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12.04.2021

Von den Mönchen zu den Goniatiten


Die Büros sind momentan noch in einem Container: Dr. Brigitte Moritz an ihren Arbeitsplatz im Höhlenerlebniszentrum

Museumsfrau Dr. Brigitte Moritz wechselte im Februar vom Zisterzienser Museum Kloster Walkenried zum Höhlenerlebniszentrum in Bad Grund.

von Herma Niemann

Bad Grund. Das Außengelände gleicht zwar noch einer Baustelle, aber im Innern wird schon eifrig an den Plänen der Erweiterung des Höhlenerlebniszentrums (HEZ) in Bad Grund gearbeitet. Aus diesem Grund bereichert auch seit dem 15. Februar Dr. Brigitte Moritz als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kulturvermittlerin das Team des HEZ.

Dr. Moritz ist promovierte Kunsthistorikerin und Historikerin und stammt ursprünglich aus Kassel. Lange Jahre hat sie im Ruhrgebiet gelebt und dort auch als Kunsthistorikerin gearbeitet. Ihre Promotion erfolgte an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 1999 lebte Dr. Moritz in Goslar und hat dort zusammen mit der Museumsleiterin des HEZ, Ortrud Krause, unter Professor Reinhard Roseneck im Bergbaumuseum Rammelsberg kuratiert und später ab 2007 im Zisterzienser Museum Kloster Walkenried. Professor Roseneck prägte entscheidend diese drei Einrichtungen des Bergbaumuseums am Rammelsberg, des Klosters Walkenried und des Höhlenerlebniszentrums an der Iberger Tropfsteinhöhle.

Seit 2007 lebt Dr. Moritz in Bad Sachsa. „Was ich sehr schätze ist, dass ich hier im Harz meine beruflichen und privaten Interessen verbinden kann“, so die 61-Jährige „ich habe mich hier gleich heimisch gefühlt“. Im Harz sei alles vorhanden, was ihr wichtig sei, wie die Natur und die Kultur. Hier könne sie auch ihrer Leidenschaft zur technischen Geschichte des Harzes, wozu natürlich auch der Bergbau gehört, nachgehen. Was sie am HEZ besonders faszinierend finde, sei die unglaubliche Zeitspanne und die breit gefächerten Themen, die die Besucher in der Iberger Tropfsteinhöhle und im archäologischen Museum am Berg erfahren können.

„Wenn man vor dem Gebäude steht, vermutet man ja nicht gleich, dass sich im Inneren Jahrtausende alte Naturgeschichte und 3.000 Jahre alte Kulturgeschichte mit den Funden aus der Lichtensteinhöhle verbergen“. Die über Jahrhunderte von Menschen geprägte Kulturlandschaft mache den Harz so spannend. Dies gelte auch für die von den Zisterziensermönchen angelegten Teichlandschaften, wie etwa die der Walkenrieder Teichlandschaft „Das ist eine beeindruckende Arbeit und Leistung, und das aus dem kulturellen Kontext des Mittelalters heraus“. Auch wenn ihre Arbeit jetzt mit den Funden aus der Lichtensteinhöhle und den Goniatiten (Leitfossilien aus dem Devon und Karbon) der Iberger Tropfsteinhöhle zu tun habe und eine neue Herausforderung und spannend sei, sei sie mit dem Herzen immer noch gerne bei den Mönchen, so Dr. Moritz augenzwinkernd.

„Die Lebensform hat mich schon immer fasziniert und ich bewundere, dass die Mönche schon damals erkannt haben, wie wichtig ein gutes Zeit- und Raummanagement ist“. Einer Gruppe von über 100 Mönchen sei quasi nichts anderes übriggeblieben, ihre Zeit wirtschaftlich zu betrachten und einzuteilen. Zum einen zum Zweck der Ausübung ihrer Spiritualität, aber zum anderen auch um die Klosterwirtschaft dauerhaft auf hohem Niveau zu halten. „Ohne ihr Zeitmanagement hätten die Mönche nicht so erfolgreich sein können“.Momentan arbeiten Ortrud Krause und Dr. Brigitte Moritz an den Plänen der Erweiterung des HEZ (wir berichteten). „Ich freue mich schon auf die Erweiterung und auf die Eröffnung“. Aber bis dahin sei noch einiges zu tun. Denn die Museumsausstellung soll nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich erweitert werden, da es in der Zwischenzeit hinsichtlich der Funde aus der Lichtensteinhöhle nahe Förste neue Erkenntnisse gebe. Auch in dem spannenden Bereich der DNA habe sich viel getan.

Mit im Boot seien Ausstellungsarchitekten, Grafiker sowie Wissenschaftler, die zusammen mit Krause und Dr. Moritz die Pläne erarbeiten, wie man das Wissen verpacke und den Besuchern zugänglich mache und anschaulich gestalte. Auf die Frage, warum sie mit 61 Jahren noch einmal in einem anderen Museum anfange, sagt Dr. Moritz: „Ich hatte große Lust, inhaltlich noch einmal etwas ganz anderes zu machen.“

Unter der Voraussetzung, dass es unter der Corona-Krise möglich sei, freue sich Dr. Moritz schon jetzt auf die Schauhöhlenwoche im internationalen Jahr für Höhle und Karst im September, „ein Thema, in dem wir im HEZ ganz zu Hause sind, liegen doch beide unserer Höhlen, die Lichtensteinhöhle und die Iberger Tropfsteinhöhle, im Karst. Und wenn es einen Ort in der Region gibt, der das besonders gut zeigen kann, dann sind wir es“, so Dr. Moritz humorvoll, „zumal mit einem spannenden Programm, unsere Höhlenführer/innen zusammengestellt haben.“

 

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Ein neues Schaubild mit Goniatiten bereichert die Ausstellung im Museums des HEZ

 

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