Regionales / SG Hattorf / Hattorf

08.01.2021

Bowlero: Außer-Haus-Verkauf läuft, aber es fehlt die Perspektive


Anika Lindner hofft darauf, dass im Frühjahr der Betrieb wieder relativ normal laufen kann

Inhaberin Anika Lindner berichtet, wie sie den zweiten Lockdown in diesem Jahr meistert

...von Herma Niemann

„Ohne die staatlichen Hilfen müsste ich schon arg überlegen, wie es weitergeht“, sagt Anika Lindner und blickt dabei über ihre Bowlingbahnen, die in diesem Jahr schon das zweite Mal still stehen müssen. Kein Geräusch von rollenden Kugeln und applaudierenden Teams, kein Geräusch von klapperndem Besteck und fröhlich plaudernden Gästen beim essen.

Wie die anderen Gaststätten, musste auch die Inhaberin des Bowlero in Hattorf seit dem zweiten Lockdown wieder schließen. Das Jahr 2019 sei ein sehr gutes Jahr für den Bowling- und Gaststättenbetrieb gewesen, so Lindner, und 2020 sei nun das krasse Gegenteil eingetreten. Lediglich der Außer-Haus-Verkauf von Speisen ist seit dem 2. November noch geblieben. Die Nachfrage schwanke, an manchem Tag werde gar kein Essen bestellt, an anderen Tagen gehen dafür zwischen 30 und 40 Essen raus.

Gerade die Zeit von Oktober bis März sei aber die Hauptsaison für den Bowlingbetrieb. Allein schon wegen des Stillstandes bei der Bowlingbahn rechnet Lindner mit einem Verlust von 90 Prozent in diesem Jahr. Zum Glück gebe es die staatlichen Hilfen, auch wenn sie von der sogenannten November-Hilfe bisher nur einen Abschlag erhalten habe. Der Rest soll noch vor Januar und die Hilfen für Dezember im Januar ausgezahlt werden. Dennoch würden die laufenden Kosten ja weiterlaufen. Lindner versuche deshalb, die Kosten so weit es ginge runterzufahren, wie zum Beispiel die Heizkosten und bestimmte Kühlaggregate, die momentan nicht benötigt würden. Einigen ihrer insgesamt bis zu elf Mitarbeitern musste Lindner kündigen – mit dem Versprechen, alle wieder einzustellen, wenn es wieder besser laufen sollte. Momentan arbeiten außer ihr im Bowlero ein Festangestellter und drei Aushilfen.

Leid tue es ihr auch um die flüssigen Vorräte im Keller, ungefähr 350 Liter Bier und weitere Getränke. Zwischen 150 und 200 Litern Bier würden normalerweise ihre Abnehmer innerhalb einer Woche finden. „Das sind auch Lebensmittel, und es tut mir weh, wenn etwas abläuft und ich es wegschütten muss“, so Lindner. Sehr schade sei auch, dass die eigentlich für den 1. Dezember geplante Feier zum 20-jährigen Jubiläum nicht habe stattfinden können. Das Jubiläum soll natürlich, sofern möglich, im kommenden Jahr nachgeholt werden. Events für das kommende Jahr planen oder den traditionellen Flyer erstellen, mache in Augen momentan keinen Sinn. „Ich kann in dieser Situation gar nichts planen. Wenn wir wieder durchstarten, werde ich die Events auf der Homepage, bei Facebook und in der Zeitung veröffentlichen“.

Lindner bezweifelt allerdings, dass die Gastro-Branche im Januar wieder durchstarten könne, ihrer Meinung nach gehe vielleicht auch noch der Februar ins Land, bevor man wieder öffnen dürfe. „Ich hoffe jetzt auf das Frühjahr“, so die 38-Jährige. Viele Fahrradfahrer, sogar aus Gillersheim, Katlenburg oder Krebek, würden auf ihrer Tour bei ihr halt machen. Und wenn die Tage wieder wärmer würden, und die Gaststätten wieder öffnen dürfen, könne sie sich gut vorstellen, dass viele ihrer Kunden ihren Biergarten frequentieren werden. „Ich denke, man merkt, dass viele lieber draußen sitzen, auch wenn es vielleicht noch etwas frisch ist“. Das Hygiene-Konzept habe in ihrer Gaststätte und auch in ihrem Biergarten im Sommer gut funktioniert, auch wenn man hier und da einige Menschen doch an das Tragen der Mund-Nasen-Masken oder an das Desinfizieren der Hände erinnern musste. „Ich finde es nicht gut, dass die Gastronomie oft als Schuldige dargestellt werden“, betont Lindner, denn bis auf bei privaten Feierlichkeiten sei das erhöhte Ansteckungsrisiko im Gastro-Bereich nicht nachgewiesen.

Ansonsten habe man im Bowlero die Zeit genutzt, im Innenbereich zu renovieren. Wände und Decken im Gastro- und Bowlingbereich wurden gestrichen und neue Gardinen angebracht. „Wir müssen halt alle das Beste aus dieser Zeit machen“. Zum Glück könne Anika Lindner sich auf ihre Eltern und ihren Lebensgefährten verlassen, die sie tatkräftig und moralisch unterstützen. „Und dennoch gibt es bei mir auch solche Tage, an denen es mir schwer fällt, mich zu motivieren. Es fehlt einfach die Perspektive“.

Um die folgenden Bilder vergrößern zu können, müssen Sie eingeloggt sein und ein Eseltreiber-Abo haben:


Das Bowlero in Hattorf wurde jetzt von Anika Lindner und ihrer Familie im Innenbereich renoviert, da seit dem zweiten Lockdown die Gaststätte und die Bowlingbahn wieder zu sind

 

Anzeige