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26.05.2020

Mammutaufgabe: Meierhof-Exponate sollen digitalisiert werden


Die Vorsitzende des Dorfvereins Meierhof v.l.: Inge Köhler mit Rainer Starfinger (Öffentlichkeitsarbeit) und Karin Kwast (Digitalisierung)

Das neue Dorfmuseum wird gerade saniert / Zeitgleich werden die Ausstellungsstücke dokumentiert

von Herma Niemann

Hattorf. Vom antiken Handwerkszeug des Schneiders bis hin zur Dreschmaschine. Im Dorfmuseum „Meierhof“ in Hattorf sollen bald wieder die Lebens- und Arbeitsutensilien aus vergangenen Zeiten für Besucher sichtbar und auch praktisch erfahrbar werden. Seit 2015 ist das Dorfmuseum ein paar Häuser weiter gezogen, nämlich in die Steinstraße Nr. 3. Das rund 500 Quadratmeter große Gebäude mit Scheune aus dem 18. Jahrhundert wird gerade hauptsächlich in Eigenleistung saniert und renoviert.

Wände freilegen und stützen sowie die Planungen nach Brandschutzbestimmungen sind Arbeiten, die eine enorme Herausforderung darstellen. Manche Genehmigungsverfahren dauerten monatelang. Zwei Ingenieure begleiten die Arbeiten. Inzwischen hat sich in den Räumen schon einiges getan, dank vieler fleißiger Helfer. Doch eine weitere Mammutaufgabe wird die Digitalisierung der Exponate sein.

Die genaue Anzahl der Ausstellungsstücke bewegt sich bei einer Summe zwischen 2.000 und 10.000 Stück, wie die Vorsitzende Inge Köhler, Rainer Starfinger (Öffentlichkeitsarbeit) und Karin Kwast (Digitalisierung) in einem persönlichen Gespräch berichten. Die Digitalisierung soll über das „kuniweb“ erfolgen. Das „kuniweb“ ist eine Erfassungsdatenbank für Museumsbestände in Niedersachsen und ermöglicht das Archivieren, Verwalten und Recherchieren von digitalen Bild- und Multimedia-Daten. Das „kuniweb“ wird von der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliothekenverbundes (VZG) zur Verfügung gestellt. „Die Stücke können dann von allen einsehbar sein. Und zudem besteht auch die Möglichkeit, dass kleine Museen Exponate aus anderen Einrichtungen ausleihen können“, so Starfinger. So könnten alle Museen an einem Strang ziehen und von den Ausstellungsstücken der anderen profitieren.

„Das Wissen der früheren Generationen müssen wir erhalten und weitergeben können“. Zum Einstellen müssen die Exponate vorher einzeln fotografiert werden. „Da fing es schon an“, so Karin Kwast humorvoll „das hatten wir uns alle einfacher vorgestellt“. Insgesamt kümmern sich drei Vereinsmitglieder um die Katalogisierung. Irgendwann musste sich der Verein eine sogenannte Fotobox anschaffen, da sich die Fotoaufnahmen zunächst als schwierig gestalteten, da ungewollte Schatten und Farbverfälschungen auf den Fotos entstanden. Zur Museumsinventarisierung gehört unter anderem die Inventarnummer, die auch am Objekt angebracht werden muss, das Foto des Objektes mit Namen, die Maße, das Material, die Datierung, der Erhaltungszustand und eine genaue Beschreibung des Objektes.

Jede Inventarisierung stellt auch eine kleine Forschungsaufgabe dar, so Starfinger. „Manchmal wurden uns schon alte Gegenstände vor die Tür gestellt, bei denen wir erst mal nachforschen mussten, als was sie früher Verwendung gefunden haben“. Große Unterstützung erhält der Verein von der hauptamtlichen Museumsberaterin des Landschaftsverbandes Niedersachsen, Charlotte Kalla, mit der ein regelmäßiger Austausch stattfindet. Rund 200 Objekte sind schon erfasst worden. Und dann sei Corona gekommen, wie die drei berichten. Inzwischen dürfen wieder kleine Gruppen und natürlich mit Abstand im Haus arbeiten. „Das hat uns zurückgeworfen, wir hatten neun Wochen Stillstand“, so Starfinger.

Bei einem Rundgang durch das Gebäude berichtete Starfinger über die geplante Aufteilung. Zum einen fällt der jetzige Eingang weg, stattdessen soll der Eingang links daneben barrierefrei zum Haupteingang werden. Links in der angebauten Scheune soll die Forst- und Landwirtschaftsausstellung ein neues Zuhause finden, mit einem eingebetteten Bereich der Hausschlachterei. Dahinter soll eine alte Waschküche entstehen. Wenn man von dort in den oberen Bereich geht, soll man in die eigentliche Handwerksausstellung gelangen. Zu diesem Zweck soll eine alte Lehmwand in ihrem Ursprungszustand erhalten und mit einer Glasplatte versehen werden. Die damalige Wertarbeit mit den Gefachen und Zapfen soll so für die Besucher sichtbar bleiben.

Ebenso soll in einem Raum ein alter Röhrenfernseher umgebaut und mit moderner Medientechnik Themenfilme über die Gemeinde Hattorf zeigen. Ganz oben soll eine Lehrraum entstehen, in dem aktive Museumspädagogik vermittelt werden soll. In einem weiteren Raum soll die Entwicklung des Handwerks unter dem Einfluss der Industrialisierung gezeigt werden. Ebenso wird in einem Raum das Vereinsleben von Hattorf festgehalten. Zwei Räume sollen für Sonderausstellungen reserviert bleiben. Generell sei geplant, dass die Besucher in nahezu jedem Raum auch praktische Erfahrungen machen sollen, um zu erleben, wie der Alltag früher ablief, so Starfinger. Zu diesem Zweck sollen Aktiv-Stationen, zum Beispiel mit einer Modellkuh zum Selbermelken, mit altem Spielzeug und einen Klassenzimmer, aufgebaut werden. Ebenso könne man sich vorstellen, zusammen mit dem Schlachter Koithan ein traditionelles Schlachteessen zu organisieren.

Ein bereits bestehendes Projekt ist die Kooperation mit der Grundschule an der Sieber. Die Kinder erarbeiten im Unterricht die Themen, die sie anschließend im Dorfmuseum in die Praxis umsetzen können. Dazu gehört auch der eigene Gemüse- und Kräutergarten. Sollte das auf Dauer gut funktionieren, könnte dieses Modellprojekt auch auf andere Schulen übertragbar werden. Da das gesamte Gebäude nicht barrierefrei gestaltet werden kann, soll es im Erdgeschoss die Möglichkeit geben, über Bildschirme an der gesamten Ausstellung teilzuhaben. Dort könne auch eine Art Begegnungsstätte eingerichtet werden, wo zusammen gesprochen und Getränke eingenommen werden können.

Momentan sind die Exponate an drei verschiedenen Stellen eingelagert. Allerdings müsse man beim endgültigen Einrichten des Hauses auch lernen, loslassen zu können, wie Starfinger es behutsam nennt. Denn manche Ausstellungsstücke seien mehrfach vorhanden. Mit der Fertigstellung des Umbaus rechnet der Verein ungefähr im Mai 2021 und hofft darauf, dass die Exponate Zug um Zug bis Ende des Jahres 2022 ihren Platz gefunden haben. „Das ist eine echte Herausforderung für uns alle. Wir freuen uns aber schon darauf, wenn wir den ersten Besuchern alles zeigen können“, so Starfinger.


Rainer Starfinger zeigt die verschiedenen Schichten einer Wand mit Farbe und Tapete.

Ins rechte Licht rücken: Karin Kwast bei der Digitalisierung der Exponate mit der Fotobox.

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Eine Fachwerkwand in der ersten Etage soll die Bauweise für nachverfolgende Generationen sichtbar machen.

Eine Fachwerkwand in der ersten Etage soll dieIn der ersten Etage soll die Handwerksausstellung ihr Zuhause finden.

 

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