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10.07.2021

In der Wartbergschule ging ein Kreuzfahrtschiff vor Anker


Die entzündeten Wunderkerzen der Rausschmeißer sorgten für ein verträumtes Ende

...von Petra Bordfeld

Auf der Bühne der Wartbergschule war ein Kreuzfahrtschiff vor Anker gegangen, weil zum einen dessen nautische und technische Offiziere die geladenen Gäste der beiden Abschlussfeiern vor dem Betreten der Pausenhalle begrüßen und zu den Plätzen begleiten wollten. Zum anderen galt es ja, einen großen Teil der Besatzung – vom Funker über Maschinisten bis hin zu Köchen - zu verabschieden.

Während die  Besatzungsmitglieder, welche an diesem Vormittag abheuern wollten, unter dem Beifall der „Landratten“ einmarschierten, machte sich das Lehrer-Orchester auf der Kaimauer spielbereit, um dann mit dem Instrumentalstück, der Titelmusik zum Film „Fluch der Karibik“,  zu begeistern.
Der Kapitän des Schiffs „Wartbergschule I“, Dirk Pruschke, trat erst einmal als Leiter der Wartbergschule ans Mikrophon und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass trotz der Coronabedingungen diese Feierstunde ausgerichtet werden durfte.

Nicht minder groß war seine Freude darüber, dass das letzte Schuljahr und das Erreichen des Abschlusszeugnisses  mit relativ viel Unterricht geklappt hatte. Er sei froh darüber, dass die Prüfungsklassen den Unterricht und die Prüfungen in Präsenzunterricht absolvieren durften. Nicht minder glücklich stimmte ihn die Tatsache, dass  sogar Aktionen, wie beispielsweise das Grillen oder der Tagesausflug im Klassenverband hätten durchgeführt werden können.
„Das Wichtigste ist aber, dass ihr alle in der Pandemiezeit gesund geblieben seid und alles überstanden habt.“

Dann ließ er durchblicken, warum in der Wartburgschule ein gleichnamiges Kreuzfahrtschiff vor Anker gegangen war. Letztendlich könne die Schulzeit mit einer Schifffahrt verglichen werden. „Mit der Einschulung seid ihr an Bord gegangen und habt ein  unbekanntes Ziel angesteuert“.  Denn letztendlich wisse man nicht, in welchem Hafen man vor Anker gehen werde. Die Neugier, was gemacht werden könnte, und der Wissensdurst hätten zur Wegfindung beigetragen. „Wenn ihr euch für was interssierte habt, wart ihr bei der Sache, schließlich wolltet ihr neue, unbekannte Welten entdecken.“  Auf dem Wartburgschule-Schiff  habe es aber auch gegolten  Stürme und schlechtes Wetter zu überstehen, was allen mit mit Bravur gelungen sei. 

Einige hätten sogar gravierende Kurswechsel mitgemacht, denn es hätte neben Klassenwechsel auch Schulwechsel gegeben. Aber gerade im letzten Schuljahr mussten alle ein schwieriges Fahrwasser, das Corona-Dreieck,  durchkreuzen, was bestens gelungen sei. Auch wenn leider keine Praktika hätten durchgeführt werden können, um in die berufliche Welt reinzuschnuppern, hätten sie den hohen Wellen Stand gehalten.  „Ich habe Hochachtung vor euch, weil ihr dieses schwierige Jahr so gut und toll überstanden habt. Man könnte sagen, ihr lauft wohlbehalten in euren Zielhafen ein.“

Und genau in den Häfen „Kompass“, „Nebelhorn“ und „Anker“ wurde ihnen das „Schifffahrtspatent“ in Form des Abschlusszeugnisses überreicht, damit sie nach den Sommerferien auf einem neuen Schiff anheuern können, gleich ob der Kurs  in die Berufswelt oder  in eine andere Schulwelt angesteuert wird. „Nutzt in den folgenden Jahren die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ihr euch erarbeitet habt.“ Dafür, dass seine Kollegen der Besatzung tatkräftig dabei unterstützt hatten, das Grundgerüst zu bekommen, sprach Dirk Pruschke ihnen ein großes Dankeschön aus. Denen, die das Schiff verließen, wünschte er abschließend Mast und Schotbruch und jederzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Nachdem die Klasse 4 der Oberstufe auf der „Kaimauer“ mit einem Tanz nach dem Lied „Sofia“ von Alvaro Soler  fasziniert hatte, überbrachte Osterodes Bürgermeister Jens Augat sei Grußwort. In dem ließ er es sich nicht nehmen, den Schulabgänger/innen für ihr erreichtes Ziel herzlichst zu gratulieren. „Es ist geschafft – ich gratuliere euch herzlich zu der herausragenden Leistung“ Denn dieser Abschluss sei etwas ganz Besonderes, weil er unter unvorhersehbaren Bedingungen geschafft wurde. „Ihr habt ein Stück Geschichte geschrieben.“

Nicht minder freute ihn, dass eine Abschlussfeier stattfinden konnte. Sie sei letztendlich ein wichtiger Lebensabschnitt, der jetzt hinter den jungen Menschen liege. Nun gelte es, einen neuen Weg zu beschreiten, und Augat wünschte allen, dass sie das finden mögen, was sie begeistert und in dem sie zeigen können, was in ihnen steckt.

Dann betraten die ersten der Besatzung das Schiff, um  unter vielen Worten der Anerkennung ihr Patent entgegenzunehmen. Übrigens wurden alle beim Abheuern von dem Lied „Santiano“ von der gleichnamigen Band aus Schleswig-Holstein begleitet.

Da die Trommler der zehnten Klasse auf Grund der Corona-Vorschriften noch nicht live auftreten durften, überbrachten sie ihre musikalischen Glückwünsche überzeugend per Video. Aber auch die Schülersprecher ließen es sich nicht nehmen, den  Entlassschüler/innen alles Gute zu wünschen, und dass sie trotz der schweren CoronaZeit den neuer Lebensabschnitt in den Griff bekommen mögen.

Als dann die letzten Zeugnisse vergeben waren, kam der große Auftritt der Klasse 7 der Mittelstufe, die mit ihren „Piratenrhythmen“ zu überzeugen wussten. Denn sie hatten sich nicht nur wie die Räuber der Weltmeere verkleidet, sie wussten auch  mit den Instrumenten sowie den Schlagzeug-Sticks umzugehen, die  nicht selten die Funktion eines Degens übernahmen.

Als dann die „Rausschmeißer“ den Kai betraten und Wunderkerzen entflammten, stand für alle fest, dass sie ohne Worte gebeten wurden, den Saal zu verlassen. So konnte die „Wartbergschule I" ihre Anker lichten und der Hafen sich wieder zur Bühne verwandeln und dem Alltag Einzug gewähren. 

 

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Das Lehrer-Orchester wusste zu überzeugen

Während der Abschlussfeier war Dirk Pruschke nicht nur Schulleiter, sondern auch Kapitän

Das Kreuzfahrtschiff Wartbergschule I ist vor Anker gegangen


Die siebente Klasse der Mittelstufe schlüpfte in Piratenkostüme

Schlagzeugsticks können auch anders für den Rhythmus eingesetzt werden

 

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