Sport

24.10.2020

Ein Handicap muss kein Hinderungsgrund sein


Die sechsjährige Nomine macht das Beste aus ihrem Leben und liebt den Sport

Mit Sport den Inklusionsgedanken leben und anderen Mut machen

Familie Fabian aus Scharzfeld wurde mit dem „German Paralympic Media Award“ für ihre Homepage ausgezeichnet. Darauf zeigen sie, wie Sport das Leben ihrer behinderten Tochter Nomine positiv beeinflusst.

von Herma Niemann

Scharzfeld. Nomine ist sechs Jahre alt, besucht die erste Klasse der Hausbergschule in Bad Lauterberg und ist eine echte kleine Sportskanone. Reiten, Skifahren, Klettern, Segeln, Rennen fahren. Das alles gehört zu ihren geliebten Hobbys.

Doch im Gegensatz zu ihren Mitschülern hat die Sechsjährige ein Handicap: Nach einer Herzoperation vor vier Jahren hat Nomine einen inkompletten Querschnitt erlitten. Das bedeutet, dass Nomine von der Hüfte abwärts querschnittsgelähmt ist, aber noch Hautreize spürt. Im Gegensatz zur kompletten Querschnittslähmung ist bei einem inkompletten Querschnitt nur ein Teil des Rückenmarks geschädigt. Doch das hält das Mädchen nicht davon ab, positiv zu denken und immer wieder neue Sportarten auszuprobieren.

Aus diesem Grund hat Nomines Familie das „Team Nomine“ gegründet und ihre Homepage „Welcome to our World/Team Nomine“ ins Leben gerufen. Mit sehr persönlichen Eindrücken und Fotos zeigen die Eltern Andrea und Sebastian Fabian, welche positive Wirkung der Sport auf die Selbstwahrnehmung, die Selbstwirksamkeit und Inklusion ihrer Tochter hat. Besucher der Homepage können nicht nur an dem Alltag Nomines teilhaben. Es geht vor allem um den Sport, den sie mit ihrem Rollstuhl voller Begeisterung ausübt. „Wir wollen unsere Tochter bei allem unterstützen und damit auch anderen Mut machen. Egal, welches Schicksal man erlebt hat, man muss nicht verzagen“, sagt Mutter Andrea.

Zu ihrer großen Überraschung hat die Familie für ihre Homepage Anfang Oktober den „German Paralympic Media Award" verliehen bekommen. Dieser Preis wurde in diesem Jahr zum 20. Mal durch den Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGU) verliehen und ist eine Auszeichnung für herausragende Berichterstattung über den Behindertensport. Mit 137 Einreichungen gab es zum 20. Jubiläum des Awards einen neuen Rekord an Beiträgen aus den Bereichen Artikel, Film/Video, Audio, Foto und der Kategorie Online-Plattform/Social Media-Kanal.

Die Webseite der Fabians hat die Jury durch ihre Geradlinigkeit und ihre hohe Emotionalität überzeugt. „Die Familie zeigt auf sehr persönliche Weise die Wirkung von Sport. So helfen sie anderen Eltern, den Sport für ihr Kind mit Behinderung zu entdecken“, urteilte die Jury „das große Engagement der Familie Fabian, die persönlichen Geschichten und Bilder von Nomine und die großartige Vorbildfunktion hat alle in der Jury begeistert“.

Die Laudatorin bei der virtuellen Preisverleihung war Kirsten Bruhn, die Paraolympionikin im Schwimmen, die sich sehr emotional berührt bei der Preisverleihung zeigte: „Ihr habt Eure Homepage auf das Herzlichste bestückt, das hat alle in der Jury umgehauen. Nomine ist so sportbegeistert und so lebensbejahend, was auf uns alle eine Wahnsinns Strahlkraft haben muss“. Nächstes Ziel von Nomine: Schwimmen lernen. Und dazu haben sich Kirsten Bruhn und Nomine bereits jetzt schon verabredet.

Damit Nomines Rumpf und Becken stabil und ihre Muskeln geschmeidig bleiben, fährt die Familie seit dreieinhalb Jahren einmal pro Woche nach Gelliehausen (Gemeinde Gleichen) zur sogenannten Hippotherapie. Bei einem Termin vor Ort mit unserer Zeitung, zeigt das Mädchen, wie viel Spaß ihr das Reiten macht und wie gut ihr das tut, auch für ihr Selbstbewusstsein. „Sie ist schon stolz darauf, auf einem so großen Pferd ihre Übungen zu machen“, so Vater Sebastian. Und in den Ferien können auch ihre Geschwister Alysha und Justin mit dabei sein, sie mit dem Pferd führen und auch dort wieder als Team unterstützen.

Eine halbe Stunde dauert die Therapie mit der ausgebildeten Physio- und Reittherapeutin Theresa Hanke. Die Kosten müssen die Fabians selber tragen. Die Hippotherapie ist eine Form der Krankengymnastik auf neurophysiologischer Basis. Durch die Bewegung des Pferdes werde der eigene Gang nachgeahmt, was wiederum Reize an das Gehirn liefere, erklärt der Vater.

„Das Leben ist toll! Nicht trotz Behinderung, sondern wegen Behinderung“, sagt und schreibt Mutter Andrea auch auf der Homepage. „Wir würden viele Dinge nicht machen, wenn Nomine nicht im Rollstuhl sitzen würde“. Und das begann schon recht schnell nach der zunächst schrecklichen Diagnose. Denn eigentlich wollte die Familie einige Zeit nach der Herz-OP in den Ski-Urlaub fahren. Doch zunächst standen Rehas für das Mädchen an, und natürlich für die Familien, die erste Trauerphase nach der zunächst niederschmetternden Diagnose zu bewältigen. Aber bald habe Nomine begonnen zu fragen, wann es denn endlich in den versprochenen Skiurlaub gehe.

Also machten die Eltern sich schlau, wie sie Skifahren lernen könnte. Seitdem nimmt sie regelmäßig auf einem Monoski am Harzer Zwergencup teil. Das Mädchen liebt Geschwindigkeit. Deshalb wird im Sommer der Rollstuhl gegen einen Rennrollstuhl getauscht. Auch das Land Sachsen-Anhalt wurde auf Nomine aufmerksam, das das Mädchen sofort in den Nachwuchskader holte. Im diesjährigen Sommerurlaub probierte sich Nomine im Segeln und auch das Klettern macht ihr Spaß. „Das Paragliding konnten wir ihr in diesem Jahr noch mal ausreden“, so Vater Sebastian augenzwinkernd „aber Nomine hat immer wieder Lust auf die unterschiedlichsten Sportarten, mit Respekt und nicht mit Angst“.

Gemeinsame Erlebnisse seien Erinnerungen und hätten eine größere Bedeutung als Geschenke, so die Mutter. Deshalb würden sie Nomine genauso wie die anderen beiden Kinder bei ihren Vorhaben unterstützen. Doch das alles kann die Familie auch nur dank vieler privater Spender und Unterstützer leisten. Von den Spenden werden unter anderem die Miete für den Rennrollstuhl, Reisen zu den Rennen und zum Training, Sportkleidung, die Reittherapie und Hilfsmittel finanziert.

Und, Nomine und ihr Team haben noch große Pläne. Bereits jetzt peilt die Familie Fabian auf Wunsch ihrer Tochter die Paralympics im Jahr 2030 an, dann ist Nomine 16 Jahre alt.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.teamnomine.de, auf Facebook und Instagram.


Blicken positiv in die Zukunft: Mutter Andrea, Tochter Alysha, Vater Sebastian (hinten von links) und Tochter Nomine


Nomine mit ihrem großen Vorbild Kirsten Bruhn, der Paraolympionikin im Schwimmen, mit der sie sich zum gemeinsamen Schwimmen verabredet hat

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Nomine trainiert einmal pro Woche auf dem Pferd „Relax“ in Gelliehausen. Die ausgebildete Physio- und Reittherapeutin Theresa Hanke unterstützt bei den Übungen

In den Ferien ist auch die Schwester Alysha bei der Reittherapie dabei und führt das Pferd

Nomine traut sich auch, einen Handstand auf dem Pferd zu machen

 

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