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24.09.2020

Unzumutbare Situation beim Schülertransport - Leserbrief


Sehr geehrte Redaktionen,

seit einigen Wochen findet im Landkreis wieder ein regulärer Schulbetrieb statt. Die Schulen müssen Hygienekonzepte umsetzen, um Ansteckungen der Schüler und Lehrkräfte vermeiden und somit auch einem Anstieg der Infektionszahlen im Allgemeinen entgegenzuwirken.

Auch für die Schüler*innen bedeutet dies ein erhöhtes Maß an Regelkonformität, Aufmerksamkeit und in Bezug auf Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen u.ä. durchaus auch ein gewisses Maß an Belastung.

Während die Situation an Schulen mit Akribie und Verantwortung bei allen Beteiligten der Pandemie Rechnung tragen, endet dieses verantwortungsbewusste und der aktuellen Situation adäquate Verhalten beim Schülertransport. Während die Schüler*innen noch an den Bushaltestellen zum Trennen der so genannten Kohorten, Tragen des Mund-Nasen-Schutzes und/ oder zum Einhalten des Mindestabstandes angehalten werden, werden genau diese Auflagen massiv ab dem Einstieg in die Busse verletzt.

Nicht erst seit Beginn der Pandemie, sondern auch davor, sind Busse extrem überfüllt oder mussten Schüler*innen sogar lange Wartezeiten erdulden, da sie nicht mehr mitgenommen werden konnten. Dies ist ein für die Kinder und Jugendliche unzumutbarer Zustand und im Hinblick auf Sicherheit und Gesunderhaltung verantwortungsloses Handeln.

In Bussen mit einer Kapazität von ca. 50 Sitzplätzen werden regelmäßig mindestens 70 Schüler*innen transportiert. Dies führte auch bereits in der Vergangenheit zu einer erheblichen Gefährdung der Kinder und Jugendlichen während der Fahrt, da es keine Möglichkeiten des Festhaltens oder Sitzens gab. Genau daher ist die Fahrgastanzahl beschränkt. Im Falle eines Unfalls oder Problemen während der Fahrt ist die Sicherheit der Fahrgäste nicht gewährleistet, sondern wird eine Gefährdung billigend in Kauf genommen, dies auch vor dem Hintergrund, dass diese Überfüllung geltenden Gesetzen und Verordnungen widerspricht.

Bei der aktuellen Lage erscheinen die Hinweisschilder an Bussen, die auf Abstand und Maskenpflicht hinweisen, als blanker Hohn. Schüler*innen können nachvollziehbarer Weise auch die Ermahnungen der in der Aufsicht eingesetzten Lehrkräfte oder während des Schulbesuchs ganz allgemein nur bedingt verstehen, wenn sie doch unmittelbar nach der Schule in Bussen zusammengepfercht werden.

Seitens der Verantwortlichen wurde bisher und wird nicht reagiert. Wenigstens in Bezug auf den Infektionsschutz hätte der Schülertransport ein zentraler Bestandteil der Überlegungen zur Wiedereröffnung der Schulen sein und auch diesbezüglich Konzepte erarbeitet werden müssen. Doch scheint dies nicht stattgefunden zu haben. Die Anmietung von Reisebussen, Absprachen mit Schulen zu variablen Unterrichtsenden, um die Anzahl der zu transportieren Schüler*innen zu verringern oder Weiterbildung von Kraftfahrern zur Erlangung eines Personenbeförderungsscheins wären nur ein paar mögliche Alternativen gewesen, die mit Schulbeginn hätten greifen können.

So entsteht neben der prekären Situation in den Bussen auch der Eindruck, dass die von Entscheidungsträgern oft zu hörenden Bekenntnisse zur Bedeutung von Bildung und Jugendlichen in und für die Region nur Lippenbekenntnisse sind. Und man kann sich darüber hinaus des Eindrucks auch nicht erwehren, dass die Überwachung der Verkehrssicherheit bei Schulbussen ebenfalls nicht greift.

Für die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen und zur Abwehr der Pandemie muss diesbezüglich endlich gehandelt und nicht erst gewartet werden, bis etwas passiert!
Ein besorgter Vater

 

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