16.12.2025
Höhlen und Karst erstmals Thema bei der Umweltversammlung UNEA-7 der Vereinten Nationen

Der Klimawandel macht vor Eishöhlen nicht halt, die Eiskappelle im Nationalpark Berchtessgaden ist inzwischen komplett verschwunden
Treffen mit Vertretern des Bundesumweltministeriums
...VdHK
München. Seit einem Jahrzehnt begleitet der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (VdHK) die internationalen Beratungen zu Nachhaltigkeitszielen und Umweltschutz auf UN-Ebene. In diesem Jahr markierte die UNEA-7 in Nairobi einen historischen Meilenstein: Zum ersten Mal wurde eine Resolution zu Karst-Ökosystemen auf Antrag von Indonesien verhandelt. Der VdHK war als einzig akkreditierter Verband zu Höhlen und Karst aktiv in die Verhandlungen eingebunden, deren Vorsitzende Bärbel Vogel als Kontaktpunkt für die NGO Major-Gruppe benannt wurde.
Aktive Beteiligung und transnationale Zusammenarbeit
Seit Anfang Oktober 2025 begleitete der VdHK die Verhandlungen zunächst online. Eine eigens gegründete transnationale Arbeitsgruppe vertrat die Interessen des Verbandes. Ana K. Celis (Mexiko) und Dr. David B. Wechuli (Kenia) waren dann vor Ort in Nairobi. Die Verhandlungen der Mitgliedsstaaten zu Karst-Ökosystemen gestalteten sich jedoch höchst kontrovers. Obwohl Karst 16 % der eisfreien Erdoberfläche ausmacht und 10 % der Weltbevölkerung auf Wasser aus Karstgebieten angewiesen sind, ist das Thema im globalen Umweltschutz noch nicht angekommen. Weltweit stehen nur 7 % der Karstgebiete unter Schutz. Dank an Indonesien – Enttäuschung über das Verhandlungsergebnis
Der VdHK dankt Indonesien ausdrücklich dafür, als erstes Land diese Lücke im globalen Umweltschutz mit einer Resolution auf UN-Ebene thematisiert zu haben. Besonders relevant ist dies vor dem Hintergrund, dass das Nachhaltigkeitsziel Wasser 2026 auf der UN-Agenda steht. Umso bedauerlicher ist es, dass die Resolution nach zehn Tagen intensiver Verhandlungen zurückgezogen werden musste, da sich die Mitgliedsstaaten nicht auf einen finalen Text einigen konnten.
Engagement bleibt ungebrochen – Erfolge trotz Rückschlag
Trotz dieses Rückschlags sieht der VdHK sein Engagement als erfolgreich an:
- Innerhalb von nur neun Wochen gelang es, das Thema Karst vielen Delegationen näherzubringen.
- Eine englischsprachige Website mit Informationsmaterial wurde erstellt und durch eine Social-Media- Kampagne begleitet.
- Als erster deutscher Naturschutzverband hat der VdHK einen Side Event bei einer UNEA organisiert, zu „Karst-bewussten Entscheidungen für einen nachhaltigen Planeten“. Neben Bärbel Vogel und Ana K. Celis gewann der VdHK eine Sprecherin des indonesischen Ministeriums als Vortragende sowie Vertreter anderer UN-Interessensgruppen für eine Podiumsdiskussion.
- Beim Global Environment Outlook 7, dem bislang umfassendsten Bericht zur wissenschaftlichen Bewertung der Umwelt der Welt, war mit Bärbel Vogel erstmals eine Höhlenforscherin beteiligt. Zahlreiche Referenzen zu neuen wissenschaftlichen Publikationen zu Karst konnten so wurden in den Bericht aufgenommen werden.
- Höhlenforscher:innen und speläologische Verbände aus zahlreichen Ländern unterstützten die Initiative – ein Zeichen für die starke Solidarität der speläologischen Gemeinschaft.
„Viele Delegierte kannten den Begriff ‚Karst‘ zuvor nicht. Dass wir es geschafft haben, in so kurzer Zeit so viel Aufmerksamkeit zu generieren, ist ein großer Erfolg“, betont die Vorsitzende des VdHK Bärbel Vogel. „Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, Karstlandschaften und ihre Ökosystemleistungen auf UN-Ebene zu verankern. Gemeinsam mit Indonesien und den speläologischen Verbänden wollen wir uns für die UNEA-8 in zwei Jahren vorbereiten.“
Dialog mit der Politik: Schutz des Gipskarstes im Südharz
Heute traf sich Ana K Celis mit Vertretern des Bundesumweltministeriums in Nairobi. Deutschland verfolgt auf der UNEA-7 eine Resolution zu Umweltauswirkungen von Bergbau. Das unterstreicht das deutsche Engagement für eine nachhaltige und verantwortungsvolle Ressourcenbewirtschaftung. Der VdHK wies in diesem Zusammenhang auf die besondere Bedeutung des Gipskarstes im Südharz hin, wo sogar Schutzgebiete durch Abbau bedroht sind. Es gibt mittlerweile mengenmäßig ausreichend Alternativen zum Naturgips, wenn man den Phosphorgips einbezieht. „Damit muss der Gipsabbau der Vergangenheit angehören. Das bleibt ein wichtiges Thema für uns“, so Bärbel Vogel, „Die weltweit einzigartige Landschaft im Südharz darf keines Falls dem Abbau geopfert werden, sondern verdient den höchsten Schutzstatus. Der VdHK ruft alle zuständigen Behörden auf, sich dieser Verantwortung zu stellen und gemeinsam den UNESCO-Welterbestatus zu beantragen.“
Dass die Welt auf den Südharz blicken könnte, hat die UNEA-7 gezeigt.
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
Bärbel Vogel vorsitz@vdhk.de Tel. 08361-269 vdhk.de





