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27.04.2021

Wulftener Wehr hat viel zu erledigen


Grégory Olivier Mickiewicz, Lena vom Hofe, Frederik Kalis, Maurizio Mönnich und  Edgar Brandt sorgten dafür dass der Bauschuttcontainer vor dem Feuerwehr haus nicht lange leer blieb

...von Petra Bordfeld

Rainer Gropengießer, stellvertretender Vorsitzender des Samtgemeinde-Ausschusses Bauen, Planen, Sicherheit und Ordnung (BPSO) und Henning Kunstin, Mitglied des Samtgemeinde-Ausschusses, hatten sich auf den Weg in die Steinstraße 1 in Wulften gemacht. Dort nämlich steht das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Wulften, welches 1977/78 errichtet und am 15. März durch einen Kompressor- und LKW-Reifenbrand ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Gropengießer betonte, er sei mit seinem Samtgemeinderatskollegen Kunstin gekommen, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, was der Brand in dem Gemäuer und dem darin befindlichen Sachbestand angestellt hat.

Er ließ aber auch durchblicken, dass der BPSO-Ausschuss zusammen mit der Verwaltung das Gespräch mit dem zuständigen Architekten führen wird, um dann den Rat der Samtgemeinde Hattorf aufzufordern mit dem Suchen und Finden einer akzeptablen Lösung zu beginnen. Es dürfe absolut keine Nachlässigkeit zugelassen werden, sondern noch deutlich vor September dieses Jahres eine Entscheidung gefallen sein, ob es einen Wiederaufbau oder einen Neubau gibt. „Denn während der Zeit der Bundestags- und Kommunalwahlen dürften sich die Räder der Entscheidungen erst einmal ein ganzes Stück langsamer drehen – und dass ist bestimmt nicht im Interesse der Kameradinnen und Kameraden“.

Dann übernahm Ortsbrandmeister Grégory Olivier Mickiewicz zusammen mit seinem Stellvertreter Christian Martin Wolff die informative Führung durch das sehr in Mitleidenschaft gezogene Gemäuer, welches mittlerweile überwiegend leer steht, weil es fast vollständig ausgeräumt ist. Denn der Rauch, welcher durch das Feuer, welches durch den schnellen Einsatz der Kameradinnen und Kameraden schnell gelöscht war, entstanden ist, hatte sich durch die kleinste Ritze bis auf den Dachboden „durchgefressen“.

Übrigens staunten die beiden Gäste nicht schlecht, als sie den Reifen gesehen hatten, der durch herabfallende brennende Kompressorbauteile entzündet worden war. Denn der könnte im Prinzip als Leermittel verwendet werden, um aufzuzeigen, aus was für Materialien und Schichten sich so ein Objekt zusammensetzt.

„Als wir das Feuer gelöscht und die Fahrzeuge draußen hatten, sah alles noch gar nicht so schlimm aus“. Daran habe auch die Tatsache vorerst nicht geändert, dass er und drei weitere Kameraden mit Verdacht auf Rauchgasintoxikation ins Krankenhaus mußten. Denn sie wurden bereits nach kurzer Zeit gesund entlassen. Entstanden war übrigens diese Gesundheitseinschränkung durch das Einatmen von Rauchgasen bei der Brandbekämpfung beziehungsweise dem "in Sicherheit bringen" der Einsatzfahrzeuge. „Das große Erwachen gab es er am kommenden Tag, so der Ortsbrandmeister.

Es sollten sich auch die Gutachter die Klinke in die Hand geben. Der erste sei von der Brandkasse zur Schadensaufnahme gekommen. Der zweite Fachmann der Großschadensabteilung kam, weil der Schadensfall deutlich die 100 000 €-Grenze überschreiten wird. Der dritte wiederum war vom Kommunalen Schadensausgleich (KSA) beauftragt worden, der für die Einsatzfahrzeuge zuständig ist. Und schließlich folgte dann noch der vierte Gutachter, der alles Elektronische und die IT-Technik in Augenschein genommen hat.
 
Alle drei Einsatzfahrzeuge wurden schnellstmöglich von der Wulftener Firma Jen-Karl Lange Industriewartung zur Brandsanierung ins GAS Technologiezentrum nach Ewitten (NRW) überführt. Damit die Wulftener nicht zu einer Feuerwehr-Fahrzeug freien Zone erklärt werden konnte, parkten die Hattorfer Wehr eines ihrer Einsatzfahrzeug, das TSF (Transportspritzenfahrzeug) nicht ins Wulftener Feuerwehrhaus ein, sondern in der alten „Postbusgarage“ der Wache Süd, die in dem Straßenzug „Neue Welt“ gelegen ist und von Jens-Karl Lange zur Verfügung gestellt wurde. Dort werden übrigens auch die drei Wulftener Fahrzeuge erst einmal stehen, wenn sie auf eigener Achse aus Ewitten nach einer Aufbereitung für 22 000 € zurückgekommen sind. Um dieses Einparken möglich zu machen, hatte die Firma Gropengießer Erdreich bewegt, den Untergrund befestigt und Frischwasser sowie Abwasser verlegt. Mittlerweile stehen übrigens auch an auf beiden Wachen Büro-, Sanitär- und Materialcontainer. „Wir müssen ja alles irgendwo unterbringen“, so Mickiewicz. So ist beispielsweise die Wulftener und Samtgemeinde-Kleiderkammer in einen der Container untergebracht. 

Grégory Olivier Mickiewicz gewährte bei dem Rundgang aber auch neben der Fahrzeughalle Einblicke in alle anderen Räumlichkeiten. Dazu gehörten die ebenfalls leeren Umkleideräume.  Mittlerweile sind übrigens sämtliche persönliche Schutzausrüstungen inklusive Helme und Handschuhe durch eine Fachfirma gereinigt und den Einsatzkräften wieder, zur Lagerung zuhause, ausgehändigt worden. Nicht wieder zum Einsatz dürfen die Stiefel kommen. Denn deren Reinigungskosten lägen wesentlich höher, als die Neubeschaffung bzw. wurden durch den Gutachter als unwirtschaftlich bewertet. Dieser Anmerkung stimmten die beiden Gäste vollends zu.
 
Jetzt gilt es für eine Fachfirma, alle Räumlichkeiten zu reinigen. Der Ortsrandmeister sprach die Hoffnung aus, dass nach dem Ausbau der neuen Küche im ersten Stock bitte nicht auch noch die Wände aufgerissen werden müssen, um den Rauschaden zu beseitigen. Damit ging eine vier Jahre währende Renovierung in Eigenleistung verloren. Dies müsste der eingebundene Chemiker entscheiden.
 
Ob letztendlich aber der Wiederaufbau in Angriff genommen wird, oder sich die Samtgemeinde für. einen Neubau entscheiden wird, wagte er nicht zu diagnostizieren.  „Da bleibt nur abzuwarten, ob das Wahljahr den Entscheidungsträgern den nötigen Ansporn für Pro-Feuerwehr-Entscheidungen erweckt“.
 
Abschließend ließ es sich Ortsbrandmeister Mickiewicz nicht nehmen, der Verwaltung der Samtgemeinde Hattorf, die sich fast ausschließlich um diesen Schadenfall kümmerte sowie den Kameraden/innen der Wulftener und der anderen Wehr der Samtgemeinde für deren gute Zusammenarbeit, Geduld und Verständnis zu danken. Ebenso richtete er seinen Dank an Rolf Lohrengel, der auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb die Großfahrzeuge übergangsweise aufnahm und Jens-Karl Lange, der sofort unbürokratisch einen Stellplatz und weitere Unterstützungsleistungen anbot. So ein großes Dankeschön könne er leider bislang nicht an die Politik aussprechen.

Er hielt aber auch nicht mit der Freude hinterm Berg, dass sich Vertreter des BPSO-Ausschusses und des Samtgemeinderates viel Zeit genommen hatten, um aus erster Hand zu erfahren, wie es bei der Wulftener Wehr und deren Einsatzbereitschaft nach dem Brand ausschaut.

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Ortsbrandmeister Grégory Olivier Mickiewicz (re.) und sein Stellvertreter, Christian Martin Wulf (li.) stellt Rainer Gropengießer (zw. v. re.) und Henning Kunstin, das vom Brand sehr in Mitleidenschaft genommene Gebäude vor

So kann eine Reifen auch auschauen, wenn er mit Feuer in Berührung kgekommen ist

 

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