Politik

12.08.2017

„Warum ist das nötig in einem Land wie Deutschland?“


Carola Reimann und Marcus Seidel stellten sich der Diskussion über Lohngerechtigkeit

von Christian Dolle

In Deutschland bekommen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger Lohn als Männer. Das ist deutlich über dem Durchschnittswert der Lohnunterschiede in Europa und laut Carola Reimann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion eine „Sauerei“. Am Donnerstag hatte die Politikerin gemeinsam mit Bundestagskandidat Marcus Seidel zu einer Diskussion über Lohngerechtigkeit in die Osteroder Stadthalle eingeladen.

Es ist eines der Kernthemen der SPD in diesem Bundestagswahlkampf und tatsächlich eines, das in einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland Kopfschütteln auslöst. Vor allem Frauen arbeiten bei uns häufig in Teilzeit, weil es nicht anders geht und haben trotz gleicher Qualifikation meist keine Chance, mit den Karrieren der Männer mitzuhalten. Vor allem unter dem Stichwort Altersarmut wird das zu einem großen Problem für die Gesellschaft, da sich an dieser Situation schon seit Jahren nichts ändert. 

Für den Mindestlohn gekämpft

Nun verspricht die SPD, genau hier anzusetzen und fordert Gesetze, die sich der ungerechten Lohnunterschiede annehmen. Zuallererst müsse in Deutschland endlich über Löhne geredet werden, damit Transparenz herrscht, forderte Reimann. Die SPD ist aktuell Regierungspartei, mag man fragen, warum hat sie dann nicht längst schon etwas getan? Weil sie damit beschäftigt war, für den Mindestlohn zu kämpfen, so die Antwort Reimanns, und weil es ein langer Weg war, diesen endlich durchzusetzen.

„Aber warum ist das nötig in einem Land wie Deutschland?“, stellte sie eine sich aufdrängende Frage. Auch die Antwort darauf gab sie: weil die Union blockierte. Dieser Satz war an diesem Abend noch häufiger zu hören und es entstand der Eindruck, dass es in diesem Land eine Partei gibt, deren Politik nicht für die breite arbeitende Masse gemacht ist und eine andere, der es nicht gelingt, ihre Politik für den kleinen Mann und vor allem auch die kleine Frau durchzusetzen.

Leiharbeit und Zeitverträge als Problem

Wirklich kritische Fragen wurden an diesem Abend nicht gestellt, zumal die Zahl derer, die der Einladung ins Foyer der Stadthalle gefolgt waren, recht überschaubar war und viele zudem zu jenen gehörten, die bei nahezu allen SPD-Veranstaltungen anwesend sind. So wurde über Leiharbeit, Zeitverträge, Honorarverträge und diesen gesamten Themenkomplex diskutiert, der in unserem Land für soziale Ungerechtigkeit sorgt und so festgefahren scheint, dass mehr als fraglich ist, ob eine Bundestagswahl, deren Ausgang nach aktuellen Prognosen schon klar zu sein scheint, daran etwas ändern kann. Wahrscheinlich braucht es dazu nicht Politikverdrossenheit, sondern ein ähnlich deutliches und drastisches Zeichen der Wähler wie jüngst in Frankreich.

Reimann und Seidel haben die Wahlkampfthemen der SPD an diesem Abend jedenfalls deutlich gemacht, es sind genau die Themen, für die die Partei steht und die sie immer wieder anzugehen verspricht. Ob das diesmal letztlich tatsächlich zu mehr Lohngerechtigkeit in unserem Land führt, wird sich zeigen und liegt wohl auch zu einem großen Teil daran, wie viele Bürger am 24. September überhaupt zur Wahl gehen und ihr Kreuzchen machen.




 

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