Regionales / Gem. Bad Grund / Badenhausen

23.05.2020

Gottesdienst unter blauem Himmel


von Petra Bordfeld

Die Bemerkung „Schön, dass es wieder losgeht“, war ebenso keine Seltenheit, wie der Beifall und die strahlenden Gesichter, welche während des ersten, sehr gut besuchten Gottesdienstes in Corona-Zeiten zu vernehmen und zu sehen waren, zu dem der Kirchenvorstand Badenhausen in den Kirchgarten geladen hatte.

Schon auf die Fahrbahn im Bereich der St. Martin-Kirche gesprühte Worte und Pfeile wiesen den Weg zum Gottesdienst unter blauen Himmel, zu dem auf Sitzkartons, Stühlen oder Bänken Platz genommen werden durfte. Wer, wie eine Familie, eine Decke mitgebracht hatte, konnte auch diese als Sitzfläche nutzen.

Den musikalischen Part übernahmen die Martinsbläser unter Leitung von Thomas Asche sowie Katharina und Johanna Waubke. Die Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer durften in Gedanken und von ganzem Herzen, aber nicht mit ihrer Stimme, mitmachen, was ohne Widerspruch akzeptiert wurde. Das galt selbstredend auch für den vorgeschriebenen Abstand, in welchem der Kirchenvorstand alle Sitzmöbel aufgestellt hatte.

Pfarrer Waubke brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass nach zweimonatiger Gottesdienstabstinenz von Mensch zu Mensch, so viele Menschen zum Gottesdienst aufgemacht hatten „Es ist schön, dass ihr gekommen seid“. Viele seien angesichts der Lockerungen unsicher und genervt, was erlaubt sei und was nicht. Vielleicht heiße Himmelfahrt ja, unter Gottes blauem Himmel Ruhe zu finden. Er dankte allen, die es möglich gemacht hatten, dass diese Gottesdienstpremiere möglich wurde.

Vikarin Louisa Frederking stellte die widersprüchliche Kombination „Soziale Distanz“ in den Mittelpunkt ihrer Predigt. Auch wenn sie durchaus das „Unwort“ des Jahres werden könne, dürfe niemand vergessen, dass es in der Corona-Krise sehr sozial ist, Abstand zu halten.

Irgendwie passten auch Christi Himmelfahrt und Corona zusammen. Für unsere Gesellschaft sei schon Ostern in Verbindung mit Jesus Auferstehung „eine harte Nuss“. Was sei dann Himmelfahrt? Schließlich sei es schwer zu verstehen, dass Jesus erst auferstanden ist, um dann mit der Anmerkung „Ihr seht mich nicht mehr, aber ich bin da“, gen Himmel entschwebt.

Im Prinzip sei Gottes Sohn auf soziale Distanz gegangen. Denn auch wenn er aus dem Sichtfeld der Menschen verschwunden wäre, sei er paradoxer Weise gerade dadurch den Menschen zugewandt, Himmelfahrt vor 2 000 Jahren und die soziale Distanz legen plötzlich dicht beieinander. Denn die Nähe, die Fürsorge und die Nächstenliebe werden durch die räumliche Distanz ausgedrückt.

Angesicht der Szenerie im Kirchgarten sei es einfach nur schön, dass nicht nur der Vogelgesang, sondern auch die Gemeinschaft und die Nächstenliebe zu verspüren sei. Diese ungewöhnliche Zeit sollte man gemeinsam gestalten und sich dabei nicht aus den Augen verlieren. „Lasst uns in vielfältiger Eintracht nach vorne schauen“.
Thomas Waubke betonte abschließend, dass abzuwarten wäre, wie die Gottesdienste fortgesetzt werden. Nach einer Tagung des Kirchenvorstandes in der nächsten Woche werde das Ergebnis mitgeteilt.

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Der richtige Weg wurde mit wasserlöslicher Farbe auf die Straße gesprüht.


Sie freuten sich darüber, sich nach langer Zeit wieder zu sehen.

Stühle mussten noch nachgeholt werden

Sie hatten für den Gottesdienst unter strahlend blauen Himmel ihr Decke mitgebracht.

Mit der St. Martin-Kirche im Hintergrund nahmen sie am Gottesdienst unter freiem Himmel teil.

 

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