Kultur

02.07.2020

Aktionstag am 01. Juli gegen antimuslimischen Rassismus


Seit dem 27. Juni ist in diesem Zusammenhang eine Bilderausstellung online zu sehen.

von Ralf Gießler

Göttingen) Jeden zweiten Tag wurde in 2019 deutschlandweit eine Moschee oder Gebetsstätte aus islamfeindlicher Motivation angegriffen, 184 Fälle wurden gezählt. Dies geht aus einer Stellungnahme der Bundesregierung zu einer großen Anfrage im Bundestag hervor. Man geht davon aus, dass die Dunkelziffer wesentlich höher liegt.

Daran, dass es eine gemeinschaftliche Verantwortung der Gesamtgesellschaft ist, diesem Hass entschlossen entgegen zu treten, soll der Tag gegen antimuslimischen Rassismus erinnern.

Am 1. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet. Sie nahm an diesem Tag an einer Verhandlung gegen einen Mann teil, der sie ein Jahr zuvor auf einem Spielplatz rassistisch beleidigt und beschimpft hatte. Nach der Verhandlung stach der Verurteilte die schwangere junge Frau tödlich nieder. Dieser Mord an Marwa El-Sherbini wurde zu einem schmerzlichen Symbol. Was mit Beleidigung und Abwertung beginnt, kann in manchen Fällen tödlich für die Betroffenen enden. Als Tag gegen antimuslimischen Rassismus steht der 1. Juli seither dafür, entschieden für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und multireligiöse Gesellschaft einzutreten.

Bundesweit wird daher bereits ab dem 24. Juni im Rahmen einer Aktionswoche darauf aufmerksam gemacht, dass diese Art Rassismus in Deutschland, aber auch weltweit zunimmt. Die Veranstaltungen und Aktionen, die im Land stattfinden, geben Interessierten die Möglichkeit, mehr zu erfahren, sich zu begegnen und Barrieren und Stereotype abzubauen. Infos und weitere Hinweise dazu sind zum Beispiel auf #allianzgegenhass zu finden.

In diesem Zusammenhang ist ab dem 27.06. bereits eine Online-Bilderausstellung unter www.freeyourmind-art.de zu sehen. Die virtuelle Ausstellung zeigt Bilder der Künstlerin Yasemin Özden. Die Werke sind 2018/2019 in ihrer Auseinandersetzung mit Diskriminierungserfahrungen entstanden: "Ich habe meine Religion, den Islam, für mich gefunden. Plötzlich war ich Diskriminierung ausgesetzt und wusste nicht wohin mit der Ohnmacht, die ich fühlte. Die abstrakte Malerei wurde meine Zuflucht und hat mir geholfen, Erlebnisse besser zu verarbeiten", schildert die junge Malerin ihre Beweggründe.

Die Ausstellung kann zudem auch auf Anfrage (radipraev@ifak-goettingen.de) für Kleinstgruppen bis zu vier Personen ab dem 01. Juli in der RadiPräv Fach- und Beratungsstelle in Göttingen, Am Leinekanal 4, bis Ende August persönlich besucht werden. Das Projekt wird gefördert von der Partnerschaft für Demokratie Leben der Stadt Göttingen und unterstützt durch den Liberal-Islamischen Bund.

 

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