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12.03.2022

Maulwurf-Alarm im heimischen Garten


Die Bautätigkeit der putzigen Erdbuddler ist jetzt im Frühling besonders hoch/Nabu plädiert für friedliches Miteinander

von Herma Niemann

Gittelde. Sie sind nahezu blind, stehen unter Naturschutz und sind eigentlich ganz niedlich: Maulwürfe. Das „Niedliche“ rückt aber momentan vielleicht etwas in den Hintergrund, zumindest bei einigen Gartenbesitzern, wenn sie sich ihren Rasen anschauen.

Ein Hügel an dem anderem oder genauer gesagt rund 40 Hügel auf rund 100 Quadratmetern Grün, das zeugt von einer enormen Buddelleistung und verzerrt den ungetrübten Gartenanblick. Denn jetzt, zwischen Januar und März, haben die Maulwürfe sozusagen Hochsaison. Es ist Paarungszeit und deswegen sind sie besonders aktiv. Auf der Suche nach Weibchen graben die Männchen nämlich viele neue Gänge. Dabei schaufeln sie die Erde nach oben und neue Hügel entstehen.

Das Revier eines Maulwurfs kann zwischen 300 und stolzen 5.000 Quadratmetern groß sein. Maulwürfe halten keinen Winterschlaf und sind das ganze Jahr aktiv. Die Kleinstlebewesen, von denen der Säuger sich ernährt, bewegen sich im Winter allerdings weniger. Um auch weiterhin ausreichend Nahrung zu finden muss sich der Maulwurf daher aktiv auf die Suche machen. In einer Nacht kann er dabei bis zu 75 Meter unter der Erde zurücklegen. Dadurch entsteht ein unterirdisches Labyrinth, in dem Schlafkammer, Kinderzimmer und Vorratskammern vorhanden sind, und das auf der einen Seite für ihn überlebenswichtig ist. Auf der anderen Seite sorgen diese „Grabungen“ für Auflockerung und Drainage der Böden, was dem Maulwurf auch seinen Namen gab. „Mull“ ist ein Wort für Humus. Deshalb ist der kleine Jäger eigentlich kein Maul-, sondern ein Erdwerfer. Diese Erde ist frisch und unkrautfrei und deswegen auch bei Gärtnern sehr beliebt als Aussaat- und Pflanzerde.

Manch einer fragt sich vielleicht auch, ob die Hügel nun vom Maulwurf oder von einer Wühlmaus stammen. Im Gegensatz zum Maulwurf verursachen Wühlmäuse an Gartenpflanzen große Schäden. Die Nagetiere ernähren sich ausschließlich pflanzlich, zum Beispiel von Wurzeln und Knollen. Außerdem vermehren sie sich rasant und können einen kleinen Garten schnell bevölkern. Wühlmäuse stehen nicht unter Artenschutz. Allerdings können Wühlmausfallen auch Maulwürfe töten, was verboten ist. Wer im Garten sein Unwesen treibt, kann man an den aufgeschichteten Hügeln gut erkennen. Maulwurfshügel sind nämlich kreisrund und hoch. Der Gang befindet sich direkt in der Mitte unter dem Haufen. Wühlmaushaufen sind vergleichsweise flach und unstrukturiert. Die Wühlmaus gräbt nämlich nah an der Erdoberfläche, wo sie ihre Nahrung findet.

Durch das Bundesartenschutzgesetz stehen die fleißigen Maulwürfe unter Schutz. Deshalb darf man ihnen nicht nachstellen, sie nicht fangen oder verletzen, töten oder ihre Entwicklungsform aus der Natur entnehmen. Jedoch ist es erlaubt, den Maulwurf zu verjagen. Ob die im Handel erhältlichen Geräte, die Töne erzeugen, wirkungsvoll sind, darüber streiten sich die Gemüter. Dennoch haben Maulwürfe ein empfindliches Gehör und einen empfindlichen Geruchssinn. Mit häufigem Rasenmähen kann man zum Beispiel den Tieren das Leben schwermachen, sodass sie sich ein anderes, ruhigeres Revier suchen. Ein weiterer Tipp ist, leere Flaschen mit dem Boden nach unten in die Löcher setzten, so dass sich der Wind darin fängt  und unangenehme Geräusche in die Gänge trägt, die der Maulwurf nicht mag. Auch schlechte Gerüche mag der Erdbuddler nicht. Ein bekanntes Hausmittel gegen Maulwürfe ist beispielsweise saure Milch. Aber auch Hundehaare, Wermut oder Brennnesseljauche vertreiben ihn.

Prinzipiell sollte man sich jedoch über Maulwürfe im Garten freuen, denn ihre Anwesenheit zeigt, dass der Boden gesund ist und es zahlreiche Kleinlebewesen im Boden gibt, die Nahrungsgrundlage des Maulwurfs sind. Deshalb setzt sich auch der NABU für ein gutes Zusammenspiel von Gärtnern und Maulwürfen ein. Maulwürfe sind Nützlinge, denn wie Regenwürmer und Raupen, frisst er auch gern Schädlinge wie Schnecken, Engerlinge und Schnakenlarven. Alle drei bis vier Stunden geht der Jäger in seinem unterirdischen Revier auf Patrouille, um seine Beutetiere, die sein Gangsystem ebenfalls nutzen, aufzuspüren.

Sein enorm schneller Stoffwechsel bedingt, dass er ständig Hunger hat. Nur zehn Stunden ohne Nahrungsnachschub wären sein Tod. Die Tagesration an Insekten, Regenwürmern und anderen Kleintieren entspricht in etwa seinem eigenen Körpergewicht, also bis zu 100 Gramm. Pro Jahr vertilgt ein einziger Maulwurf locker bis zu 37 Kilogramm Futtertiere. Der Maulwurf ist also ein eingefleischter Jäger mit einem ausgeprägten Geruchs-, Tast- und Hörsinn, der über seine Schnauze sogar elektrische Reize wahrnehmen kann. Zudem verfügt er über scharfe Zähne zum Knacken von Käferpanzern und kräftige Schaufelhände zum Graben.

Weltweit gibt es über 35 verschiedene Maulwurfsarten, doch in Mitteleuropa lebt nur einer: Der Europäische Maulwurf Talpa europaea. Die kleinen Säugetiere werden bis zu 17 Zentimeter lang und bis zu 120 Gramm schwer. Mit seinem drei Zentimeter langen Schwanz, dem kurzen, dichten, dunkelgrauen Fell und den schaufelförmigen Händen passt sich der Maulwurf perfekt den Gegebenheiten unter der Erde an. Er ist ein Einzelgänger und kann drei bis sechs Jahre alt werden. Ihm wird gerne nachgesagt, dass er blind sei. Das stimmt nicht ganz, denn Sehen ist für ihn nicht ganz so wichtig. Seine stecknadelkopfgroßen Augen, mit denen er Hell und Dunkel unterscheiden kann, sind tief im Fell versteckt. Bei der Nahrungssuche verlässt sich der fast blinde Maulwurf vor allem auf seinen hervorragenden Tast- und Geruchssinn und nicht zuletzt auf sein ausgezeichnetes Gehör.

Fazit: Maulwürfe und Wühlmäuse sind nur in Böden am Werk, die in einem hervorragenden Zustand sind. Das ist vielleicht ein Grund, sich zu arrangieren und Frieden mit den fleißigen Gartenbewohnern zu schließen. Gute Erde zum Umtopfen braucht doch jeder mal.


Das gute am Maulwurfhügel: kostenlose, frische und unkrautfreie Aussaat- und Pflanzerde

Maulwürfe stehen unter besonderem Schutz und dürfen nicht gejagt oder getötet werden

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40 Hügel auf 100 Quadratmetern Grünfläche, das zeugt von einer enormen Buddellleistung

 

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