichtige Dinge geht und vor allem um Menschen, hilft KI mir wenig. 

Das meiste, worüber ich berichte, ist neu, es wurde also noch kaum oder selten darüber geschrieben. Wie sollte ein Programm eine solche Information also finden? Noch dazu sind es meist Menschen, mit denen ich direkt spreche und die mir ihre Geschichte erzählen. Dafür brauche ich keinerlei Technik, sondern Ohren, Hand und Stift und meistens noch viel wichtiger Empathie. 

Maschinen und Kultur

Beim Schreiben selbst habe ich kürzlich die Erfahrung gemacht, dass ich gebeten wurde, über ein Konzert zu berichten. Leider konnte ich nicht dort sein, so ging die Bitte weiter, doch trotzdem einen Text an die Presse zu geben, den wolle man mir mit KI schreiben und zuschicken. Aus Sympathie sagte ich zu. Das Ende vom Lied war, dass ich den kompletten Text neu formulierte, weil das, was die Maschine ausgespuckt hatte, leider nicht verstanden hatte, worauf es ankam, mit Kultur nun einmal überfordert ist und ja auch sein muss. 

Auch für meine Geschichten, die Vertonungen oder meine Bücher nutze ich keine KI. Weil sie nicht in der Lage ist, literarisch zu schreiben? Nein, das würde ich für die kommenden Jahre überhaupt nicht ausschließen. Schon jetzt gibt es auf Youtube unglaublich viele komplett mit KI generierte Videos inklusive Vertonung, auch Songs oder auf Amazon ganze von KI geschriebene und illustrierte Kinderbücher etc. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der erste KI-Bestseller in den Buchhandlungen steht, da bin ich ganz sicher. 

Aber ich schreibe ja, weil es mir Spaß macht. Diesen Spaß will ich mir doch gar nicht von einem Tool abnehmen lassen. Auch das Vertonen mache ich gerne, möchte selber einlesen und es nicht eine Maschine für mich machen lassen. Es geht ja schließlich um die Kunst, um die Begeisterung für die Kunst und nicht um Effizienz. 

Horror, Fantasy und Science Fiction

Einen Bereich gibt es dann allerdings doch, wo ich auf KI nicht mehr verzichten will. Über viele Jahre habe ich meine Videos auf Youtube mit eigenen Fotos bebildert. Nun schreibe ich viel Horror oder Fantasy oder Science Fiction. In all diesen Genres ist es nun mal schwer, Fotos zu machen. Bis jetzt kam mir noch kein Vampir vor die Linse, keine Fee und nur selten ein Roboter. 

Da mein Kanal sehr klein und nicht monetarisiert ist, kann ich mir keine Illustratoren leisten. Und gerade hier ist KI für mich geradezu eine Offenbarung. Oft reicht es aus, die entsprechenden Beschreibungen aus meinen Texten ins Programm zu kopieren und ich bekomme visualisiert, was ich mir ausgedacht habe. Das ist fast wie Zauberei, macht wirklich Spaß und inspiriert zum Teil auch, die eigenen Beschreibungen zu konkretisieren. 

Ganz aktuell habe ich an meiner Geschichte „Verloren in Kojima-City“ geschrieben. Ein Cyberpunk-Thriller in einer futuristischen Metropole. Vieles, was in meiner Fantasie vorhanden war, habe ich mit KI bildlich dargestellt. Durch diese Bilder war ich selbst noch viel tiefer in der Welt, die ich beschriebe, konnte mich besser hineinversetzen und bin der Meinung, dass mir das beim Schreiben geholfen hat. 

Fantasie visualisieren

Seit etwa einem Jahr nutze ich KI-Tools regelmäßig für Thumbnails und möchte es nicht mehr missen. Es ist für mich einerseits eine Erleichterung, andererseits ein echter Zugewinn an Ausdrucksformen. Daher bin ich absolut kein Gegner von KI und verteufle die aktuelle Entwicklung auch nicht. 

Nur denke ich, dass wir, wenn der Hype vorbei ist, einfach nüchtern überlegen müssen, wie wir mit den neuen Möglichkeiten umgehen und diesen Umgang tatsächlich erlernen. Wenn wir das beherrschen, dann ersetzt KI auch nicht alles, dann übernimmt sie nicht die Weltherrschaft und ob sie so selbstreferenziell ist, dass sie sich schneller als wir denken selbst zerstört, werden wir sehen.

 

Den ersten Teil der angesprochenen Story "Verloren in Kojima City" gibt es hier:



 

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