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14.09.2020

Bergbautradition trifft Moderne: Neue Ausstellungsräume feierlich eröffnet


Volker Sturm (rechts) mit dem Modell des Hydrokompressorenturms im neu gestalteten Ausstellungsraum der Schachtanlage Knesebeck

Am Tag des offenen Denkmals wurden die Ergebnisse des TRAFO-Projekts in der Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund präsentiert.

von Herma Niemann

Für die Bergstadt Bad Grund war der gestrige Sonntag gleich in zweierlei Hinsicht ein besonderer Tag. Die Besucher konnten nicht nur den bundesweiten Tag des offenen Denkmals im Museum der Schachtanlage Knesebeck begehen, sondern konnten zugleich an der feierlichen Neueröffnung der Museums-Ausstellung teilhaben.

Rund fünf Jahre nach Antragsstellung fand das Trafo-Projekt (Modelle für Kultur im Wandel) der Kulturstiftung des Bundes damit seinen Höhepunkt und Abschluss. Modern und übersichtlich ist die Montan-Ausstellung geworden, mit anschaulichen Modellen, die unterschiedliche Funktionsweisen erklären. Kurzweilige Interviews mit ehemaligen Bergleuten informieren über die Arbeit unter Tage. Diese Hörstationen sind in einem Schulprojekt der Oberschule Badenhausen (OBS) entstanden. OBS-Schüler haben die Interviews in 2018 geführt.

Der Direktor der Stiftung UNESCO-Welterbe, Gerhard Lenz, würdigte bei der Eröffnung besonders das Engagement des Fördervereins Bergbau- und Heimatmuseum mit dem Vorsitzenden und ehemaligen Steiger Volker Sturm an der Spitze: „Sie alle haben diesen langen Prozess mit viel Geduld aktiv begleitet. Wenn Sie nicht mitgemacht hätten, hätten wir es nicht hinbekommen“. Zum Zeitpunkt der Bewerbung bei der Kulturstiftung sei allen Beteiligten vielleicht nicht wirklich klar gewesen, was da alles auf einen zukam. Man habe sich viel mit Partizipation und Umbruchprozessen beschäftigt, so Lenz weiter. „Alle Beteiligten haben diesen Erinnerungsort zu einem Vermittlungsort gemacht. Das ist Story-Telling Welterbe“, betonte der Direktor.

„Es ist für uns eine große Ehre, den Reigen hier in Bad Grund eröffnen zu können“, betonte der Bürgermeister der Gemeinde Bad Grund, Harald Dietzmann, in seinem Grußwort, denn im Anschluss wurden auch die anderen drei an dem TRAFO-Projekt beteiligten Bergwerke in Causthal-Zellerfeld, St. Andreasberg und Wildemann offiziell eröffnet wurden. Dieses Ergebnis des Projektes sei ohne die beteiligten Akteure nicht möglich gewesen. „Das zeigt, dass Kultur keine freiwillige Aufgabe der Kommunen sein darf“, so Dietzmann „Kultur ist wichtig für die Menschen, und die Landeszuständigen sollten befinden, kleinen Kommunen die Kulturarbeit mehr zu erleichtern“. Was die künftige Trägerschaft des Museums angehe, sollen zeitnah die Gespräche diesbezüglich fortgesetzt werden. Neben allen Beteiligten, dankte Dietzmann ebenso besonders Volker Sturm: „Sie haben neben Neugierde auch immer Skepsis geäußert“. Dietzmann sei es in der ersten Zeit, in der noch keine Ergebnisse greifbar gewesen seien, ähnlich ergangen, aber die Geduld habe sich, wie man nun sehe, gelohnt. Das Besondere in Bad Grund sei der überaus aktive Förderverein und der dynamische Standort, lobte der Projektleiter Ulrich Reiff.

Die Schachtanlage Knesebeck war nur ein Projekt von vier ausgewählten und umgestalteten Kultureinrichtungen in der Welterberegion Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft. Interessierte hatten gestern ebenso die Möglichkeit, sich von den Neuerungen im Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld, im Besucherbergwerk Grube Samson in St. Andreasberg und im 19-Lachter-Stollen in Wildemann zu überzeugen. Für alle vier Museen wurden in den vergangenen Jahren inhaltliche Schwerpunkte erarbeitet, die den Kern der jeweiligen Ausstellung bilden: Druck, Tiefe, Wissen und Energie. Diese Schwerpunkte verleihen jeder Einrichtung ein eigenes Profil und verdeutlichen den Besuchern, dass sie an jedem Ort weitere wichtige Aspekte des Bergbaus entdecken können. „Wir alle haben die Einzigartigkeit eines jeden Museums sichtbar gemacht“, so die Referentin des TRAFO-Projektes Harriet Völker „es war wichtig, das Authentische eines jeden Museums zu bewahren, aber auch zu modernisieren“. Die Ausstellung der Schachtanlage Knesebeck vermittelt ausgehend vom Profil Druck die Nutzung von Wasserkraft zur Drucklufterzeugung als Energiequelle für den Bergbau. Das Wahrzeichen der Anlage ist der 1912 errichtete 47 Meter hohe Hydrokompressorenturm, dessen Funktionsweise in einem der neuen Ausstellungsmodule veranschaulicht wird. „Druck als Alleinstellungsmerkmal heißt nicht, dass man sich abgrenzen, sondern sich mit den anderen Museen ergänzen will“, so Dietzmann „es soll Appetit auf die anderen erlebbaren Orte machen. Mit den vier Museen sind wir harzweit gut aufgestellt“.

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Bürgermeister Harald Dietzmann, der Direktor der Stiftung UNESCO-Welterbe Gerhard Lenz, die Referentin des TRAFO-Programms Harriet Völker und Volker Sturm bei der feierlichen Eröffnung des neu gestalteten Museums (von links)

Grußworte kamen vom Direktor der Stiftung UNESCO-Welterbe Gerhard Lenz, Bürgermeister Harald Dietzmann und vom Projektleiter Ulrich Reiff (von links)

Die Referentin des TRAFO-Programms Harriet Völker

Neugestaltete Ausstellungsräume: An den Stelen können Besucher per Knopfdruck Interviews ehemaliger Bergleute sehen und hören.

Für den musikalischen Rahmen mit Jazzmusik sorgte das Savoy Lounge Duo


 

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