Kultur

13.12.2025

Wanderung ohne Wiederkehr


In „Flüsternde Erinnerungen“ entführt Monalishan Santhalingam seine Leser in den Harz

von Christian Dolle

Der Zug aus Salzgitter fährt im Bahnhof Bad Harzburg ein. Monalishan Santhalingam steigt aus, ein junger Mann, der sein Buch „Flüsternde Erinnerungen“ im Gepäck hat. Ursprünglich dachte ich daran, mit ihm in Richtung Achtermann zu wandern und ihn währenddessen zu interviewen, weil genau dieser Weg durch den Harz in seinem Psychothriller eine entscheidende Rolle spielt.

Das Wetter sprach nicht unbedingt dafür, so bleiben wir am Bahnhof im Trockenen. Auch der spielt im Roman eine Rolle, denn hier kommt Hauptfigur Jojo nach sieben Jahren in Hamburg wieder an, um sich seiner Vergangenheit zu stellen. Damals wanderte er mit Freunden zur Achtermannshöhe, niemand von den anderen tauchte je wieder auf, Jojo wurde gefunden, kann sich aber bis heute nicht daran erinnern, was unterwegs passierte. 

"Ich habe mich in den Harz verliebt"

Die Idee zur Geschichte kam Monalishan tatsächlich auf einer Wanderung im Harz. „Ich war mit Freunden dort wandern und es war die beste Wanderung überhaupt“, erzählt er, „Wir sind nicht den regulären Weg gegangen, sondern einfach quer in den Wald hinein, so beschreibe ich es auch im Buch.“ Diese Abenteuerstimmung und die besondere Stimmung im Harz waren der Ausgangspunkt für dieses Geschichte. „Ich habe mich in den Harz verliebt“, schwärmt er und fügt hinzu: „Mir ist wichtig, meine Bücher an realen Orten spielen zu lassen, weil ich mich dann besser einfühlen und die Orte beschreiben kann.“

Eigentlich ist er in Frankfurt geboren und aufgewachsen, dann zog es ihn in den Norden und dort immer wieder in den Harz, in dem er wegen seiner Mystik, Historie und Natur eine geradezu unerschöpfliche Inspirationsquelle sieht. Das schlägt sich auch im Buch nieder, schon auf den ersten Seiten beschreibt er die besondere Atmosphäre durch die aktuell toten Bäume, die wie hölzerne Grabsteine wie eine Warnung auf jeden Wanderer wirken können. 

"Mein Selbstvertrauen wurde gestärkt"

Entgegen dieser düsteren Stimmung und des großen Geheimnisses, das seinen Plot bestimmt, ist Monalishan ein ausgesprochen positives Gegenüber. Er erzählt von seinen Eltern, tamilische Einwanderer, die ebenfalls schreiben, wenn auch ganz anders als er, und von seinem ersten Krimi „Auf diesem Pfad“, das er ebenfalls schon als Selfpublisher herausbrachte. „Durch das Selfpublishing wurde mein Selbstvertrauen gestärkt, weil ich eben alles alleine machen musste“, sagt er. Auch spricht er von seinen Bildern – sein zweites kreatives Hobby, das er auch auf seiner Website präsentiert – und von seinem Hauptjob als Ergotherapeut. 

Gerne möchte er sich als Autor sozusagen ein zweites Standbein schaffen. Daher ist ihm nach dem ersten Entwurf der Geschichte auch ein Korrektorat, Lektorat und die Überarbeitung seines Manuskripts sehr wichtig. „Ich mag es, aus dem was ich geschrieben habe, im zweiten Durchgang richtig schöne Sätze zu machen“, sagt er. Für mich ist das Erfinden einer Geschichte der Spaß, die Überarbeitung definitiv die lästige Pflicht, daher finde ich es spannend, was er sagt. 

Überhaupt unterhalten wir uns auch nach dem aufgezeichneten Interview noch lange und kommen auf zig verschiedene Themen zu sprechen. Natürlich auf immer wieder auf den Harz und auf sein Buch. Definitiv hat er mich neugierig auf „Flüsternde Erinnerungen“ gemacht und ich bedaure ein wenig, mit dem Auto zurück nach Osterode fahren zu müssen und nicht wie er im Zug lesen zu können. 

 

Das ausführliche Interview gibt es hier: 





 

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