Regionales / Stadt Osterode / Schwiegershausen

20.01.2021

Reiner Deichmann betreut seit 60 Jahren Nisthilfen für die Vogelwelt


Reiner Deichmann nach der Instandsetzung von einem kleinen Teil seiner Nistkästen und Nisthilfen; dabei auch ein großes Wespen- und Hornissennest

...von Petra Bordfeld

Man schrieb das Jahr 1961, als der damals elfjährige Reiner Deichmann zum ersten Mal zusammen mit seinem Naturkundelehrer Albrecht Schütze Nistkästen für die Vogelwelt baute, die im Schwiegershäuser Schulwald „Lange Äcker“ ihren Platz fanden. Weil ihn diese „architektonische“ Arbeit nie wieder los gelassen hat, betreut er zurzeit über 100 Nichtkästen.

Genau das heißt, dass er auch im Winter Hand anlegt. „Gerade diese Jahreszeit ist ideal zum Bauen und Instand setzen dieser Unterkünfte für die gefiederten Freunde“. Und genau dieses Wissen setzt er gerade in die Tat um. Er mahnt aber auch an, dass bereits im Herbst die Kästen von Nistmaterial der alten Brut, von oft feuchten Nistrückständen sowie von Kot und Parasiten befreit werden sollten.

Genau dieser Schritt erhöhe nicht „nur“ die Lebensdauer der Kästen, sondern böte in der kalten Jahreszeit Meisen, Kleibern sowie Spatzen Schutz- und Übernachtungsmöglichkeiten. „Im Frühling übernehmen sie gerne ihr Winterquartier für die neue Brutsaison“.

Zurückschauend erinnert er daran, dass er zusammen mit anderen Naturfreunden für Schleiereulen gedachte geräumigere Kästen gefertigt hatte, um diese in und um Schwiegershausen in Scheunen und auf Dachböden aufzuhängen.  Da diese gefiederten Schönheiten in den letzten Jahren aber leider selten geworden sind, ziehen gerne Turmfalken und Dohlen in die großen Domizile ein.

Friedliche Brummer, wie etwa Hornissen, nutzen ebenso diese „Eigenheime“ für ihr kunstvolles Nest, das durchaus die Größe eines Medizinballes erreichen kann. Erst Ende November, wenn das gesamte Hornissenvolk und die alte Königin gestorben ist, könne es gereinigt werden. „Die junge Königin ist dann schon ausgeflogen, um an trockenen Stellen, wie etwa Keller oder hohle Baumstämme, zu überwintern und im Mai, meist anderer Stelle, ein neues Volk zu gründen“.

Auf Maisenkästen zu sprechend kommend, betonte Deichmann, dass sich in denen ebenfalls Nachmieter einfinden können. Dort überwintern gerne Fledermäuse sowie flügellose Wesen, wie die Haselmaus und der Siebenschläfer, die zur Familie der Bilche gehören sowie die Gelbhalsmaus gerne. „In dem Fall wird die Reinigung auf April verschoben“, so der Fachmann. Fledermäuse nutzen aber auch speziell für sie gefertigte Kästen, die übrigens keine Reinigung benötigen.

Als 2002 einige Naturfreunde im Rosental zwei Steinkäuze entdeckten, zählte Deichmann zu denen, die 30 Brutröhren für die kleinen, kurzschwänzigen Eulen bauten. Denn es wurden in den folgenden Jahren sieben Steinkäuze ausgewildert. „Fünf Jahre hat sich diese tagaktive Eule in den Schwiegershäuser Streuobstwiesen gehalten, dann brach die schwache Population leider wieder zusammen“, bedauert Reiner Deichmann. Genau aus dem Grund wurden 18 Brutröhren dem Bärenpark in Worbis für dessen Steinkauzprojekt im Eichsfeld geschenkt.

Da es aber auch noch andere Vogelarten gab und gibt, die sich über ein bezugsfähiges Zuhause freuten und immer noch freuen, bot er den Mauerseglern in großer Höhe aufgehängte Nistkästen an. Mauersegler brüten übrigens genau wie Mehl- und Rauchschwalben gerne in Kolonien.

„Sollte sich mal ein Mehlschwalbennest nicht in luftiger Höhe, sondern auf dem Boden befinden, besteht die Möglichkeit, ein Kunstnest anzubringen“. Dabei soll der Vogelfreund aber bitte darauf achten, dass dieser Fertigbau punktgenau am selben Platz angebracht wird, wo das Original sich befunden hat. „Sollte sich in dem abgestürzten Nest Nachwuchs befinden, darf der fürs Umsetzen angefasst werden. Auf dem Boden füttern die Alttiere nämlich nicht weiter“.

„Bauherr“ Deichmann freut sich aber auch über die Tatsache, dass die Grundschüler/innen und Ferienpasskinder im Rahmen verschiedener Aktionen in den Nistkastenbau eingebunden worden sind. „So wurden im Laufe der Jahre in den Scheunen von Strüver und Göppert hunderte von Kästen gebaut und in den eigenen Gärten oder auf Streuobstwiesen zur biologischen Schädlingsbekämpfung  aufgehängt“.

Nachdenklich wird der Vogelfreund aber, wenn ihm eine Besonderheit in den Sinn kommt, die sich 2015 ereignete. Da entdeckte er nämlich eine tote Kohlmeise im Nistkasten, die 2012 in Belgien beringt wurde. In dem Zusammenhang mahnte er an, beringte tote Vögel bitte dem NABU zu melden. „Diese Meldung wird dann zur Vogelwarte auf Helgoland geschickt“.

Schmunzelnd kommt er auf einen Hornissenkasten zu sprechen, der sich zum „Mehrfamilienhaus“ gemausert hatte. „Auf dem Boden des Kastens brütete eine Kohlmeise, unter dem Dach die Hornissen und auf dem Dach baute eine Amsel ihr Nest“.

„In den zurzeit schwierigen Corona-Zeiten findet der eine oder andere vielleicht Gelegenheit selbst einen Nistkasten zu bauen“, so Deichmann und ließ durchblicken, dass darauf geachtet werden sollte, dass die Einfluglöcher nicht zu scharfkantig sind und die Innenseite des Frontbrettes aufgeraut sein soll.

Die Nisthilfen mit Einfluglochgrößen von 28 mm werden gerne von Blau- und Tannenmeisen genutzt, Größen von 32 bis 34 mm hingegen von Kohlmeisen, Feldsperlingen und Kleibern. In sogenannten Halbhöhlen (halb offene Kästen) brüten dahingegen Hausrotschwanze oder Bachstelzen. Am Hackenbach quartiere sich auch häufig die Gebirgsstelze ein. „In jedem Fall muss der fertige Kasten dann einen katzen- und mardersicheren Platz finden“.

Wer verschiedene Nistkästen, Baupläne, Fledermauskästen und Insektenhölzer nutzen möchte, sollte sich merken, dass all das beim NABU Osterode, Abgunst 1 zu den Öffnungszeiten dienstags und donnerstags, 14 bis 18 Uhr (Telefon: 05522-920870) erhältlich. „Baupläne können bei mir abgeholt werden“, und der nächste Frühling kommt bestimmt“, so Reiner Deichmann.

WAS SIND BILCHE?
Bilche sind eine Familie der Ordnung der Nagetiere, zu denen auch die  Siebenschläfer, Gartenschläfer und die Haselmaus zählen.Ein auffallendes Kennzeichen ist der lange und buschige Schwanz. Sie leben vorzugsweise in Bäumen und Büschen. Je nach Lebensraum halten sie Winter- oder Trockenzeitschlaf. Nachts begeben sie sich auf Nahrungssuche. In vielen Verhaltensweisen ähneln sie den Hörnchen. Wie diese fressen sie Nüsse, Früchte und Insekten sowie als Beikost Vogeleier und Jungvögel

Um die folgenden Bilder vergrößern zu können, müssen Sie eingeloggt sein und ein Eseltreiber-Abo haben:


 

Anzeige