Kultur / Rezensionen
17.07.2025
Dark Romance oder Horror – ich versteh es nicht
Satan’s Affair von H. D. Carlton
von Christian Dolle
Dark Romance ist aktuell das Genre in der Literatur, das komplett durch die Decke geht. Es ist ein Subgenre des Liebesromans bzw. New Adult, das sich durch düstere Themen und Charaktere auszeichnet. Oft gibt es ein Machtgefälle, Obsessionen, toxische Beziehungen und Triggerwarnungen am Anfang der Bücher sind nichts Ungewöhnliches.
Eine Autorin, deren Dark Romance-Romane die Besetsellerlisten erklommen, ist die Amerikanerin H. D. Carlton. Aktuell stand sie mit „Satan’s Affair“ wieder auf Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste. Allerdings läuft das Buch nicht unter Dark Romance, sondern ist als Horror bezeichnet.
Nun ist es so, dass ich auf der Leipziger Buchmesse immer wieder beobachte, dass die Stände, die sich mit Dark Romance befassen, vollkommen überlaufen sind, oft von jungen bzw. jugendlichen Leserinnen. Zudem habe ich mir schon häufiger sagen lassen, dass sich das Genre in der Aufmachung und im Marketing zwar bewusst an sehr junge Leserinnen wendet, durch die Inhalte, die ausgesprochen häufig auch sexuelle Gewalt beinhalten, gerade für diese Zielgruppe aber nicht geeignet ist. Dem wollte ich schon länger auf den Grund gehen.
Mit dem Horrorroman „Satan’s Affair“ sah ich meine Chance gekommen, vor allem, weil der Plot recht interessant klingt. Die Ich-Erzählerin reist nämlich mit einem Horrorzirkus bzw. einem Spukhaus durchs Land. Wann immer sie jedoch einen Gast einlässt, der böse ist bzw. Böses getan hat, lassen sie und ihre Helfer ihn nicht mehr gehen und das Horrorhaus wird für ihn zur Todesfalle.
Das Setting gefällt mir ausgesprochen gut, schon bevor ich die erste Seite überhaupt anfing, hatte ich zahlreiche Ideen für eine solche Geschichte. Was ich bekommen habe, war erst einmal eine brutale Folterszene, die im Tod des verstümmelten Opfers und knallhartem Sex gipfelte. Nun gut, Torture Porn gehört im Horror ja durchaus dazu, ist zwar nicht meins, aber für einige Szenen kann ich damit leben.
Leider blieb es nicht bei einigen Szenen. Statt Atmosphäre aufzubauen reihte sich eine solche Szene an die nächste. Die Hauptfigur öffnete ihr Haus, erkannte dann am Geruch, wer ein böser Mensch ist, folterte ihn mit ihren Helfern zu Tode und hatte währenddessen oder auch danach Sex mit dem Opfer und den Helfern. Seitenlang, blutig und pornografisch beschrieben und leider für mich ohne jeden Reiz.
Zwischendurch gab es einzelne Rückblenden auf ihre Vergangenheit, auf einen Vater, der ebenso bigott wie brutal war. Angedeutet wurde ein christliches Sektenumfeld, ein Geheimbund, der Kinder verkauft, gedeckt von der Regierung wurde an einer Stelle erwähnt. Eine Auseinandersetzung mit der Q-Anon-Verschwörungstheorie oder allgemein fundamentalistischen Evangelikalen hätte gut gepasst und wäre sicher spannend geworden. Stattdessen blieb es leider bei den explizit geschilderten widerwärtigen Taten des Vaters, die die Erzählerin zu dem Monster gemacht hatten, das sie nun war.
Danach ging es weiter mit Sex- und Folterszenen, zwischendurch noch eine Figur aus anderen Büchern der Autorin, die als düsterer undurchschaubarer Held dafür sorgt, dass sie sich als Frau eben doch nur nach einer starken männlichen Schulter sehnt.
Zum Ende – dieser Spoiler muss an dieser Stelle sein – gibt es dann noch eine Szene in der Psychiatrie, in der die Abgründe der Hauptfigur (sorry, ich hab ihnen Namen echt schon wieder verdrängt) noch einmal erklärt werden. Das ist tatsächlich glaubhaft beschrieben und gut erzählt. Solche Passagen hätte ich mir mehr gewünscht, weil Horror für mich durch Atmosphäre und Identifikation mit Figuren gruselig wird und nicht durch ausufernd bildliches Gemetzel.
So lässt mich dieses Buch zwiegespalten zurück, auch ein wenig sauer. Weil es so viel mehr hätte sein können, glaube ich, letztlich aber nur ein sehr blutiger und gewalttätiger Porno war. Am meisten hoffe ich allerdings, dass eine abgeschwächte Form nicht typisch für jene Dark Romance-Bücher ist, die sich minderjährige Leserinnen reinziehen. Ob ich die Frage für mich immer noch klären will, weiß ich nicht.

