Kultur / Vorgemerkt

14.10.2020

"Der goldne Topf" feiert Premiere


Das Hauptwerk der Romantik von E.T.A. Hoffmann wurde am 09. Oktober im Jungen Theater Göttingen aufgeführt

...von Ralf Gießler

Das Kunstmärchen "Der goldne Topf" von E.T.A. Hoffmann feierte am 09. Oktober Premiere im Jungen Theater Göttingen. Inszeniert wurde das Hauptwerk der Romantik von Grit Lukas. Hoffmann selbst beschrieb 1814 sein Stück als ein Märchen aus der neuen Zeit, voller Poesie und Phantasie.

Die Handlung hat ihren Anfang an einem Himmelfahrtstag in Dresden. Der junge Student Anselmus wirft den Korb einer alten Apfelhändlerin um. Um den Schaden zu mildern, gibt er ihr sein ganzes Geld, das er eigentlich für's Feiern verwenden wollte und rennt weg. Vom Apfelweib wüst beschimpft, hält Anselmus erst unter einem Holunderbusch an. Aus diesem vernimmt er holde Stimmen und Geräusche wie von Kristallglocken.

Aufblickend sieht der Student in die wunderschönen blauen Augen einer Schlange, in die er sich sofort verliebt. Ihr Verschwinden verwirrt ihn sehr. Zufällig begegnet Anselmus seinem Freund, einen Konrektor, der ihn zu sich nach Hause einlädt. Dort angekommen trifft er die sechzehnjährige Tochter des Konrektors, Veronika, die von einer gemeinsamen Zukunft mit Anselmus träumt, einer Zukunft, in der er Hofrat sein soll. Darüber hinaus lernt Anselmus einen Registrator kennen, der ihm eine Anstellung als Kopierer alter Schriften verschafft, und zwar beim Geheimen Archivarius Lindhorst. Dieser entpuppt sich als ein verschrobener Alchemist und Zauberer.

Durch Zufall begegnet der Student einige Zeit später dem Archivarius, der ihm verrät, dass die Schlange, die Anselmus gesehen hat, seine Tochter Serpentina ist. Durch sie erhält Anselmus Zugang zur phantastischen Welt Lindhorsts. Doch gleichzeitig ist er bestrebt, Hofrat zu werden. Hin- und hergerissen zwischen den Welten und Veronika und Serpentina, verzichtet er schließlich auf sein bürgerliches Leben, tritt ein in die Welt Serpentinas und entschwindet mit ihr ins sagenumwobene Atlantis.

Mit seinem Kunstmärchen versuchte E.T.A. Hoffmann seinerzeit einen Brückenschlag zwischen phantastischer und realer Welt. Mit ihrer Inszenierung gelang Grit Lukas der Spagat zwischen Romantik und Moderne: "Die Umsetzung war eine Herausforderung für uns. Die Sprache ist schon die von Hoffmann." Was auf der Bühne zu sehen war, sollte die Phantasie in den Köpfen der Zuschauer anregen. Dadurch, dass man bei der Gestaltung des Bühnenbildes auch die Pandemiebestimmungen berücksichtigen musste, kein einfaches Unterfangen. Das es glückte, war der unkonventionellen Bühnendekoration sowie den Kostümen geschuldet.

Auch die Verknüpfung des Textes aus dem 19. Jahrhundert mit modernen Gimmicks kam beim Publikum gut an. So wurde aus einer CD ein Spiegel, imaginäre Nachrichten wurden mit Emojis versehen entsprechend vorgetragen, mehrfach kam ein Smartphone als Hilfsmittel zum Einsatz. Einen Laptop - Marke angebissener Apfel - zu einem Korb mit Äpfeln umzufunktionieren, war schon sehr witzig. Originell auch die Lichteffekte, die scheinbar auch auf die Handzeichen der Protagonisten reagierten.

Und natürlich die Leistungen der vier Schauspielerinnen und Schauspieler. Aufgrund der Coronaregelungen darf nur eine bestimmte Anzahl von Darstellern gleichzeitig auf der Bühne stehen. So hatte jeder der vier Akteure verschiedene Rollen zu spielen, alle übernahmen zum Beispiel Parts des Erzählers. Nach etwa 75 Minuten verabschiedeten sich Katharina Brehl, Agnes Giese, Vincent Brummer und Jens Tramsen unter viel Beifall der Zuschauer von der Bühne.

Weitere Aufführungen sind am 17.10., 05./21.11. und 17./18.12. Nähere Informationen auch unter www.junges-theater.de.

Information:
Jens Tramsen: Anselmus, Erzähler
Katharina Brehl: Serpentina, Veronika, Erzählerin
Agnes Giese: Konrektor Paulmann, Registrator Herrbrand, Erzählerin u.a.
Vincent Brummer: Archivarius Lindhorst, Apfelweib, Rauerin, Erzähler
Inszenierung und Bühne: Grit Lukas
Kostüme: Felix von Nostitz






 

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