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28.05.2021

Martin Hoff leitete virtuellen Wassersportkurs der VHS


Martin Hoff im Gespräch mit einer der beiden Gruppen, die den Bootsführerschein machen wollen

...von Petra Bordfeld

Lerbach. Vor 16 Jahren entschloss sich Martin Hoff als Dozent für den Bereich Wassersport an der damaligen Kreisvolkshochschule (KVHS) Osterode anzutreten, weil er dazu beitragen wollte, dass Bootsführerscheine der unterschiedlichsten Art auch im Binnenland gemacht werden konnten. Daran sollte sich auch nichts ändern als aus dieser Institution die Geschäftsstelle der VHS Göttingen-Osterode wurde. Und weil er der Corona-Pandemie zum Trotz die Bugwelle der Interessenten/innen nicht abflauen lassen wollte, und das VHS-Team voll hinter ihm steht, wagte er den Schritt in die virtuelle Welt.

Denn 17 Frauen und Männer melden sich trotz Corona-Pandemie für zwei Kurse an. Damit gehören sie, wenn sie ihren Bootsführerschein in der Hand halten, zu den rund 300 Wassersportenthusiasten, die bereits einen der Kurse von Martin Hoff besucht und sowohl die praktische, als auch theoretische Prüfung geschafft haben.

Der Dozent, der mit Sösewasser getauft wurde und seit frühester Kindheit mit dem nassen Element verbunden ist, überlegte sich bei der Jahreswende, dass es doch möglich sein müsste, einen neuen Kurs anzubieten. Und er war nicht nur erstaunt, sondern insbesondere erfreut, dass seine Idee, die Theorie online durchzuführen, auf einen derart fruchtbaren Boden gefallen war. Denn die 17- bis 70-jährigen Kursteilnehmer/innen kommen über die Grenzen des Kreises Göttingen hinaus. Lange Anfahrtswege musste diese aber nicht in kauf nehmen, das Internet macht es möglich. Bis heute haben sich viele von ihnen noch nie persönlich getroffen, was der überaus guten Stimmung absolut keinen Abbruch tut. 

Auch wenn Martin Hoff den wirklich kürzesten Anfahrtsweg hat musste er sich doch überlegen, wie er seinen Unterrichtsraum, welcher sich im ersten Stock seines Firmengebäudes in Lerbach befindet, für den virtuellen Unterricht umgestalten kann. Bei der Entscheidung halfen ihm eine Vielzahl von Kameras, Lautsprechern, Lehrmaterial und die wohl ansteckende gute Laune aller Lernenden.
Neben dem klassischen Frontalunterricht, der natürlich nicht fehlen darf, ließen sich die Kursteilnehmer/innen immer wieder mit den Prüfungsfragen zu dem jeweiligen Stoff konfrontieren und mussten nicht lange zum Mitmachen überredet werden. „Schwierig ist nur, über den Bildschirm die Erklärung, einen Knoten richtig zu binden, mitzubekommen“, schmunzelte einer der Schüler.
Doch es war nicht nur die Technik des richtigen Knotensteckens, die den einen oder anderen „fesselte“, sondern auch die lehrreichen Videofilme sowie lustige oder nachdenkliche Geschichten aus dem eigenen Erfahrungsschatz des Dozenten die den Unterricht immer wieder auflockerten.

Eine wahre Geschichte lud ganz besonders zum Schmunzeln ein. In ihr erinnerte sich Martin Hoff daran, dass einmal ein älterer Teilnehmer, frisch in Rente, mit Yoga-Matte unterm Arm den Unterrichtsraum betrat. Er wollte sich im Prinzip für einen Yoga-Kurs angemeldet haben und hatte sich dabei wohl beim Eingeben der entsprechenden Kursnummer vertan. Der gute Mann ging nicht wieder sondern er blieb, bis er alle möglichen Scheine in der Tasche hatte. Jetzt erobert er zusammen mit seiner Frau per Boot und Wohnmobil die Welt.

Aber auch jene, die sich zum jetzigen Kurs korrekt angemeldet haben, werden von Video-Treff zu Video-Treff immer lockerer, als seien sie schon alte Bekannte. Das erste persönliche Aufeinandertreffen der ganzen Gruppe wird es aber erst bei der praktischen Prüfung geben. Denn dafür muss wirklich ein reales Boot bestiegen werden.

Weil Hoff im Wassersportbereich gut vernetzt ist konnte er die DLRG in Northeim davon überzeugen, die Ausbildung seiner Schüler/-innen zu übernehmen. So haben alle erst einmal ein paar Fahrstunden absolviert, bevor sie dann auf dem großen Freizeitsee in Northeim Ende Mai ihre Prüfung ablegen werden. Schon heute steht übrigens für den einen und anderen fest, dass er oder sie auch noch den Segelschein dranhängen werden, selbst wenn das wieder „nur“ per Video gehen sollte.

Eine Kursteilnehmerin betonte, dass zwar ihr Vater einen Bootsführerschein hat, sie wolle aber nicht immer nur mitfahren sondern auch mal selbst die familieneigene Yacht über die Ostsee steuern. 
Ein anderer Kursteilnehmer hatte es satt regelmäßig ans Meer zu fahren, und dort nur den Booten nachzuschauen. Als er sah, dass es im Januar einen neuen Kurs geben werde, meldete er sich sofort an.
„Es ist für mich eine Alternative zum Wohnmobil, denn mit dem Boot kann ich auch Gewässer erforschen oder Angeln auswerfen“, so ein weiterer Schüler.

In einem sind sich alle einig: auch wenn sie sich nur online kennen, läuft aus ihrer Sicht alles erstaunlich gut, obwohl es ein komplexes Thema mit sehr viel Stoff ist.
Ein zukünftiger Bootskapitän betonte, dass er sehr erstaunt darüber wäre, wie gut das Onlinemeeting ankommt. Er fände es einfach toll, dass Martin Hoff es versteht, alles so gut rüberzubringen. 
Dem 17jährigen Kursteilnehmer war Online-Unterricht längst nicht mehr unbekannt, denn er arbeitet damit schon lange in der Schule. „Auch wenn die Schule es sehr gut macht, gibt es hier mehrere Kameras und Mikros. Alles ist mega-gut organisiert“.

„Für die Zukunft kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Unterricht aus einem Mix aus Präsenzunterricht und virtuellem Unterricht besteht“, so lautet die Überzeugung von Martin Hoff. Denn eine Mischung mit 50 bis 70 Prozent Präsenzunterricht halte er für alle Beteiligten für sehr positiv.

„Sicherlich haben uns VHS-Dozenten mit dieser Erfahrung und dem Einsatz weitergebracht und Horizonte erweitert. Damit gaben sie den Kursteilnehmer/innen die Möglichkeit in diesen schwierigen Zeiten Kurse an der VHS wahrzunehmen“, so Ulrike Schmidt, pädagogische Mitarbeiterin der VHS Göttingen-Osterode in den Fachbereichen EDV, Berufliche Bildung, Kultur, Grundbildung.

Und Martin Hoff merkt abschließend an: „Aufgrund der virtuellen Kurse haben wir auf jeden Fall, neben dem Erfolg für die Teilnehmer, auch den CO2-Ausstoß reduziert und das Klima geschont“.

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Martin Hoff erklärt den Online-Schülern den durchaus lebensretttneden Rettungskragen

 

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