25.11.2025
Gewalt gegen Frauen: Flashmop in der Stadthalle Osterode sorgt für Aufmerksamkeit

Inner Weel unterstützte mit ihrer Aktion die int. Kampagne ‚Orange the World‘, die sich gegen Gewalt gegen Frauen richtet
...C. Hente/WIBO
Draußen war es dunkel und regnerisch und das Foyer der Stadthalle Osterode füllte sich langsam. An diesem Abend wurde das dritte Stück des Theaterabos 2025/2026 aufgeführt - das Justizdrama „Sie sagt. Er sagt.“ von Ferdinand von Schirach. Schon in der Inhaltsbeschreibung wurde angekündigt: „Es geht um den Vorwurf einer mutmaßlichen Vergewaltigung.“ Kurz vor Veranstaltungsbeginn nahmen die Besucherinnen und Besucher nach und nach ihre Plätze ein, als acht schwarz gekleidete Personen mit weißer Maske im Gesicht durch die Stuhlreihen des Saals gingen und plötzlich zeitgleich umfielen.
Dann trat Anne Barz von Inner Wheel Göttingen ans Mikrofon: „Diese Aktion unterstützt die internationale Kampagne ‚Orange the World‘, die sich gegen Gewalt gegen Frauen richtet.“ Initiiert wurde sie von den optionalen Lernangeboten der BBS2, der Theater AG und der AG humanitäre Schule mit der Unterstützung von Inner Wheel, der weltgrößten Frauen-Service-Organisation.
Mit dieser und auch anderen Aktionen soll Bewusstsein, Akzeptanz und Verständnis für Betroffene geschaffen werden, denn allein in Deutschland seien im vergangenen Jahr 360 Frauen von ihren Partnern, ihrer Umgebung ermordet worden – jeden Tag eine, erklärte Barz weiter. „Das darf nicht mehr sein.“ Nachdem sie ausführlich auf Hilfsangebote eingegangen ist, wurde noch das Lied „Read All About It“ der Sängerin Emeli Sandé von einer Schülerin gesungen.
Im Anschluss betrat das Ensemble von „Sie sagt. Er sagt.“ die Bühne und bot einen fesselnden Abend, der das Publikum regelrecht verstummen ließ. Die Besucherinnen und Besucher waren Teil eines Strafprozesses in dem ein Unternehmer auf der Anklagebank saß. Seine ehemalige Geliebte – eine berühmte TV-Moderatorin, beschuldigte ihn sie vergewaltigt zu haben.
Ein Prozess, bei dem auf der einen Seite eine verzweifelte Frau saß, die seit der mutmaßlichen Vergewaltigung ihren Job nicht mehr ausüben kann und therapeutische Hilfe benötigt und auf der anderen Seite ein Mann, der Job und Ehefrau verloren hat und die Situation ganz anders schildert. Es stand Aussage gegen Aussage. Das Publikum konnte einer Gerichtsverhandlung folgen, in der sich die Anwälte einen spannenden Schlagabtausch lieferten und die in letzter Minute noch eine überraschende Wende nahm.
Es war ein Abend mit zwei Veranstaltungen, die in keinem Zusammenhang miteinander standen und doch jede für sich zum Nachdenken angeregt hat.
Hinweis:
Die UN-Kampagne „Orange the World“ macht vom 25. November bis zum 10. Dezember auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam.


