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30.07.2020

Kanäle und Hangentwässerungsgraben auf dem Schickert-Gelände:


Diese Fotos belegen, dass bereits im April 2018 mit den umfangreichen Arbeiten auf dem Schickert-Gelände. Unbekannt ist warum die aufwendig freigelegten Schächte nicht repariert, sondern im Herbst 2019 wieder zugeschüttet wurden

Gefahr für Mensch und Tier? Wir graben für hunderttausende von Euro, aber warum?

...von Bernd Jackisch

In der im Altkreis erscheinenden Tageszeitung erschien am 23. Juli auf Initiative des NABU ein Bericht „Tiefer Graben auf dem Schickert-Gelände – Ist er eine Todesfalle für Tiere und Kinder?“. Aufgrund des Berichtes meldeten sich verschiedene interessierte Bürger der Stadt bei der Wählergruppe im Rat (WgiR), die über einen längeren Zeitraum die Arbeiten auf dem ehemaligen Odertaler Industriegelände beobachteten, dokumentierten und per Fotos festgehalten haben, um ergänzende Informationen zu dem Zeitungsbericht zu geben.

Die WgiR ihrerseits hat die neuen Erkenntnisse zum Anlass genommen eine Anfrage zu den „merkwürdigen Bauarbeiten“ an die Stadtverwaltung zu stellen, denn nach vorsichtigen überschläglichen Berechnungen müssten die Arbeiten mehr als 200.000 Euro an Kosten verursacht haben.

So haben die Arbeiten auf dem Schickert-Gelände nicht, wie in der Zeitung berichtet, im Winter 2020 begonnen, sondern bereits im Frühjahr 2018. Durch Mitarbeiter des Bauhofes wurden zunächst Such-Schachtungen an den Oberwasserkanälen auf dem weitläufigen Gelände, zwischen der ehemaligen Verwaltung und der westlichen Grundstücksgrenze (Bischofhalskurve), auf rund 800 m Länge hergestellt. Im Wesentlichen wurden dabei ehemalige Schachtbauwerke, die bei den Abrissarbeiten der Hallen ebenfalls mit beseitigt und zugeschüttet wurden, gesucht und freigelegt. Die Trasse dieser Kanäle befindet sich überwiegend auf der ehemaligen Werksstraße hinter den ehemals großen Fabrikationshallen, bzw. zwischen den großen Fabrikationshallen und den einst dahinter längs stehenden kleineren Hallen in denen unter anderem zuletzt die Firmen Schwemann, Blaum usw. untergebracht waren.

Nach etwa dreimonatiger Tätigkeit ruhten die Arbeiten dann bis zum Frühjahr 2019. Im Mai 2019 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und über Wochen weitere ehemalige Oberwasserschächte gesucht und mit Bagger und Kompressor freigelegt. Zudem wurde im westlichen Geländebereich ein zugeschütteter ehemaliger Oberflächenwasserteich/Speicher freigelegt. Vermutlich wurden in diesem Bereich große Mengen schadstoffbelasteter Materialien gefunden. Denn etwa im Juni 2019 brachte eine Osteroder Umweltfirma 18 Container in diesen Bereich auf das Gelände. Nach und nach wurden diese offensichtlich mit schadstoffbelasteten Erdaushub befüllt und mit Folie abgedeckt. Ein Container wurde randvoll mit aufgefundenen Teerpappenreste befüllt.

Erst Ende Oktober 2019 wurden die gegen eindringendes Regenwasser abgedeckten Container abtransportiert. Im Laufe der Sommermonate waren zudem mehrfach und über Tage Spülwagen verschiedener Firmen und ein Kamerawagen einer Sachsaer Firma auf dem Gelände tätig, um die Durchgängigkeit der freigelegten Oberwasserkanäle zu prüfen.

Von September bis Mitte November 2019 kam dann ein großer von der Stadt angemieteter Kettenbagger (Tagesmiete ca. 1.000 €/Tag) zum Einsatz um den zugeschütteten Hangentwässerungsgraben auf rund 1.400 Meter Länge freizulegen. Als nach rund drei Wochen dann die ersten 300 Meter Graben, fünf Meter tief und 1,30 m breit (mithin 1.950 m³ Aushub) freigelegt waren, glaubten die eingesetzten städtischen Mitarbeiter zunächst an einen Scherz. Ihr neuer Auftrag lautete nun, den Graben wieder bis auf zwei Meter Tiefe zu verfüllen.

Allein mit diesem Schildbürgerstreich knüpft diese Baumaßnahme nahtlos an die Bad Lauterberger Bauskandale Grundschule, Jobcenter und Rathaus an und zeigt die völlige Inkompetenz der Verwaltungsspitze und des Bauamtes. Zumindest haben die eingesetzten Bauhofmitarbeiter verantwortungsvoll und umsichtig gearbeitet und allabendlich den fünf Meter tiefen Graben, der beidseitig von Betonmauern begrenzt ist, mit liegenden Bauzaunmatten abgedeckt. Wäre bei einer derartigen Tiefe eine Person oder ein Tier in den ungesicherten Graben gestürzt, wäre es tatsächlich eine Todesfalle gewesen bei der es ohne fremde Hilfe kein herauskommen gegeben hätte. Nachdem der Graben wieder bis auf zwei Meter Tiefe verfüllt war, wurden die restlichen 1.100 Meter Hanggraben, der sich bis in den Bereich oberhalb der Schickert-Verwaltung, bis fast zur Detastraße hinzieht, freigelegt.

Besonders im Bereich der zwei verschlossenen Stollen im Kummel mussten hunderte von Kubikmeter Geröll- und Gesteinsmassen umgesetzt werden, um überhaupt den Hanggraben freilegen zu können. Bis Ende November 2019 wurden dann die zahlreichen Such-Schachtungen auf dem Gelände alle komplett wieder verfüllt.
Für die umfangreichen Arbeiten wurden u.a. Bagger verschiedener Größen, Maschinen, Bauzäune und Container angemietet. Rechnet man zudem die Kosten der städtischen Mitarbeiter, deren LKW, Radlader sowie die Entsorgung der Container mit schadstoffbelasteten Material hinzu, müssen nach überschlagener Berechnung mit den üblichen Durchschnittspreisen Kosten von weit über 200.000 € entstanden sein.

In ihrer Anfrage an die Verwaltung möchte die WgiR wissen, warum die Arbeiten nötig waren. Die Bad Lauterberger Bürger sind davon ausgegangen, dass das Grundstück verkauft wurde und der Käufer dort (laut Berichterstattung Harz Kurier vom 29.08.2019) im März 2020 mit dem Bau von Ferienhäusern beginnen wollte und diese zum Teil ab dem September 2020 bezugsfähig sein sollten. Warum also führt die Stadt solche aufwendigen Arbeiten auf dem Gelände durch? Gleichwohl wurden die Oberwasserkänale auf dem Grundstück aufwendig freigelegt, gespült und geprüft und dann ohne Instandsetzung der Schächte wieder verfüllt.

Die Frage lautet daher „Warum das getan wurde“? Wer trägt die ganzen Kosten bzw. unter welchen Kostenstellen wurden diese Arbeiten abgerechnet? Es hat doch hier sehr den Anschein, als ob nunmehr der Verkaufserlös des Grundstückes erheblich geschmälert wird. Mit Blick auf die geringere Verkaufssumme von rund 800.000 € aufgrund des notwendigen zweiten Verkauf, ist dann dass als „toll verkaufte Geschäft“, wohl doch nicht mehr so ertragsreich für die Stadtkasse. Oder wurden etwa die Arbeiten auf Kosten der Gebührenzahler über den Abwasserverband Bad Lauterberg abgerechnet? Und deshalb möchte die WgiR auch wissen, wer denn für den Ober-und Schmutzwasseranschluss des geplanten Ferienparks aufkommen muss? Es ist doch davon auszugehen, dass der Käufer ein voll erschlossenes Grundstück erworben hat.




Um überhaupt an den Hangentwässerungsgraben zu gelangen, mussten im Bereich der zwei Stollen im Kummel mehrere hundert Kubikmeter Geröll und Abraum beseitigt werden

Der zunächst auf 300 Meter Länge, fünf Meter Tiefe ausgehobene beidseitig betonierte Hangentwässerungsgraben, der unglaublicher Weise anschließend wieder bis auf zwei Meter Tiefe verfüllt wurde


Mit Schadstoffen gefüllte Container, die über Monate auf dem Schickert-Gelände standen


Um den fünf Meter tiefen Hangentwässerungsgraben auszuheben und um im Bereich der zwei Stollen im Kummel hunderte von Kubikmetern Geröll und Abraum zu beseitigen, kam ein großer angemieteter Kettenbagger zum Einsatz

 

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