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18.12.2020

„Es geht langsam ans Eingemachte und drüber hinaus“


Wie allen Restaurants fehlt auch dem Landgasthof Trüter...

Der Gastronomie-Branche fehlt in diesem Jahr ganz besonders das Weihnachtsgeschäft. Der Landgasthof Trüter und das Gasthaus Weißes Ross berichten über ihre momentane Situation.

...von Herma Niemann

Der erneute Teil-Lockdown wegen der Corona-Krise seit dem 2. November trifft besonders die Gastronomie-Branche wieder hart. Denn die Monate November und Dezember stehen normalerweise ganz im Zeichen der Firmen- und Weihnachtsfeiern.

Gänsebraten- und Knödelduft: In diesem Jahr ist alles anders. „Wir müssen das Beste draus machen“, sagt Andreas Franz, neben Daniela Trüter-Franz und Wilhelm Trüter Mitinhaber des Landgasthauses Trüter in Hattorf.

Das Landgasthaus hat eine lange Familientradition, dem zum Glück die Stammkunden die Treue. Überwiegend an den Wochenende würden die Kunden die Menüs bestellen und außer Haus genießen. Aber dennoch sei das natürlich nicht mit dem normalen Geschäft um diese Zeit zu vergleichen, so Franz, der die Umsatzeinbußen in den Monaten November und Dezember mit bestimmt 45 Prozent beziffert. Auf das ganze Jahr gerechnet würde das Defizit mindestens 40 Prozent betragen. Auch wenn bis zum 2. November die Gaststätten wieder aufgehabt hätten, das Defizit des Frühjahres habe man in den wenigen offenen Wochen nicht auffangen können.

Inzwischen sei es so, dass man finanziell beisteuern müsse, so Franz. Das sei beim ersten Lockdown im Frühjahr noch nicht der Fall gewesen. Die staatliche Hilfe für das Frühjahr sei angekommen, die versprochene sogenannte November-Hilfe bisher noch nicht. Dennoch würden die laufenden Kosten natürlich weiterhin vorhanden sein. „Langsam geht es ans Eingemachte und drüber hinaus“, so Franz, der auf der einen Seite Verständnis für die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung habe. Auf der anderen Seite wirft er der Politik aber auch vor, dass in deren Augen immer die Gastro-Branche der Buhmann sei.

Im normalen Tagesgeschäft, wenn die Menschen zum Essen gekommen seien, habe man alles dafür getan, die Hygiene- und Abstandsregeln mehr als korrekt durchzuführen. „Wir haben Tische reduziert, für Desinfektionsmittel gesorgt, und die Gäste mussten außer beim Sitzen ihre Masken tragen“. Franz sieht die Ansteckungsgefahr eher in den privaten Haushalten, wo die Menschen keine Masken tragen würden und dennoch Gäste zu Besuch hätten. Im einem erneuten Schließen im Winter für die Gastronomie habe er nicht gerechnet. Immerhin habe sein Familienbetrieb ja auch Verantwortung für die Mitarbeiter. Der Landgasthof hat acht feste Mitarbeiter, die sich momentan in Kurzarbeit befinden, sowie einige Aushilfen.

Auch das Gasthaus „Weißes Roß“ bietet seit dem 2. November wieder Außer-Haus-Verkäufe an. Wie der Inhaber Reinhard Willig berichtet, laufe das Geschäft aber eher mäßig. „Die Stammkunden kommen, aber auch die können ja nicht jede Woche Essen holen, das ist klar“. Willig bietet nur am Samstag und Sonntag Außer-Haus-Verkauf an, unter der Woche lohne sich das kaum. Auch hier fehlen die Firmen- und Weihnachtsfeiern sehr. „Eigentlich war mein Kalender randvoll bis zum Jahresende“. Dazu käme, dass Willig hohe Qualitätsansprüche an sein Essen habe. Und diese Qualität ginge automatisch verloren, wenn das Essen eingepackt, transportiert und bei den Kunden zuhause wieder ausgepackt werde. Gerade Kroketten oder Pommes würden natürlich beim Transport leiden.

Er habe sich schon viele Gedanken um das Verpackungsmaterial gemacht. Stammkunden bekämen auch schon mal die Porzellanschüsseln mit nach Hause, ansonsten verwende er inzwischen Styropor. „Da will man eigentlich Müll reduzieren und ist dann gezwungen, Styropor als Transportverpackung anzubieten“, bedauert der Inhaber. Mit den fehlenden Firmen- und Weihnachtsfeiern in November und Dezember rechne er mit einem sehr hohen Verlust in diesen beiden Hauptgeschäftsmonaten.

Willig beschäftigt zwei feste Mitarbeiter, die momentan in Kurzarbeit sind, die Teilzeitbeschäftigten seien momentan sozusagen in der Warteschleife. Auch seinen Angestellten und besonders den Aushilfen fehle das Weihnachtsgeschäft, denn viele Aushilfen konnten sich so etwas dazu verdienen. „Eins greift ins andere“, so Willig „aber das Wichtigste ist, dass man gesund bleibt. Geld allein macht es auch nicht“. Zudem sei man in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern doch noch ganz gut dran.

„Wir wohnen hier ländlich und können uns frei bewegen“. Das Geschäft habe sich aufs ganz Jahr betrachtet, sehr verändert. Als die Feierlichkeiten mit größeren Gruppen noch erlaubt gewesen seien, sei dennoch die Stimmung nicht dieselbe wie sonst gewesen, weil das Corona-Virus eben über allem schwebe. „Die Menschen haben Angst, das ist auch verständlich“. Aber es sei eben momentan für alle Menschen eine ungewohnte Situation, und gerade für diejenigen, die besondere Anlässe zu feiern haben, auch sehr traurig. „Aber danach geht es nicht, wir müssen uns eben alle zurücknehmen“.

Mit der erneuten Schließung für die Gastronomie habe er angesichts der steigenden Fallzahlen schon gerechnet. Und auch kurzfristig denke Willig, dass noch weitere Verschärfungen kommen würden. „Für die Maßnahmen habe ich Verständnis, angesichts der vielen Toten durch das Virus. Wofür ich aber kein Verständnis habe, sind die Demonstranten, die gegen die Auflagen und Maßnahmen und noch dazu ohne Mund-Nasen-Schutz protestieren“, so Willig empört „solche Leute müssten härter bestraft werden“.


...und dem Gasthaus Weißes Ross besonders das Weihnachtsgeschäft

 

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