Regionales / Harz

06.05.2021

Eine Frau geht ihren Weg


Kerstin Lüttgering verlässt den Kirchenkreis Harzer Land 

...KKHL - Christian Dolle

Die Seelsorgereferentin Kerstin Lüttgering wurde am Sonntag in Clausthal verabschiedet. Dabei machte Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng noch einmal deutlich, dass diese Bezeichnung für sie überhaupt erst kreiert wurde, weil sie einen in der Landeskirche einzigartigen Weg ging und auch weiterhin gehen wird.

In ihrer letzten Predigt ging Kerstin Lüttgering auf Paulus und Silas ein, die in der Apostelgeschichte in den Kerker geworfen werden und dort vor allen anderen Gefangenen zu Gott beten. Es gibt ein Erdbeben, die Grundmauern des Gefängnisses wanken und kurz darauf sind die Gefangenen frei. Auch in der momentanen Situation erzählen ihr in Seelsorgegesprächen viele Menschen, dass sie sich wie eingesperrt fühlten, berichtete Kerstin Lüttgering. Doch wie die Apostel dürfen auch wir Hoffnung haben, denn Gott lenkt die Welt und unser aller Leben nach seinem Willen.

Bei ihr blieben das keine pastoralen Worte, vielmehr blickte sie auf ihren eigenen Werdegang, der sie zunächst ehrenamtliche Aufgaben übernehmen ließ, ihr die Möglichkeit offenlegte, Küsterin in Hahnenklee zu werden, später dann Lektorin und Prädikantin und den sie jetzt fortsetzt, um Pastorin zu werden, eine Chance, an die sie vor einigen Jahren selbst noch nicht geglaubt hatte. „Wir fallen in Gottes Arme, immer“, schloss sie, „er ist die Kraft, die unser aller Leben komponiert.“

Wie einzigartig dieser Weg ist, drückte Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng in ihrer Ansprache zur Entpflichtung aus, es wurden seitens der Landeskirche und des Kirchenkreises Harzer Land neue Wege geschaffen, so dass Kerstin Lüttgering immer mehr Aufgaben übernehmen konnte, neben Gottesdiensten schließlich auch Trauerfeiern. Jetzt wird sie als erste Frau in der Landeskirche eine Ausbildung zur Pfarrverwalterin machen, um dann eben als Pastorin zu arbeiten und zu wirken. 

Pastor Jonathan Stoll erinnerte daran, wie sehr sie sich in den Gemeinden im Oberharz und ganz besonders in der Clausthaler einbrachte und drückte auch den Wunsch aus, dass sie vielleicht irgendwann in den Kirchenkreis zurückkehrt. Für den Kirchenvorstand erinnerte die Vorsitzende Dorothee Austen an viele gemeinsame Stunden, aus denen neue und wichtige Projekte nicht nur auf den Weg gebracht, sondern unverzichtbar wurden. So beispielsweise der Tisch Lazarus, der Lebensmittel an jene ausgibt, die diese Hilfe benötigen, im Oberharz monatlich etwa 150 Personen. 

Auch wenn die Marktkirche an diesem Tag natürlich nur eine begrenzte Anzahl Plätze anbieten durfte, so waren diese jedoch alle besetzt und während des Festgottesdienstes wie auch im Anschluss zeigte sich deutlich, welche Spuren Kerstin Lüttgering in ihrer vielfältigen Tätigkeit hier hinterlässt. 


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