Kultur

18.11.2021

Mit Jazz gegen den November-Blues


v.l.: Jarrod Cagwin, Rabih Abou-Khalil und Luciano Biondini

Vom 05. bis zum 13. November ging das 44. Göttinger Jazzfestival über die Bühne

von Hala Fadel und Ralf Gießler

Göttingen) Das Jazzfestival ist ein fester Bestandteil im Göttinger Kulturleben. Seit nunmehr 35 Jahren zieht es alljährlich zahlreiche Besucher aus der Region in die Leinestadt und erfreut sich großer Beliebtheit. Pandemiebedingt konnte es im vergangenen Jahr leider nicht stattfinden. Umso schöner, dass 2021 eine Durchführung möglich war, wenn auch, was zum Beispiel die Schlusskonzerte im Deutschen Theater betraf, in einem kleineren Rahmen.

"Das vergangene Jahr war für den Verein Göttinger Jazzfestival, wie auch für die gesamte Kulturszene, ein extrem anstrengendes Jahr voller Hoffnungen und Enttäuschungen und letztendlich mit dem schlimmsten anzunehmenden Ende - der Absage", äußerte sich Sebastian Otto, Geschäftsführer des Vereins Jazzfestival Göttingen, rückblickend auf 2020. "Mit der 44. Ausgabe unseres Festivals wollten wir trotz des gebotenen Abstands wie gewohnt nah dran sein an dem, was im Jazz gerade Spannendes geschieht. Mit unserem angepassten Konzept konnten wir ein breites Spektrum an internationalen und regionalen Bands präsentieren", freute sich Otto.

Vom 05. bis zum 13. November gab es an verschiedenen Orten Konzerte, die vielfach ausverkauft waren und von einem begeisterten Publikum mit großem Zuspruch und Applaus bedacht wurden. Traditionell beendeten am letzten Wochenende Konzerte im Deutschen Theater das Festival. Zwar war ein gewohntes reges Treiben auf den drei Bühnen des Theaters diesmal nicht möglich. Jedoch boten die Abschlusskonzerte, die pro Theaterabend jeweils als Doppelkonzerte stattfanden, ein überzeugendes Musikerlebnis.

Den Schlusspunkt setzten am Samstag Rabih Abou-Khalil sowie Monk's Casino. Rabih Abou-Khalil wird als ein Grenzgänger zwischen den Welten von traditioneller arabischer Musik und europäischer Klassik bis hin zum Jazz bezeichnet. Gleich einem Wanderer zwischen den Kulturen verbindet der im Libanon geborene Oud-Virtuose und Komponist arabische, europäische und amerikanische Musik zu einer hochintelligenten Melange fernab jeglicher Worldmusic-Moden. Die Oud ist eine zu den Schalenhalslauten gehörende Kurzhalslaute aus dem Vorderen Orient und gilt als Vorläufer der europäischen Laute. Kongenial wurde Rabih Abou-Khalil unterstützt von seinen musikalischen Begleitern und jahrelangen Weggefährten, dem US-Amerikaner Jarrod Cagwin am Schlagzeug und Percussion und dem italienischen Akkordeonist Luciano Biondini.

Äußert humorig und bestens gelaunt nahm Rabih Abou-Khalil die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise in seine Jazzwelt. So witzelte er bei der Vorstellung seiner Mitstreiter, dass der Schlagzeuger ursprünglicher US-Agent gewesen sei und Akkordeon so einfach zu spielen wäre, dass es sogar ein Italiener wie Luciano Biondini beherrschen könnte. Oder wussten Sie, dass Kanadier ursprünglich aus dem Irak stammen, Schlittenhunde im Zwei-Strom-Land züchteten und nur deswegen in den Norden des amerikanischen Kontinents auswanderten, weil sich dort die Hunde aufgrund des kälteren Klimas besser fühlten? Wenn er seine Stücke anmoderierte, war oft auch ein bisschen orientalische Märchenstunde angesagt, die sehr gut beim Publikum ankam. Dass Rabih Abou-Khalil nicht nur launig und amüsant durch's Programm führen konnte, bewies er musikalisch gemeinsam mit seinen zwei Kollegen im über einstündigen andauernden Konzert.

Monk’s Casino hatte sich in der Urbesetzung schon Mitte der 1990er Jahre formiert und sich 2004 an die bemerkenswerte Aufgabe gewagt, das Gesamtwerk von Thelonious Monk (1917–1982) komplett einzuspielen. Der US-afroamerikanische Jazz-Musiker Monk, wurde zu seinen Lebzeiten als Pianist und Komponist bekannt und war einer der Mitbegründer des Bebops. Mit seinem ganz eigenen Klavierstil sowie seinen unverwechselbaren Kompositionen gilt Thelonious Monk als einer der großen Individualisten und bedeutenden Innovatoren des Modern Jazz.

In der Ankündigung hieß es, dass seine Stücke genau das richtige Spielmaterial für die fünf Musiker von Monk’s Casino seien. Weil alle Fünf überwiegend im Freien Jazz ihr musikalisches Zuhause haben, hielten sie sich nicht lange an traditionelle Abfolgen auf. Auch während ihres Göttinger Auftritts gingen sie mit Spaß an der Sache und großer Spielvirtuosität ans Werk - sehr zur Freude des Publikums.


Musiker von Monk's Casino

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Rabih Abou-Khalil

Rabih Abou-Khalil und Luciano Biondini

Jarrod Cagwin

Luciano Biondini



Schlagzeuger Michael Griener von Monk's Casino

Bassist Jan Roder von Monk's Casino leistete körperliche Schwerarbeit am Bass

 

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