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29.06.2022

Seit 50 Jahren verlässlicher Ort für Kinder und ihre Eltern


Zahlreiche Gäste waren zum 50. Geburtstag des heilpädagogischen Kindergartens Kastanienwichtel gekommen

Der heilpädagogische Kindergarten „Kastanienwichtel“ beging seinen Geburtstag mit einem Sommerfest

...von Herma Nieman

Bei vielen Kindern war bereits vor Beginn der Feierlichkeiten die Aufregung groß, und sie konnten den Start kaum abwarten. „Wann fängt das Fest an? Es sind doch schon alle da“, war aus dem Reihen der kleinen Gäste zu vernehmen. Und woran sieht man, dass alle Gäste da sind? „Weil schon lange keine neuen Gäste mehr angekommen sind“, so ein Mädchen.

Und dann ging es endlich los: Mitarbeiter, Eltern und Kinder feierten am vergangenen Samstag gemeinsam das 50-jährige Bestehen des Heilpädagogischen Kindergartens „Kastanienwichtel“ mit einem Sommerfest bei bestem Wetter.

Die Begrüßung übernahm der Geschäftsführer, Uwe Dombeck, der den Beginn vor 50 Jahren als Keimzelle für die wichtige Arbeit der Lebenshilfe bezeichnete. Demnächst sollen, unter anderem in der ehemaligen Rommelkaserne, weitere Angebote beginnen, was nur mit vielen helfenden Händen gelinge. Momentan würden rund 200 versicherungspflichtige Mitarbeiter sich um 600 Familien kümmern. „Wir finden mit unserer Arbeit breite Unterstützung in der Gesellschaft“, so Dombeck.

Die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Südharz, Petra Becker-Marhenke, erinnerte daran, dass die Lebenshilfe damals aus einer Initiative von Eltern entstanden sei, die Unterstützung suchten. Die Anfänge seien bereits in 1965 gewesen. „Damals galt noch, dass Menschen mit Behinderungen nicht bildungsfähig seien“, so Becker-Marhenke. Zum Glück habe sich inzwischen viel getan, und der erste Schritt sei gewesen, eine Bildungsstätte zu gründen. Der heilpädagogische Kindergarten sei ein Urgestein der Lebenshilfe. Bis heute sei er wichtig und nötig.

Das jüngste Projekt der Lebenshilfe seien die Frühen Hilfen. Diese seien dazu da, damit es gar nicht erst so schwierig werde, so die Vorstandsvorsitzende. Gerne denke sie auch an die Zeit, als ihr Sohn den heilpädagogischen Kindergarten besuchte. „Mir ist das Loslassen schwerer gefallen als ihm. Eltern müssen eben lernen, loszulassen“. Es sei gut, dass hier ein langer Atem vorhanden sei und dass die Kinder profitieren, aber auch die Familien, die hier Unterstützung erfahren. „Das alles geht nur mit einer guten und engagierten Mannschaft. Hier sind alle mit Herzblut dabei“, so Becker-Marhenke.

Es sei für ihn eine Selbstverständlichkeit, hier zu sein, sagte der Bürgermeister der Stadt Herzberg, Christopher Wagner,. „Die Lebenshilfe hat eine wichtige Aufgabe und hat viel geleistet“, so Wagner „jedes Kind hat spezielle Bedürfnisse, und hier kümmern sich die Profis der Lebenshilfe darum“. Die Lebenshilfe sei ein starker und erfahrener Partner. Für die tolle Arbeit dankte die Elternvertreterin, Bianca Schmidt. „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben. Schön, dass wir unsere Kinder hier gut behütet wissen“. Einen Einblick in die Historie lieferte die Einrichtungsleiterin, Tanja Böttcher. „Wir spielen zusammen, wir lernen, das ist Begegnung“, so Böttcher „das ist nur möglich, weil die Kinder gern hierher kommen und weil die Eltern uns vertrauen“.

Der Heilpädagogische Kindergarten ist eine Einrichtung der Heilpädagogischen Einrichtungen der Lebenshilfe gGmbH in Herzberg und wurde 972 in der Stettiner Straße in Herzberg eröffnet. Kinder ab drei Jahren mit Beeinträchtigungen konnten und können bis heute den Kindergarten besuchen.

1975 wurden 15 Kinder betreut und gefördert. Die Kinderzahlen wuchsen stetig, sodass größere Räumlichkeiten benötigt wurden. 1980 zog der Heilpädagogische Kindergarten in die Hindenburgstraße in Herzberg.1983 wurden 24 Kinder in vier Gruppen betreut und gefördert.

1992 fand der Umzug an den Kastanienplatz statt. Hier wurden 30 Kinder in fünf Gruppen betreut.

In den folgenden Jahren schwankte die Kinderzahl zwischen 18 und 45 Jahren und ist seit 2013 konstant bei 42 Kindern, die den Kindergarten besuchen. 2001 entstand im Rahmen eines Preisausschreibens beim Sommerfest der Name „Kastanienwichtel“. 2009 wurde das Außengelände am Kastanienplatz naturnah umgestaltet und ein Jahr später wurde die pädagogische Arbeit ausgebaut und verschiedene Kooperationen mit Regelkindergärten an verschiedenen Standorten eingegangen. So wird eine wohnortnahe Förderung und Begleitung der Kinder ermöglicht und ein Erfahrungs- und Lernumfeld für Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen geschaffen.

Seit 2010 laufen die Kooperationen mit dem Kindergarten „Wilde Wiese“ in Pöhlde und dem Sprachheilkindergarten „Pusteblume“ in Herzberg. Zurzeit besuchen 42 Kinder in sieben Gruppen an vier Standorten den Heilpädagogischen Kindergarten. Es werden Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung mit Entwicklungsverzögerungen in mehreren Entwicklungsbereichen, mit einer drohenden oder bestehenden Behinderung betreut und gefördert. Im Heilpädagogischen Kindergarten stehen das einzelne Kind und seine Familie im Mittelpunkt. Verlässliche Bezugspersonen helfen dabei, dass die Kinder sich gut einleben, sich wohlfühlen und ihre Fähigkeiten entfalten können. Dann hatten die Kindergartenkinder ihren großen Auftritt. Gemeinsam mit Elsbeth Großkopf von der Kreismusikschule, sie verschiedene Lieder wie „Ich bin der kleine Dackel Fritz“, wofür es viel Applaus gab.


Einrichtungsleiterin, Tanja Böttcher, bei ihrem Vortrag über die Geschichte des Kindergartens

Geschäftsführer Uwe Dombeck begrüße die Gäste zum Jubiläum

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Nach dem offiziellen Festakt waren alle zum Sommerfest mit Spielen und leckerem Essen eingeladen

 

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