Panorama / Natur

31.07.2020

Erdhummel-Nest aufgebuddelt und ausgeraubt


Der aufgebuddelte Erdhummel-Bau im Gittelder Sandweg. Waben und tote Hummeln lagen drum herum

Fuchs, Marder oder Waschbär buddelte den Bau im Erdreich auf/Tote Hummeln und zerstörte Waben blieben zurück

...von Herma Niemann

Gittelde. Es sah aus wie nach einem „Massaker“, als die Bewohnerin eines Hauses im Gittelder Sandweg am vergangenen Freitag ihren Garten betrat. Im Rasen, dort, wo sonst nur eine kleine Öffnung für den Eingang zu einem Erdhummel-Bau war, klafften zwei große Löcher, die wohl von einem größeren Tier aufgebuddelt worden sein mussten. Viele Waben aus dem Inneren des Hummel-Baus lagen verstreut auf dem Rasen, genauso wie einige tote Hummeln.

Die überlebenden Hummeln, die sonst eher ruhige Vertreter sind, flogen recht aufgeregt und ein bisschen orientierungslos hin und her. Nach einem Anruf bei der Vorsitzenden des NABU Osterode, Ursula Glock-Menger, erklärte diese, dass ein solcher Vorfall auch noch nie an sie heran getragen worden sei. „Ich vermute, dass es ein größeres Tier gewesen ist.

Das ist ein trauriger Unfall der Natur“. In jedem Fall sei der „Angreifer“ von den sonst friedlichen Hummeln mit Sicherheit gestochen worden, sodass dieser bestimmt nicht wieder an den „Tatort“ zurück kommen würde, so Glock-Menger. Denn hingegen der landläufigen Meinung, Hummeln würden beißen und nicht stechen, haben Hummeln einen Giftstachel, den sie nicht zögern einzusetzen, wenn sie sich in Gefahr sehen. Gefahr bedeutet für sie, wenn ein Mensch sie mit dem Finger stupst, auf sie tritt oder eben auch ihr Nest zerstört.

Anders als Honigbienen sterben Hummeln jedoch nicht nachdem sie gestochen haben und können sich auch noch ein weiteres Mal zur Wehr setzen. Nur die Weibchen und Arbeitshummeln sind mit einem Stachel ausgerüstet. Sie machen aber den größeren Teil der Familie aus. Auch die Arbeiter sind Weibchen. Männliche Hummeln sind alle „unbewaffnet“ und harmlos.

Die Erdhummel gehört zu den auffälligsten, größten und häufigsten Hummeln hierzulande. In diesem Fall vermutet die Hummel-Expertin, Erika Schulze, aufgrund eines zugesandten Fotos, dass es sich wohl um Steinhummeln handelt, die in Südniedersachsen häufig vorkommen. Erdhummeln kommen in vielen Lebensräumen zurecht. Im Frühling erwachen die Königinnen der Erdhummeln aus ihrem Winterschlaf, suchen Nektar und bauen auch einen neuen Insektenstaat auf. Dazu nisten die Königinnen vorzugsweise in verlassenen Mäusenestern oder Maulwurfbauten, die bis zu anderthalb Meter tief unter der Erde liegen. Ein Staat kann aus 100 bis zu 300 Tieren bestehen.

Honig produzieren die Tiere nur für ihren eigenen Bedarf. Und ihr Nutzen als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen ist aber von unschätzbarem Wert. Als Feinde kommen Waschbär, Fuchs, Dachs, Marder, Igel und Maulwurf in Frage. Wobei es in diesem Fall aufgrund der Größe des Lochs ein Waschbär, Fuchs oder Dachs gewesen sein könnte. In jedem Fall war in Gittelde offensichtlich ein Räuber unterwegs, der auf die Waben und den Honig scharf war.


Die Waben mit dem köstlichen Inhalt wurden aus dem Hummelbau geholt

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