Panorama

10.09.2025

Besorgte Bürger


Workshop zu rechten Codes und Symbolen in Walkenried

von Christian Dolle

Über viele Jahre hieß es seitens der Politik und der Medien immer wieder, wir müssten die Bedenken besorgter Bürger ernst nehmen. Seien es die Bedenken vor Geflüchteten, vor Klimaschutzmaßnahmen oder auch vor Corona. Am Ende stellten sich diese Bürger oft als Rechte oder Rechtsextreme heraus, die vor allem Angst vor Veränderungen und Misstrauen gegen eine offene Gesellschaft schürten. 

Inzwischen gibt es viele Menschen, die eben wegen dieser Rechten große Sorgen haben, das zeigte sich auch in der Besucherzahl bei den Veranstaltungen der Walkenrieder Woche für Vielfalt und Toleranz des Bündnisses BuntVernetzt. Selbst in einem kleinen Ort wie Walkenried haben viele Angst davor, dass Rechtsextreme die Vereine, die Ortsräte und letztlich unsere gesamte Gesellschaft infiltrieren. 
Wie lässt sich das verhindern? Woran erkennen wir die Feinde unserer Demokratie überhaupt? Genau zu diesem letzten Punkt bot das Team FRED (Fachstelle für Extremismusprävention und Demokratiebildung) des Landkreises Göttingen einen Workshop an. „(Un)sichtbare Botschaften – Rechte Codes und Symbole erkennen“, darüber wollten viele mehr wissen. 

Verboten oder Popkultur?

Einige waren dort, weil sie Symbole im Alltag wahrnehmen, in sozialen Netzwerken, als Tattoos oder Graffiti, dazu bestimmte Zahlen, die für etwas stehen, Begriffe, die sie als Außenstehende nur schwer deuten können. „Früher war es einfacher, die Rechten zu identifizieren, damals liefen die eben alle mit Glatze und Springerstiefeln herum“, brachte es eine Teilnehmerin lapidar auf den Punkt. Das ist heute nicht mehr so und viele haben das Gefühl, zu wenig aufgeklärt und unterstützt zu werden. 

Die beiden Mitarbeitenden des Team FRED hatten Karten mit verschiedensten Symbolen und Bildern mitgebracht, die sie auf dem Boden ausbreiteten. Okay, ein Hakenkreuz ist für alle eindeutig und als verbotenes Symbol zu identifizieren. Beim Eisernen Kreuz wird es schon schwieriger, da dieses bis heute auch von der Bundeswehr als Symbol verwendet wird. Noch komplizierter wird es bei verschiedenen Runen etc., die je nach Kontext Erkennungszeichen von Rechtsradikalen sein können, während der Thorshammer Mjölnir ebenso in der Metal-Szene oder spätestens seit Marvel in der Popkultur eine große Bedeutung hat. 

Hinzu kommen Symbole, die inzwischen verfremdet wurden, so dass sie eben nicht mehr verboten sind, oder aber bewusst auf Verwechslungsgefahr hin ausgelegt sind, wie beispielsweise der SS-Totenkopf, der von anderen, harmlosen Totenkopfdarstellungen auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden, aber in Deutschland strafbar ist. Oder beispielsweise Taylor Swift, die aufgrund ihres Aussehens wider Willen zu einer Ikone für manche Vorkämpfer einer „weißen Rasse“ wurde.

Nur für Insider

Eine Teilnehmerin blieb am Foto eines jungen Mannes hängen, von dem sie zugeben musste: „der sieht doch ganz nett aus.“ Die Aufklärung des FRED-Teams: „Das ist Martin Sellner, einer der führenden Akteure der Neuen Rechten.“ Ja, eben keine Glatze und Springerstiefel, sondern sympathisches und erst einmal gemäßigtes Auftreten, das ganz bewusst an den Tag gelegt wird, um Türen zu öffnen. 

Genau das macht es ja so schwierig, Extremisten auf den ersten Blick zu erkennen und aus Vereinen oder Ortsräten fernzuhalten. Die Symbole sind selten eindeutig, das auftreten ebenso wenig. Doch sei es gut, sich ein wenig auszukennen, auf Indizien zu achten und dadurch immer mal wieder wachsam zu sein, wem wir unsere Türen öffnen. 

Dazu wünschten sich etliche der Teilnehmer mehr Information, immer mal wieder Updates und viel mehr Aufklärung in den Medien und vor allem auch vor Ort. So blieben am Ende des Workshops viele Fragen offen, viele Unsicherheiten, bei einigen vielleicht sogar mehr als vorher. Dazu aber das Wissen, dass es gut informierte Fachleute für diese Fragen gibt, vor allem eben Menschen, die sie mit ihren sorgen vor den Rechten ernst nehmen. Denn das, so scheint es in der Bundespolitik und den Medien häufig, wird längst nicht so häufig thematisiert wie die Bedenken auf der „anderen“ Seite. 

Tiefergehende Informationen zu verbotenen Symbolen und Organisationen gibt es hier beim Verfassungsschutz.

Die folgenden Bilder können Sie vergrößern, wenn Sie ein Eseltreiber-Abo haben:


 

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