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15.08.2022

Bilder mit Geräuschen erzeugen


Hörspielworkshop in der Osteroder Stadtbibliothek

von Christian Dolle

Was gibt es Schöneres als vorm Einschlafen noch ein Hörspiel zu hören? Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg oder Die drei ??? vielleicht. Sie alle lassen Bilder im Kopf entstehen, die uns dann in die schönsten Träume geleiten. Doch wie genau schaffen Hörspiele es eigentlich, dass wir genau jene Bilder sehen, die wir sehen sollen? Dieser Frage ging Autor Erhard Schmied am vergangenen Freitag im Hörspielworkshop in der Osterode Stadtbibliothek nach.

Etliche Kinder hatten sich angemeldet, weil sie einerseits mehr über Hörspiele erfahren und selbst eines aufnehmen wollten. Zuerst gab es ein bisschen Theorie. Erhard Schmied er klärte, wie eine Geschichte erzählt werden kann. Im Film eben über Bilder, im Hörbuch rein über Sprache, im Hörspiel kommen zu den verschiedenen Sprechern auch noch Sounds hinzu. Diese Geräusche sollten die gewünschte Atmosphäre erzeugen, die Hörer*innen in eine bestimmte Situation ziehen. 

Dabei müssen es nicht immer die Originalgeräusche sein. Bei einem Western- oder auch Ritter-Hörspiel müssen nicht unbedingt Pferde ins Aufnahmestudio gebracht werden. Kokosnüsse eignen sich wunderbar, um Hufgeklapper zu imitieren. Auch muss niemand unbedingt auf ein Gewitter warten, nur weil das im Drehbuch vorkommt. Hier reicht ein großes Blech, das wunderbaren Donner erzeugt. Und Schritte im Laub erzeugen Geräuschemacher meist mit alten Tonbändern. 

Diese und weitere Tricks verriet der Autor, der von sich selbst übrigens sagte: „Ich bin kein Romanautor, sondern schreibe Texte, die verfilmt oder vertont werden oder die man im Theater sehen kann.“ Das liege ihm deutlich mehr und letztlich solle ja jeder, der schreibt, seine passende Nische finden. In seinem Fall schrieb er unter anderem für den Tatort oder eben ein kleines Hörspiel mit dem Titel „Die Entführung des Dieter B.“

Genau das bekamen die Workshopteilnehmer nun vorgelegt. Es geht darin um den unsympathischen Chef einer Castingshow, der entführt wird, damit ein Kandidat bei seinem Auftritt nicht von ihm fertiggemacht wird. Das Besondere an diesem Hörspiel ist, dass relativ viele Rollen darin vorkommen, die aber alle nicht zu viel Text haben und dazu etliche Geräusche, die relativ leicht selbst erzeugt werden können. 

Nachdem alle Aufgaben verteilt waren – die meisten bekamen je eine Sprechrolle und ein Geräusch zugewiesen – gab es eine Proberunde, dann wurde es auch schon ernst. Das Hörspiel wurde sozusagen live aufgenommen und die Geschichte war auf einmal in allen Köpfen geradezu bildlich erlebbar. Normalerweise, so erklärte Erhard Schmied, wird dann alles noch geschnitten, doch für einen kleinen Eindruck reichte dieser Workshop vollkommen aus. Die Kids bekamen einen guten ersten Eindruck und vielleicht ja auch Lust, sich in der Bibliothek jetzt einmal mehr ein Hörspiel auszuleihen.


Claudia Wilkening und Erhard Schmied

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