Panorama

26.09.2020

Unzumutbare Zustände in den Schulbussen?


Der Eseltreiber hat an der Haltestelle nachgehakt

von Christian Dolle

In den Schulen wird bei Jugendlichen peinlich genau darauf geachtet, dass sie Masken tragen und Abstand halten, sobald es klingelt, stürmen sie jedoch zu den Bussen, wo sie gegen alle Vernunft in Bezug auf Hygienemaßnahmen eng zusammengepfercht werden. Das behauptete zumindest ein Leserbrief, der den Eseltreiber erreichte.

Was ist dran? Wie schlimm ist die Situation an Haltestellen und in den Schulbussen wirklich? Wir sind der Sache einmal nachgegangen. Nach der sechsten Stunde an einer gut frequentierten Haltestelle haben wir mit Schülern, Busfahrern, anderen Fahrgästen, Taxifahrern und auch mit der Polizei gesprochen. Zunächst vorweg: Rein aus der Beobachtung heraus wirkt alles eigentlich wie immer, Jugendliche hängen meist in kleineren Grüppchen herum, beim Ein- und Aussteigen herrscht Gedrängel, einige Busse sind beim Abfahren gerammelt voll, einziger Unterschied sind die Masken, die von fast allen getragen werden.

Rappelvoll nach der sechsten Stunde

Bei den Busfahrern, die wir mit den Vorwürfen konfrontieren, sind die Reaktionen gemischt. „Es ist alles gut“, sagt eine, alle Fahrgäste tragen Masken und sie dürfe schließlich alle Plätze, also auch Stehplätze, besetzen, was sie dementsprechend auch tut. Auch ein Kollege hält die Vorwürfe für völlig überzogen, es gebe keinen Grund zur Sorge. Ein anderer räumt hingegen ein, dass in seinem Bus normalerweise nur jede zweite Bank besetzt werde, nach der sechsten Stunde jedoch sei das nicht möglich und der Bus sei wie auch sonst immer rappelvoll.

Viele loben vor allem die Schüler, die kaum noch auf die Maskenpflicht hingewiesen werden müssen, sondern diese von selbst einhalten. Mehr Busse einzusetzen, um das Gedränge zu den Stoßzeiten zu reduzieren, halten allerdings mehrere für sinnvoll. Noch deutlicher formulieren das die Schüler selbst und einige stellen erst einmal fest, dass es schon zu normalen Zeiten ziemlich nervig ist, jetzt mit Maske und noch sommerlichen Temperaturen umso mehr.

Vor allem beim Einsteigen gebe es regelmäßig Gedrängel, sagen einige, schließlich wolle jeder noch einen Sitzplatz ergattern, um nicht die ganze Fahrt über dicht an dicht im Gang stehen zu müssen. In der Schule werde penibel auf Hygienemaßnahmen geachtet, hier stehen sie dann dicht an dich im Bus, erzählt einer und meint trocken: „Das widerspricht sich alles ein bisschen, oder?“

Situation hat sich schon verbessert

Ein Taxifahrer, der das Ein- und Aussteigen sozusagen vom Logenplatz aus beobachten kann, spricht von überfüllten Bussen und durchaus vielen Fahrgästen ohne Mundschutz. Er selbst dürfe niemanden ohne Mund-Nase-Bedeckung befördern, müsse potenzielle Kunden gegebenenfalls eben stehen lassen. Seiner Meinung nach wäre es durchaus angebracht, dass sich Gedanken gemacht werden, wie die Situation zu entzerren sei, vielleicht ja auch mit eingesetzten Taxis, die nach schwierigen Monaten zusätzliche Kundschaft gut gebrauchen könnten.

Andere Fahrgäste, die augenscheinlich nicht mehr zur Schule gehen, brechen nicht gerade in Jubel aus, wenn sie die teils vollen Busse sehen. Da es jedoch eben nur einige und nicht alle sind, hoffen sie darauf, Glück zu haben und einen zu erwischen, in dem sie einen Sitzplatz und sogar den nötigen Abstand zum Nebenmann bekommen.

Und die Polizei sieht im Vergleich zu den ersten Wochen nach den Sommerferien schon eine deutliche Verbesserung der Situation. Das hat sicher auch damit zu tun, dass sie stichprobenartig immer mal wieder an allen Bushaltestellen kontrolliert, dabei auf die Maskenpflicht aufmerksam macht und inzwischen überwiegend Rückmeldungen bekommt, dass es in den Bussen problemlos klappt. Mehr Busse einzusetzen wäre dennoch der richtige Weg, räumt der Beamte ein, zumindest zu den Stoßzeiten, wo viele ja nun mal wirklich sehr voll seien.


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