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22.05.2021

Schützenverein Förste hat alte Kläranlage gegen neues Schmutzwasserrohr ans öffentliche Netz ausgetauscht.


Klaus Beyger bei dem Loch, welches vor dem Schießhaus gebuddelt werden mussten

...von Petra Bordfeld

Wer den Salzenberg in Förste  befuhr oder beging, der staunte vermutlich nicht schlecht über die Erdarbeiten an dem zum Steinbruch weisenden Straßenrand. Doch nicht nur dort wurde „gebuddelt“, vor dem Schießhaus des Schützenvereins Förste ebenso. Eines hatten beide Aktionen gemeinsam: sie drehten sich um die gesetzmäßig neu zu installierende Schmutzwasserentsorgung, denn die Genehmigung für die alte Kläranlage lief 2015 aus. Seit dem bemüht sich der erste Vorsitzende, Klaus Beyger, um Fördermittel.

Warum der Schützenverein Förste verpflichtet war, sich  darum zu kümmern, begann bereits vor 61 Jahren mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages, womit das Grundstück „Steinbruch am Salzenberg“ von der damaligen Gemeinde Förste in den Besitz dieses Schützenvereins ging. Dort wurde dann 1963 der Schießstand mit zwei handbetriebenen Scheibenzuganlagen eröffnet. Fast 40 Jahre später wurde aber beschlossen, einen Anbau in die Realtiät umzusetzen. Als dies 2000 geschehen war, machte sich niemand Sorgen um die damals installierte Kläranlage. Doch da in dem Vertrag geschrieben stand, dass diese nach 15 Jahren nicht mehr genutzt werden darf, begannen Beyger und sein Vorstand ab 2014 sich Gedanken über eine finanzierbare Lösung zu machen und die Vereinsgelder vorsorglich gut zusammen zu halten.
Und diese Weitsicht sollte sich als sehr richtig herausstellen, denn der damalige Landkreis Osterode mahnte an, dass die Genehmigung für das  Dreikammersystem mit Verrieselung nach 15 Jahren abgelaufen sein wird, und das war 2015. „Der Landkreis Göttingen erteilte seit dem nur eine jährlich Betriebsgenehmigung, nachdem wir sie regelmäßig durch eine Fachfirma überprüfen ließen“, so der Vorsitzende.

Dessen erste Philosophie war, das Schießhaus ans öffentliche  Netz anzuschließen. Denn, um im Steinbruch erneut so eine Kläranlage zu bauen, wie das erste Modell, hätte man erneut ein kostspieliges Bodengutachten einzuholen müssen. Auch wenn das alles positiv verlaufen wäre, stand die Tatsache im Raum, dass die neue Anlage auch nur 15 Jahre hätte betrieben werden dürfen. Also festigte sich der Gedanke um den Anschluss an das öffentliche Netz, der allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gerade preiswert ausfallen dürfte – darin war man sich einig.
Also begab sich Klaus Beyger auf eine informative Wanderschaft, um in Erfahrung zu bringen, von welcher Seite es Zuschüsse geben könnte. Er besuchte den Kreis- und LandesSportBund und  absolvierte Schulungen zur Beantragung von Fördermitteln. Ebenso nahm er Kontakt auf mit dem Landtagsabgeordneten Karl Heinz Hausmann (SPD) und scheute sich auch nicht den SPD-Landesvorsitzenden, Stephan Weil, um Sportstättenförderung zu befragen. Doch er kehrte von allen ohne finanzielle Unterstützung zurück. 

Damit begann die Kostenaufstellung. Denn zwar gehörte das Gelände dem Schützenverein, aber nicht der Seitenstreifen des Straßenzuges, der geöffnet werden musste, um eine Verbindung zu dem Hauptanschluss zu erhalten, welcher in der im Tal gelegenen Grafenquelle zu finden ist. „Die Arbeiten  Schießhaus bis zur Straße hätten wir aus der Portokasse zahlen können, nicht aber die realen 250 Meter vom Schützenhaus bis zum Anschluss“.

Als Ortsbürgermeister Bernd Fröhlich, der Ortsrat Förste/Nienstedt und Osterodes Bürgermeister Jens Augat Wind von der alles andere, als zufriedenstellenden Situation bekamen, setzten sich alle für eine Lösung ein, wofür der Schützenverein ganz doll Danke sagt. Jens Augat legte letztendlich offen, dass die Stadt die Erdarbeiten von der Grafenquelle bis zum letzten Wohnhaus am Salzenberg übernehmen wird, die verbliebenen 200 Meter musste der Verein aber selbst stämmen.  „50 Meter waren schon ein ganz schönes Entgegenkommen, erfreulich war aber auch, dass die Baumaßnahme unkompliziert abgewickelt werden konnte“, so der erste Vorsitzende.

Übrigens setzte der Garten – und Landschaftsbau Meiners aus Marke das ganze Projekt um. 
Zudem wurden in dem Graben gleich zwei Leerrohre mit verlegt, die neben einer Gasleitung und eine neue Wasserleitung aufnehmen können. Hier hofft Klaus Beyger auf die Kooperation des örtlichen Energieversogers Harz Energie. „Momentan ist wegen Corona es sehr schwierig  mit den zuständigen Personen ein persönliches Gespräch zu führen“.

Um nun alle Rohre auch an das Schießhaus anschließen zu können, musste davor erst einmal gebuddelt und dann zwei überdimensionale Löcher in die Grundmauer des Gebäudes gebohrt werden. 
In jedem Fall ist nicht "nur“ Klaus Beyger zufrieden mit der gefundenen Lösung. Der Vorsitzende musste schmunzeln, als er ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte. Bei einem Gespräch mit Politik sowie Kreis- und LandesSportBund seien zwei verrückte Möglichkeiten in Sachen „Kläranlage“ auf den Tisch gekommen. Man hätte ja auch einen Klärteich auf der Schießbahn oder ganz oben auf den Berg anlegen können.


Diese Rohre sind schon lange unter der Erde verschwunden

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Dieser Gastank wird auch der Vergangenheit angehören, wenn er leer ist

 

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