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04.12.2025
Mit Doom und Super Mario groß geworden

Screenshot aus dem Jubiläumsstream am Sonntag
Streamer Tarfull aus Osterode verliert sich am liebsten in Retro-Games
von Christian Dolle
Seit genau drei Jahren streamt er auf Twitch, hat dort inzwischen mehr als 1500 Follower, mehrere hundert Zuschauer pro Stream. Sein Genre: Retro Gaming, also jene Spiele, die viele in ihrer Jugend begleitet haben und die einen festen Platz in der Geschichte der Videospiele haben.
„Nie im Leben habe ich damit gerechnet, dass ich damit mal Geld verdiene“, sagt Tarfull, der im wahren Leben Marco heißt. Seine eigene Gaming-Historie begann mit dem C64 seines Vaters, irgendwann bekam er von seiner Oma einen Game Boy, es folgten Super Nintendo und viele weitere Konsolen, seit seinem sechsten Lebensjahr zockt er Tetris, Super Mario, Secret of Mana, Day of the Tentacle (sein erstes selbst gekauftes Spiel), The Legend of Zelda, Half Life und vieles mehr, das für seinen Geschmack in einer solchen Aufzählung nicht fehlen dürfte.
70 bis 80 Retro-Konsolen
Bei seinem Vater durfte er Doom spielen, seine Mutter leitete ihn dann eher zu Mario. Den Spielen blieb er jedenfalls immer treu, den Konsolen ebenso. Inzwischen sammelt er Retro-Konsolen, hat in seinem Streaming-Raum etliche davon stehen, die für seine Zuschauer im Stream eben auch zu sehen sind, zwischen 70 und 80 sind es insgesamt.
Mit dem Streameing begann er übrigens während eines Urlaubs, probierte es einfach mal aus. „Und plötzlich waren da Leute im Chat“, erzählt er. So blieb es dabei. „Ich hab mit Gaming gar nichts am Hut“, sagt seine Partnerin Katharina, „aber ich unterstütze es.“ Das braucht es auch, um sowas über Jahre zu machen. Beide arbeiten im Schichtsystem, seine Streamingzeiten richten sich danach, wann sie nicht zu Hause ist. „Das Privatleben geht immer vor“, steht für Marco (und auch für Katharina) fest.
Inzwischen hat sich alles eingependelt, es gibt sehr treue Zuschauer, sogar ein Community-Treffen in der echten Welt, also in Pöhlde, gab es bereits. Etwa 70 Personen waren dort, es wurde sogar für den guten Zweck gesammelt und schließlich konnte Marco 4100 Euro an das Kinder- und Jugendhospiz Sternenlichter in Göttingen überreichen (der Eseltreiber berichtete). „Das war absolute Gänsehaut“, kommentiert er. (Ja, sowas kann passieren, wenn man seine kindlichen Passionen ernsthaft verfolgt.)
Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen
Anfangs wurde er von vielen belächelt. „Man muss ein dickes Fell haben, wenn man in Osterode sitzt und Twitch macht“, erinnert er sich zurück. Kaum jemand nahm es anfangs ernst, dabei sei Gaming ja längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Laut Statistik spielen 54 % der Deutschen zumindest gelegentlich Computer- und Videospiele, in der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sind es sogar 89 % und bei den über 65-Jährigen immerhin noch 22 % (Quelle: Statista).
Dass es für Marco heute die Retro-Spiele sind, liegt wohl daran, dass er mit eben diesen aufgewachsen ist. Außerdem hat er damit seine eigene Nische als Streamer. Natürlich findet er auch die aktuelle Entwicklung im Gaming spannend, ihn interessiert oft, welches Spiel welche Mechaniken zuerst hervorgebracht hat und verfolgt auch viele Neuerscheinungen. Grundsätzlich aber glaubt er, dass die Spieleindustrie damals innovativer war, mehr ausprobiert hat. „Das Herz fehlt heute oft“, stellt er fest.
Wichtig für ihn ist es im Stream wie generell, Spiele nicht zu ernst zu nehmen. Es geht ja schließlich um Spaß, um eine Flucht in eine andere Welt, in der man die reale für einen Moment außen vor lassen kann. Das möchte er auch seinen Zuschauern bieten. Einfach abschalten. „Aber mein Humor ist garantiert nicht für jeden was“, warnt er grinsend.
Tarfull auf Twitch
Wer nun trotzdem neugierig geworden ist, hat immer sonntags die Chance, Tarfull live zu erleben, manchmal auch unter der Woche, drei bis vier Streams pro Woche strebt er an. Zu finden ist er hier.

