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30.08.2025

Sanierung der Schachtrupp-Villa: Unerwartete Herausforderungen erfordern Anpassung des Kostenrahmens


...Stadt Osterode am Harz

Die Die Schachtrupp-Villa in Osterode am Harz ist ein Kulturdenkmal von landesweiter Bedeutung. Als historisch herausragendes Bauwerk unterliegt sie besonderen Schutz, wodurch die Stadt gesetzlich verpflichtet ist, ihren Erhalt zu sichern. Mit der umfassenden Sanierung wird eines der größten Bauprojekte der vergangenen Jahre realisiert: Aus der denkmalgeschützten Villa entsteht eine moderne Stadtbibliothek – ein neuer zentraler Ort für Bildung, Kultur und Begegnung. Aufgrund komplexer baulicher und denkmalpflegerischer Anforderungen ist nun eine weitere Anpassung des bisherigen Kostenrahmens notwendig geworden.

Aktueller Kostenrahmen

Nach aktuellen Zahlen wird das Projekt noch einmal bis zu 2,8 Millionen Euro mehr kosten. Die Gesamtkosten für die Sanierung und den Umbau der Schachtrupp-Villa belaufen sich damit auf 11,37 Mio. Euro.

Gründe für die Kostensteigerung

Die weitere Erhöhung der Projektkosten hat klar nachvollziehbare Gründe. Sie ergeben sich im Wesentlichen aus schwerwiegenden Schäden in der alten Bausubstanz, hohen technischen und denkmalpflegerischen Anforderungen sowie aus den ersten beiden Punkten resultierenden Verzögerungen im Bauablauf.

Eine besondere Kostenrelevanz kommt dabei dem nachträglich festgestellten, massiven Befall des Gebäudes mit echtem Hausschwamm zu. Dieser Befall machte kosten- und zeitintensive Heißluftbehandlungen in fünf Bereichen sowie chemische Schwammbekämpfungen in drei weiteren Gebäudeteilen – u.a. im blauen Saal – erforderlich. Parallel dazu mussten zahlreiche, durch Schwammbefall zerstörte Holzbauteile vollständig ersetzt werden. In Teilbereichen erfolgte sogar ein kompletter Neuaufbau historischer Fachwerkkonstruktionen. Aufgrund der daraus resultierenden Eingriffe in den Bauablauf kam es zu erheblichen Verzögerungen im Bauablauf und zu Folgekosten auch in nachgelagerten Gewerken.

Darüber hinaus wurde im Zuge der laufenden Arbeiten eine in weiten Teilen unzureichende Bausubstanz festgestellt, insbesondere im Bereich des Gebäudesockels sowie innerhalb der Fachwerk- und Deckenkonstruktionen. Instabile Fachwerkwände machten weitreichende Ertüchtigungen und teils vollständige Neustrukturierungen notwendig. In den Deckenbereichen waren umfassende Verstärkungsmaßnahmen zur Herstellung der statisch erforderlichen Tragfähigkeit unerlässlich. Auch im Sockelbereich erwiesen sich die Substanzschäden als gravierender als angenommen, was die Maßnahmen zur äußeren Gebäudeabdichtung aufwendiger und teurer gestalten als ursprünglich geplant.
Auch der Dachstuhl musste komplett neu errichtet werden.

Ein weiterer relevanter Zeit- und Kostenfaktor ergab sich aus den denkmalfachlich notwendigen Abstimmungen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Aufgrund der hohen kulturhistorischen Bedeutung des Gebäudes war eine enge und sorgfältige Abstimmung zu einzelnen Ausführungsschritten erforderlich – insbesondere bei Eingriffen in originale Wand- und Deckenfassungen, bei der Restaurierung bauzeitlicher Malereien sowie in Fragen der Fassadengestaltung. Die daraus resultierenden längeren Entscheidungsprozesse führten zu weiteren Verzögerungen und Kostensteigerungen.

Zusätzlich kam es zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen durch langwieriger und teils mehrfach durchgeführter Ausschreibungsverfahren. In mehreren Fällen konnte trotz öffentlicher Bekanntmachung keine Beteiligung qualifizierter Fachunternehmen erreicht werden, insbesondere in den hochspezialisierten Bereichen der Restaurierung, Holzsanierung und Haustechnik. Wiederholte Vergaben, Preisgleitklauseln und Terminverschiebungen verursachten zusätzliche Kosten. Ganz aktuell stellt eine festgestellte Schadstoffbelastung im Gebäude einen weiteren erheblichen Eingriff in den Bauablauf dar. Denn die erforderliche Entfernung belasteter Baumaterialien unter Einhaltung arbeits- und umweltschutzrechtlicher Vorgaben macht weitere zusätzliche umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig und führt zu einem weiteren zeitlichen Mehraufwand von vier bis fünf Monaten sowie zusätzlichen Sanierungskosten.

Infolge all dieser Faktoren verlängerte sich auch die Standzeit der kostenintensiven – eigentlich temporär gedachten – Baustelleneinrichtung. Insbesondere die aufwändige, freitragende Gerüstkonstruktion zur Sicherung der offenen Gebäudestruktur vor Witterungseinflüssen ist weiterhin erforderlich und verursacht fortlaufende Zusatzkosten.

Stadt reagiert und wirbt intensiv um zusätzliche Förderung

Derzeit werden rund zwei Drittel der Sanierungskosten über die Städtebauförderung gedeckt, lediglich ein Drittel trägt die Stadt Osterode am Harz selbst. Seit dem Bekanntwerden der Mehrkosten steht die Stadt in engem Austausch mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Bauen und Verkehr sowie dem Amt für regionale Landesentwicklung. Bürgermeister Jens Augat führt hierzu intensive Gespräche – unter anderem mit Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier und Dr. Witt, der Leiterin des Landesamts. Er setzt sich mit Nachdruck dafür ein, weitere Fördermittel einzuwerben, um die Mehrbelastung für die Stadt deutlich zu verringern. Dabei zeigt er sich sehr zuversichtlich, eine tragfähige Lösung zu erreichen.

Deutliche Fortschritte bei der Sanierung der Schachtrupp-Villa

Trotz aller Herausforderungen sind die Arbeiten an der Schachtrupp-Villa bereits weit vorangeschritten. Die haustechnischen Rohinstallationen sind größtenteils abgeschlossen, Wandoberflächen vom Sockel- bis zum ersten Obergeschoss saniert und teilweise restauriert. An der zentralen Wendeltreppe wurden statische Verstärkungen vorgenommen und die Vorbereitungen für den Einbau der neuen Stufen sind abgeschlossen. Der Fahrschacht für den künftigen Personenaufzug wurde durch alle Geschossdecken geführt, eine neue Stahltreppe im brandschutztechnisch erforderlichen Treppenraum ist bereits in Teilen montiert.

Die bauzeitlichen Malereien im historischen Festsaal wurden fachgerecht restauriert und konserviert. Drei Gebäudeseiten erhielten eine neue Holzverschalung und alle Fenster wurden vollständig erneuert. Auch der Dachstuhl des Hauptgebäudes wurde aufgrund schwerer Substanzverluste nahezu vollständig neu aufgebaut, mit einer neuen Dachschalung versehen und durch eine überarbeitete Dachlaterne mit Zinkblechdeckung ergänzt. Zudem wurden die Schornsteinköpfe neu aufgemauert und ornamentale Fassadenelemente ergänzt und montiert.

Ein herausforderndes Projekt – mit Blick auf das Ziel

Der Weg zur Fertigstellung der Schachtrupp-Villa war und ist kein einfacher. Dennoch zeigt sich Bürgermeister Jens Augat entschlossen:
„Die Schachtrupp-Villa ist ein Projekt, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir das Gebäude schon längst fertiggestellt hätten – im besten Fall im ursprünglich kalkulierten Kostenrahmen. Und ja, ich habe mir oft die Frage gestellt, ob eine Kommune ein so komplexes Denkmalprojekt mit all seinen unkalkulierbaren Risiken überhaupt hätte angehen sollen. Aber wir stehen in der Verantwortung – für den Erhalt dieses bedeutenden Gebäudes und für die Chance, daraus einen zukunftsfähigen Ort für Bildung, Kultur und Begegnung zu schaffen. Ich verstehe jede Diskussion über Bauzeit, Kosten oder das nach wie vor notwendige Gerüst. Aber wir haben schon sehr viel erreicht – und es wäre jetzt nicht der richtige Moment, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich versichere allen Bürgerinnen und Bürgern: Wir tun alles dafür, die Schachtrupp-Villa schnellstmöglich fertigzustellen – als identitätsstiftendes Wahrzeichen unserer Stadt und moderne Stadtbibliothek für kommende Generationen.“


Der Blaue Saal - Ein kleiner Ausschnitt

Holztragwerk mit Scha?dlingsbefall

 

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