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21.11.2020

„Ein Buch in der Hand ist durch nichts zu ersetzen“


Rosina Passauer hat in den 1980er Jahren komplett auf Taschenbücher umgestellt

In der Gemeindebücherei in Badenhausen werden momentan Bücher aussortiert, um Platz zu schaffen/Interessierte können sich melden

...von Herma Niemann

Liebesgeschichten, historische Romane, Krimis und Biografien – bei rund 3.100 Büchern, die es in der Gemeindebücherei in Badenhausen im ehemaligen Rathaus auszuleihen gibt, findet bestimmt jeder den passenden Lesestoff. Normalerweise. Denn aufgrund der Corona-Krise und den dazugehörigen Auflagen hat die Bücherei jedoch momentan geschlossen.

Das bedauert die langjährige Leiterin Rosina Passauer sehr, denn die Bücherei ist nicht nur ein Ort, wo Bücher ausgeliehen werden. Dort werden Kontakte gepflegt. „Hier trifft man sich, und man erzählt sich was. Mir fehlt der Kontakt zu meinen Stammlesern“, so Rosina Passauer, die gerade dabei ist, die Bücherei umzuräumen und Platz zu schaffen.

Denn der Hauptraum platze sozusagen aus allen Nähten. Zweimal im Jahr wird das Sortiment mit neuen Büchern erweitert und mit Neuerscheinungen bereichert. Aber, viele Bücher der sogenannten „schönen Literatur“, wie Passauer sagt, müssen jetzt leider weichen. Dabei handele es sich um Bücher aus den 1980er Jahren bis zu den 2000ern. Hilfe beim Aussortieren und Umräumen bekommt Rosina Passauer schon seit den 1980er Jahren von ihrer Schwägerin Annegret Passauer, die auch in der Urlaubszeit die Vertretung übernimmt. Doch bevor die Bücher verschwinden und anderweitig entsorgt würden, könnten sich Interessierte bei ihr melden und einmal durchstöbern. Auch die Kinderbücher seien inzwischen fast vollständig aus dem Sortiment verschwunden.

Im Laufe der Zeit habe sich gezeigt, dass Schulkinder und Jugendliche immer seltener in die Bücherei kämen. Das habe wohl hauptsächlich etwas mit den modernen Medien und einem geänderten Freizeitverhalten zu tun, vermutet Passauer. Dennoch halte sie nach wie vor Bilderbücher bereit, falls jemand doch mal Bedarf habe. Besonders gerne ausgeliehen würden Familiengeschichten, historische Romane Krimis und Romane über die Kriegsjahre. Käuflich zu erwerben sind auch Bücher des Heimat- und Geschichtsvereins Badenhausen.

Seit Mai 1978 ist Rosina Passauer die ehrenamtliche Büchereileiterin und übernahm damals das Amt von Irmgard Reißner. Die Frau des ehemaligen Heimatforschers Wilhelm Reißner hatte zuvor etliche Jahre die Bücherei geleitet. Bis dahin befand sich die Bücherei noch rechts in dem Raum des ehemaligen Rathauses. In den 1980er Jahren folgte eine Reorganisation, die Bücherei zog um in die Räume auf der linken Seite, und Passauer stellte das Sortiment ausschließlich auf Taschenbücher um. Das spare Geld, und deshalb könne sie mehr Bücher im Jahr über das Budget der Gemeinde einkaufen. „Schon von klein auf habe ich gerne und viel gelesen“, so die 69-Jährige, die ihren ersten Besuch einer Bücherei im Alter von fünf oder sechs Jahren machte. Heute lese sie immer noch im Schnitt zwischen ein und zwei Büchern pro Woche.

In der Beziehung sei sie vielleicht etwas altmodisch, sagt sie selber, aber sie brauche ein echtes Buch in der Hand beim Lesen. Mit einem Ebook-Reader Bücher zu lesen, sei nicht ihr „Ding“ und auch nicht dasselbe Gefühl. Das gleiche gelte auch für das morgendliche Zeitung lesen. „Google und Co.“ könnten ein echtes Buch und eine Zeitung in der Hand nicht ersetzen. Und es mache ihr auch immer wieder Freude, neue Bücher für ihre Kunden auszusuchen und zu bestellen. „Ich mache das solange ich es noch kann, denn nach über 40 Jahren macht mir die Arbeit immer noch sehr viel Spaß“. Und das wissen auch ihre Stammkunden, die wahrscheinlich schon sehnsüchtig darauf warten, dass die Bücherei endlich wieder aufmacht. Wer Interesse an den aussortierten Büchern hat, kann sich an Rosina Passauer unter 05522-83135 wenden.

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Bei Umbauarbeiten und im Urlaub unterstützt Annegret Passauer die Büchereileiterin Rosina Passauer

 

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