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08.10.2020

Kreisrat und Ortsbürgermeister schwangen die Dreschflegel


Marcel Riethig (Mi.), Frank Kaiser (li.) und Dieter Reinholz versuchten sich im Getreide dreschen

Kreisrat Riethig statteten dem Meierhof in Hattorf einen Besuch ab

...von Petra Bordfeld

Als Kreisrat Marcel Riethig den Meierhof in Hattorf betrat, nahm er ebenso wie Ortsbürgermeister Frank Kaiser, und dessen Vorgänger Dieter Reinholz einen Dreschflegel in die Hand, um sich im Korn dreschen, wie zu früheren Zeiten zu versuchen. Und alle drei waren sehr erstaunt, dass diese Premiere recht gut gelang. Auch die Kinder der Grundschule klatschen Beifall; denn diese waren an diesem Morgen zu einer Schulaktion rund ums Getreide und dessen Verarbeitung auf dem Meierhof.

Doch der Gast war nicht etwa nach Hattorf gekommen, um sich in der Kunst des Getreide Dreschens zu versuche, sondern um als Vertreter der Landkreises Göttingen und als Vorstandsmitglied des Landschaftsverbandes Südniedersachsen endlich einmal das im Werden bestehende Dorfmuseum Meierhof zu besuchen. Er versicherte schon beim Betreten des 300 Jahre alten Gebäudes, welches seit fünf Jahren im Besitz des Vereins „Dorfmuseum Meierhof – Verein für Plattdeutsch & Dorfgeschichte Hattorf“ ist, dass er total baff sei. Denn er habe sich wirklich nicht vorstellen können, das mit leidenschaftlicher Ehrenamtlichkeit so viel bewegt werden könne. In jedem Fall entstünde hier etwas für die Zukunft. Er versicherte, dass es einfach toll sei, dass es ein kleines Museum im Altkreis Osterode gibt, welches über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen hat.

Hattorf sei überhaupt eine besondere Gemeinde mit extrem viel Ehrenamtlichkeit, in der viel Leben steckt und in vielerlei Richtungen am Wachsen sei. Ein wichtiger Baustein sei dabei der Meierhof. Er mache im Prinzip Türen in die Vergangenheit auf und gewähre insbesondere den jüngsten Besuchern einen Blick in die Zeit, in der auch deren Eltern oder Großeltern noch Kinder waren. „Genau dieser Blick in die Vergangenheit ist der Schlüssel für die Zukunft“.

Olaf Martin, Geschäftsführer des Landschaftsverbandes Südniedersachsen, sparte auch nicht mit einem großen Lob. Er erinnerte daran, dass die mit ihm angereist Projektleiterin Charlotte Kalla, alle kleinen Heimatstuben und Heimatvereine studiere und dabei voller Freude und Anerkennung festgestellt habe, dass der Verein in Hattorf der fitteste mit vielen Talenten sei.

Rainer Starfinger betonte in diesem Zusammenhang, dass es den Mitgliedern des Vereins bewusst sei, wie wichtig es ist, das Brauchtum zu erhalten. „Wir achten auch darauf, dass wir Kinder, die Eltern oder Großeltern mitbringen, begeistern können“. Genau das sei ein sehr wichtiger Faktor für die Zukunft des Vereins und des Dorfmuseum Meierhofs. Damit man auch in zehn oder 20 Jahren noch gute Vereinsarbeit machen könne, müsse halt jetzt der Grundstein gelegt werden. „Später kann es zu spät sein“.

Riethig lies es sich nicht nehmen, etwas über die Geschichte des Vereins zu erfahren, der 2003 ins Leben gerufen und den ersten Meierhof in dem Haus, welches einst dem ersten Vorsitzenden, Helmut Fischer, gehörte, eröffnet wurde. 2013 meldete der neue Besitzer Eigenbedarf an, und die Suche nach einem zweiten Meierhof nahm ihren Lauf. 2015, nur rund 200 Meter weit entfernt vom ersten Meierhof, fand diese ein positives Ende. „Hier habe wir Platz ohne Ende, ein großes Grundstück und liegen zentral im Ort,“ so die erste Vorsitzende Inge Köhler.

Das Besondere sei aber gewesen, dass man mit LEADER-Geldern und der finanziellen Unterstützung der Gemeinde, mit insgesamt 125.000 €, habe planen können. „Unser Ziel ist schließlich, dass wir nicht nur Ausstellungen zeigen, sondern eine lebendige Begegnungsstätte für jung und alt werden“. Wie gut dieses Vorhaben bei den Bürgern ankommt, zeigt die Tatsache, dass der Verein sich auf mittlerweile 210 Mitglieder verlassen kann.

Bürgermeister Frank Kaiser erinnerte daran, dass man beim Erwerb des neuen Hauses doch überrascht von den Auflagen gewesen sei. Allein für die Baugenehmigung habe man 4000 € auf den Tisch legen müssen. „Es gibt eine Menge Arbeit, die von den Mitgliedern bewältigt wird und bei diesen kann aus einen Pool handwerklicher Vielfalt geschöpft werden. Müsse man neben dem Material auch noch die Arbeit bezahlen, wäre das Unterfangen nicht zu stemmen“.

Auch die Kosten der Mülldeponie Hattorf seien kein leichter Drops. Das könne durchaus mal zu einer kritischen Situation führen, denn man rechne damit, dass noch rund 3000 € im Müll landen dürften. Auch hier hatte Marcel Riethig einen Tipp parat, er bot nämlich an, bei kleineren Unwägbarkeiten mit ihm Kontakt aufzunehmen, um eventuelle Alternativen zu erörtern.

Inge Köhler versicherte, dass die Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Südniedersachsen sehr gut funktioniere. Mit Ideen und Tipps zu Ausstellung, Finanzierung und mit der Erfahrung der Profis lasse sich einiges viel einfacher bewältigen. Sie erinnerte sich an den ersten Kontakt. „Wir mussten jemanden von unserem Vorhaben überzeugen“. Also habe sie einfach den Telefonhörer in die Hand genommen und eben bei diesem Verband angerufen. Schließlich hatte sie vernommen, dass der sich gerade die Unterstützung kleiner Heimatmuseen auf die Fahne geschrieben hatte. Und dieses Gespräch sollte sich als äußerst fruchtbar herausstellen.

Frank Kaiser hob hervor, dass ihm beim erstmaligen Betreten des Meierhofes, der damals bis unters Dach voll gekramt war, der Atem gestockt hätte. Dies tue er jetzt wieder, allerdings aus Anerkennung. „Bei dem, was ihr daraus gemacht habt, ist auch nicht ein Cent verschenkt“. Und er versicherte, dass bei den Hattorfer Vereinen mit Sicherheit kein Neid aufkäme, wenn die Gemeinde sich an diesem Projekt beteilige. „Denn bei uns wird Engagement anerkannt“. Und wenn jemand Erfolg habe, verdiene er das Glück der Tüchtigen. „Und wenn Herr Riethig sagt, dass alles gut ist, dann haben wir alles richtig gemacht".

Doch, bevor man sich bei frisch gekochtem Kaffee und leckeren kleinen Küchlein zum Gedankenaustausch in der neuen Spinnstube an einen Tisch setzte, stand erst einmal ein sehr informativer Rundgang auf dem Plan, bei dem übrigens der Nasen- und Mundschutz zum Alltag gehörte.

Inge Köhler erklärte, was in den gut 1.400 Arbeitsstunden der ehrenamtlich tätigen Handwerker alles schon entstanden ist, und was noch werden soll. Ein großes Stück am Auftragskuchen sei in jedem Fall das aus Sicherheitsgründen geforderte, neue Treppenhaus mit bestimmten Auftrittslängen und Höhen zum Brandschutz. „Damit man im Kalten runterkommt“.

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Inge Köler erläuterte, was in diesem Bereich entstehen soll

Blick nach oben, was da schon entstanden ist


Gemütlicher und sehr informativer Kaffeeklatsch im Meierhof

Marcel Riethig und Frank Kaiser, man versteht sich

 

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