Kultur / Rezensionen

29.01.2021

Autor Roland Lange gelingt fesselnder Krimi


Sein Buch "Harzkinder - Die Zeit heilt keine Wunden" behandelt ein ernstes Thema der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte

von Ralf Gießler

Passenderweise erschien der Kriminalroman "Harzkinder - Die Zeit heilt keine Wunden" aus der Feder von Roland Lange in 2020. Einem Jahr, in dem landauf, landab 30 Jahre deutsch-deutsche Wiedervereinigung gefeiert sowie an dieses freudige Ereignis erinnert wurde.

"Mein Buch behandelt ein ernstes Thema, welches auch nach drei Jahrzehnten Wiedervereinigung nichts an Brisanz verloren hat. Die erlittenen Wunden schließen sich zwar bei den Betroffenen unter einer dünnen Haut, aber darunter brodelt es weiter", sagte Lange bei einer Lesung (wir berichteten).

Eine der Hauptfiguren seines Krimis ist Hanka Altmann. Fast vier Jahrzehnte hatte sie ohne Erfolg nach ihrem Sohn Sascha gesucht. Dieser wurde einst mit vier Jahren bei einem Familienausflug im Thüringer Wald in der damaligen DDR entführt. In einem Lebensmittelmarkt glaubt sie nun, ihren Sascha nach so langer Zeit wiederzuerkennen. Mit Hilfe eines Privatdetektivs begibt sie sich auf Spurensuche, die sich als nicht ungefährlich herausstellt.

Was den Leser an Inhalt erwartet, verrät bereits vorab das Buchcover. Dort ist im Vordergrund eine leere Schaukel zu sehen, im Schatten aber offensichtlich ein schaukelndes Kind. Nichts ist so, wie es auf dem ersten Blick scheint, so auch in der Story: Der Betreiber eines Elektroreparaturgeschäftes entpuppt sich als Privatdetektiv, seine Informantin arbeitete zu DDR-Zeiten in einem Jugendamt und führt nun einen Wildwestsaloon. Weitere Akteure führen ebenfalls für die Außenwelt ein wenig spektakuläres, fast harmlos erscheinendes Leben. Wie gesagt, für die Außenwelt. Bloß nicht auffallen als gelebte Devise. Denn tatsächlich nimmt uns der Autor mit in eine Welt, wo begangenes Unrecht in der DDR, Morde, Kindesentführung, Neonazi-Milieu und Verfassungsschutz eine Rolle spielen.

Das Spannende oder Bedrückende beim Lesen ist die Gewissheit, dass nicht alles an der Geschichte reine Fiktion ist. Teile davon beruhen tatsächlich auf einer wahren Begebenheit. "Diese Begebenheit hat mich nicht mehr losgelassen, daher floss sie in mein Buch mit ein", erläuterte Roland Lange. Der Prolog nimmt die Leser zunächst mit auf eine Zeitreise zurück in die DDR im August 1980. Auf wenigen Seiten wird beschrieben, wie es zur Kindesentführung kommen konnte. Schon im ersten Kapitel katapultiert Lange dann seine Geschichte in den Spätsommer 2018. Die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten ist längst vollzogen. Vieles hat sich im Zusammenleben der Menschen normalisiert, manches Vergangene wurde verdrängt oder gar vergessen. Für Hanka Altmann jedoch war, ist und bleibt die Suche nach ihrem verschollenen Sohn nach wie vor äußerst lebendiger Bestandteil ihres Daseins.

Dem Autor Roland Lange, von Fans schon mal als "krimineller Botschafter des Harzes" bezeichnet, ist mit "Harzkinder" ein packendes Werk gelungen. Dazu tragen neben der dramatischen, mit einigen Wendungen versehenen Handlung auch die Orte des Geschehens bei. Der Verfasser schaffte es unter anderem, einen düsteren Teil jüngster Vergangenheit - ohne Erhebung des moralischen Zeigefingers - mit Ereignissen der Gegenwart in das Licht der Jetztzeit zu holen und miteinander zu verbinden. Ein kurzweiliges, gut lesbares, spannend geschriebenes Buch, versehen mit unerwarteten Überraschungsmomenten. Ob es letztendlich ein Happy-End gibt? Das liegt allein im Auge des Lesers.

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