Regionales / Stadt Osterode / Osterode

04.12.2025

Orange leuchtete das Rathaus: Verein Frauen für Frauen setzt mit eindringlicher Mahnung ein starkes Zeichen gegen Gewalt


85 Wimpel repräsentieren die Femizide in Deutschland in diesem Jahr, basierend auf der Berichterstattung

von Corina Bialek

Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, wurde der Platz vor dem  Rathaus in Osterode zum zentralen Schauplatz der bundesweiten Orange Week. Die Aktion, die in diesem Jahr wesentlich vom Verein Frauen für Frauen initiiert und gemeinsam mit der Stadt, der Gleichstellungsstelle des Landkreises Göttingen und dem Inner Wheel Club Göttingen getragen wurde, setzte ein unübersehbares Signal. Die Symbolfarbe Orange steht dabei für die Istanbul-Konvention sowie für ein entschlossenes „Nein zu Gewalt an Frauen“.

Bürgermeister Jens Augat betonte, dass die Stadt sich in diesem Jahr gemeinsam mit dem Verein Frauen für Frauen und den Partnerinnen und Partnern an der Orange Week beteilige. Die Anwesenheit der Bürgerinnen und Bürger und die Durchführung dieser Veranstaltung vor dem Rathaus, einem Ort, der für die gemeinsame Verantwortung und demokratische Werte steht, unterstreicht die Haltung der Stadt: Gewalt gegen Frauen geht uns alle an.

Die Mahnung der Wimpelkette: Sichtbarkeit für Femizide

Der Verein Frauen für Frauen, dessen Team täglich mit den von Gewalt betroffenen Frauen in Kontakt steht, machte die verheerendste Folge dieser Gewalt durch eine eindringliche Aktion sichtbar. Die beeindruckende Wimpelkette in Orange diente als alarmierendes und trauriges Zeichen.

Die Kette umfasste zum Zeitpunkt der Versammlung 85 Wimpel, die die Femizide (Morde an Frauen aufgrund ihres Geschlechts) in Deutschland in diesem Jahr repräsentierten, basierend auf der Berichterstattung. Jede Fahne stehe hier für ein verlorenes Leben. Der Verein betonte, dass Gewalt schlimmstenfalls in Femiziden ende und die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt enorm hoch sei. Die offizielle Statistik liege noch weit über den Wimpeln: Allein im Jahr 2024 habe es 308 Femizide gegeben, während die Zahl der häuslichen Gewalt insgesamt stetig ansteige.

Die erste Frau auf der Kette war Stefanie, 38 Jahre, die am 2. Januar von ihrem Ehemann erstochen wurde; der letzte bekannte Fall ereignete sich am 15. Oktober.

Nach den Reden waren alle Anwesenden eingeladen, an einem gemeinsamen Walking Act teilzunehmen. Die Teilnehmer zogen gemeinsam mit der Wimpelkette durch die Innenstadt bis zum Verwaltungsgebäude des Vereins Frauen für Frauen, um das Zeichen in die breite Öffentlichkeit zu tragen.

Die erschreckende Realität der Zahlen und städtische Maßnahmen

Der Bürgermeister verwies auf die Dringlichkeit der Situation. Diese Aussage untermauerte die Geleichstellungsbeauftragte des Landkreise mit den aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes 2024 : Demnach waren 265.000 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen, was einer Steigerung von 3,8 % gegenüber dem Vorjahr 2023 entspricht. Besonders alarmierend ist, dass 72 % dieser Betroffenen Frauen oder Mädchen sind. Die Dunkelziffer ist unbekannt, wobei die tatsächliche Zahl konstant steigt.

Die Kommune unternimmt weitere konkrete Schritte:

  1. Sichtbarkeit: Die Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ wurde gehisst. Zudem erstrahlte das zentrale Gebäude, das Kornmagazin, die ganze Woche über orange.

  2. Direkte Hilfe: In Zusammenarbeit mit dem Inner Wheel Club Göttingen wurden Sticker auf sämtlichen Damentoiletten der städtischen Einrichtungen (inklusive VIVO und Sporthallen) angebracht. Diese Sticker enthalten die Rufnummer des Hilfetelefons, das rund um die Uhr erreichbar ist, sowie einen Scancode zur direkten Hilfesuche. 

Der Bürgermeister unterstrich, dass Gewalt nicht erst beim ersten Schlag beginnt, sondern dort, wo Respekt endet, Worte verletzen, Abhängigkeiten geschaffen und Selbstbestimmung untergraben wird. Es sei entscheidend, "Victim Blaming" (Täter-Opfer-Umkehr) aufzudecken, da es Betroffenen Mitschuld zuschreibe, entmutige und Aufklärung verhindere.

Die Orange Week ist somit nicht nur ein Zeichen, sondern ein Auftrag an Politik und Gesellschaft, gemeinsam hinzuschauen, hinzuhören und entschlossen zu handeln.


Die auf sämtlichen Damentoiletten der städtischen Einrichtungen angebrachten Sticker enthalten die Rufnummer des Hilfetelefons sowie einen Scancode zur direkten Hilfesuche. 



Die folgenden Bilder können Sie vergrößern, wenn Sie ein Eseltreiber-Abo haben:








 

Anzeige