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17.09.2021

Experten der Unterwelt bieten Einblick in Höhlenforschung


v.l.: Uwe Lüdeker und Ernst Schuhose informieren über die Arbeit der Höhlenforscher

Start der Internationalen Schauhöhlenwoche am HEZ begann mit Infoständen über die Höhlenforscher, den Karstwanderweg und Fledermäuse

...von Herma Niemann

Zum Auftakt der Internationalen Schauhöhlenwoche gab es bereits am Dienstag im Höhlenerlebniszentrum Iberger Tropfsteinhöhle (HEZ) viel zu sehen. Geologiefans, aber auch kleine und große Höhlenfans konnten sich an Infoständen über den Karstwanderweg mit dem Vorsitzenden, Firouz Vladi vom Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg Osterode und Wolfgang Rackow von der Fledermaus-Arbeitsgemeinschaft des NABU Osterode informieren.

Einen spannenden Einblick in die Arbeit der Höhlenforscher boten Ernst Schuhose, Uwe Lüdeker und Helmar Spier vom eingetragenen Verein der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz (ArGeKH). Die Arbeitsgemeinschaft hat sich dem Schutz der Höhlen als einmalige Naturdenkmale und mit der in ihnen lebenden Tierwelt hauptsächlich am Iberg und im Rübeland gewidmet. Sie unterhält unter anderem Pflegeverträge mit den Naturschutzbehörden für Höhlengebiete im und am Harz (Iberg, Hainholz, Gipskarstgebiet Düna, Höhlen Rübeland). Zu ihren Aufgaben gehört die Pflege, Erforschung, Vermessung und Dokumentation der Höhlen, der Wasserführung, Geologie und Paläontologie und befasst sich auch mit der Nutzung als Schauhöhlen und für medizinische Therapien zum Beispiel bei Allergien und Asthma.

Wie Ernst Schuhose erklärte, seien die Höhlen im Arbeitsgebiet der ArGeKH auf unterschiedliche Weise entstanden. Die klassischen Karsthöhlen bilden den Hauptanteil der natürlichen unterirdischen Objekte. Diese Höhlen entstanden in der Hauptsache im Kalkgestein und im Gipsgestein. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Kalkgesteine, zum Beispiel der Iberger Kalk im Bereich von Bad Grund und im Elbingeröder Komplex, Dolomitkalke im Bereich von Scharzfeld und Korallenoolith, hauptsächlich im Leine und Weserbergland, sowie Muschelkalke. Die Höhlenforschung setze sich aktiv in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gemeinden sowie Denkmal- und Naturschutzbehörden für den Schutz von Höhlen und Karstlandschaften ein. Voraussetzung für das Entstehen von Kalksteinhöhlen sind Wasser und das Kalkgestein. Die Höhlen entstehen, indem Oberflächenwasser durch feine Spalten und Risse in das Kalkgestein eindringt. Beim Durchlaufen der Humusschichten nimmt das einsickernde Wasser Kohlendioxid auf und es bildet sich hierbei eine schwache Kohlensäure. Dieses mit Kohlendioxid angereicherte Wasser ist in der Lage das Kalkgestein aufzulösen. Das eindringende Wasser schafft somit langsam aber sicher immer größer werdende Risse und Klüfte. Durch das zusammenfließen von mittlerweile mit Kalk gesättigtem Wasser, sind dieses Lösungen in der Lage, erneut Kalk zu lösen. Uwe Lüdeker erklärte, dass die für den Laien gefährlichen Höhlen verschlossen seien, auch um deren Kontrolle und Pflege kümmere sich die ArGeKH. Aber die meisten Höhlen seien eben offen. Und leider komme es immer wieder zu Vandalismus durch mutwillige Zerstörungen und Graffiti, auch werde das Höhleninventar wie Tropfsteine abgeschlagen oder geklaut. „Viele Höhlen, welche teils viele Millionen Jahre brauchten, um so einmalig zu werden, wie sie sind, wurden schon innerhalb weniger Stunden komplett zerstört“, bedauert Schuhose. Um als Höhlenforscher agieren zu können, braucht es eine entsprechende Ausrüstung, wie Uwe Lüdeker erklärte, der sich eindrucksvoll im Foyer des HEZ mit der sogenannten Einseiltechnik (SRT vom englischen „Single Rope Technique“) abseilte. Diese Technik mit einem statischen Seil dient zum Befahren von überwiegend vertikalen Strecken wie zum Beispiel Schächten. Dabei wird am oberen Ende eines Schachtes das Seil angebracht, an dem man sich dann sowohl abseilt als auch wieder am selben Seil mit sogenannten Steigklemmen aufsteigt. Diese Technik erlaubt es völlig ohne Klettern auch an komplett frei hängenden Seilen aufzusteigen.

Die Sicherheit stehe aber immer im Vordergrund, so Lüdeker, aus diesem Grund sei ein Höhlenforscher auch nie allein, sondern arbeite immer mindestens zu dritt. „Wir haben am Iberg die wohl höchste Höhlendichte mit rund 150 Höhlen“. Aber die Höhlenforscher würden auch immer wieder neue Höhlen entdecken. Und manchmal finde man dabei sogar noch Arbeitsutensilien aus den alten Zeiten des Bergbaus, wie alte Tonpfeifen, Lederschuhe und Öllampen. „Das ist für einen Höhlenforscher ein ganz besonderes Erlebnis“, schwärmt Lüdeker.

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Uwe Lüdeker von der Arbeitsgemeinschaft Karstkunde seilt sich mit der sogenannten Einseilmethode im Foyer des HEZ ab

Rund 150 bekannte Höhlen gibt es am Bad Grunder Iberg

 

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