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18.09.2025
Workshop „Technische Hilfsmittel für Menschen mit Legasthenie“

...KVLO e.V.
Der Kreisverband Legasthenie Osterode e.V. veranstaltete am 4. September 2025 in Osterode im Forum der BBS II einen Workshop zum Thema „Technische Hilfsmittel für Menschen mit Legasthenie“. Referent Anton Tartz, ehemaliger Sprecher der Jungen Aktiven im Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie und Betreiber des Blogs anton-tartz.de, berichtete aus eigener Erfahrung und gab praxisnahe Tipps zum Einsatz moderner technischer Hilfsmittel.
Unter den Teilnehmenden waren Eltern betroffener Kinder, betroffene Schülerinnen und Schüler, erwachsene Betroffene sowie Therapeutinnen. Legasthenie ist nach ICD‑11 eine Lese‑ und Rechtschreibstörung aus dem Bereich der neuroentwicklungsbedingten Störungen. Die Ursachen sind teilweise genetisch und neurobiologisch bedingt. Etwa vier bis acht Prozent der Schülerinnen und Schüler sind betroffen.
Tartz, der seine Legasthenie bereits in der zweiten Klasse diagnostiziert bekam, schilderte seine schulische und berufliche Laufbahn und erläuterte, wie technische Hilfsmittel ihm im Studium und Alltag zu mehr Effizienz verhelfen. Sein Appell: Betroffene sollten technische Hilfsmittel nutzen, um sich besser auf ihre Stärken konzentrieren zu können.
Tartz nannte drei zentrale Gründe für die Nutzung technischer Hilfsmittel: Zeitersparnis, höhere Effizienz und mehr Professionalität. Er erläuterte verschiedene Regelungen zum Nachteilsausgleich in Schule, Ausbildung und Studium. Neben Zeitzugaben werden in vielen Verordnungen auch technische Hilfsmittel genannt. Während moderne Technik im Studium und Berufsleben längst zum Standard gehört, reichen die in der Schule meist angebotenen konventionellen Hilfsmittel wie ein Duden meist nicht aus - daher ist der Einsatz digitaler Lösungen auch im Schulalltag dringend erforderlich.
Im praktischen Teil präsentierte Tartz verschiedene Werkzeuge, wie z. B. Rechtschreibkorrekturprogramme, Vorlesesoftware (TTS), Texterkennung (OCR) und Diktiersoftware (STT). Außerdem ging er auf die rasant zunehmende Bedeutung Künstlicher Intelligenz ein. Sie kann beim Korrigieren, Zusammenfassen und Aufbereiten fehlerhafter OCR‑Texte unterstützen, erfordert jedoch stets eine kritische Prüfung der Ergebnisse.
Die Teilnehmenden wurden aktiv eingebunden. In zwei Gruppenarbeitsphasen identifizierten Kleingruppen Hürden in Schule, Studium, Alltag und Berufsleben und sammelten Vorschläge für passende Hilfsmittel und Umsetzungsideen. Dadurch kam es zu einem intensiven Austausch von Erfahrungen und konkreten Lösungsansätzen.
In der abschließenden Diskussionsrunde drehten sich viele Fragen um konkrete Anwendungen und die praktische Umsetzung von Nachteilsausgleichen.
Tartz betonte, dass sich die Technik kontinuierlich weiterentwickelt und Hilfsmittel künftig noch besser integriert und leichter zugänglich sein werden. Sein Fazit: Technische Hilfsmittel sind hilfreiche Instrumente, mit denen Menschen mit Legasthenie ihre Potenziale besser entfalten können.
Der Kreisverband Legasthenie Osterode e. V. ist eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Er berät betroffene Eltern und Angehörige und bietet Therapien für Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Auffälligkeiten an. Der Verein ist per Mail an osterode@legasthenie-verband.de oder telefonisch unter der Nummer 0151 68515869 erreichbar. Weitere Informationen stehen auf der Website des Verbands unter der Adresse https://www.legasthenie-verband.de/vor-ort/osterode.html zur Verfügung.


