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07.05.2020

Barbara Küppers möchte in Wulften trotz Corona 2021 das 25jährige Bestehen ihres Ponyhofes feiern


Barbara Küppers freut sich immer wieder, wenn die drei Lämmer die Nuckelflaschen erobert haben

...von Petra Bordfeld

Auch wenn die Corona-Krise sie mit dem Rücken an die Wand zu drücken droht, will Barbara Küppers, die Gründerin und Inhaberin des Ponyhofs Wulften, nicht das Handtuch werfen. Vielmehr steht für sie unerschütterlich fest, dass sie im kommenden Jahr mindestens das 25jährige Bestehen dieses Zuhauses von rund rund 100 Tieren, von denen nicht wenige Rassen vom Aussterben bedroht sind, feiern wird. „Ich möchte auch weiterhin, dass Kinder sehen, wie beispielsweise ein Huhn in Echt aussieht“.

Wie kalt sie die Corona-Pandemie erwischt hat, machte sie an einem Beispiel deutlich: Sie und ihr Sohn Louis hatten bereits den Anhänger für die Frühlingsmesse in Chemnitz beladen, die am Freitag, 13. März starten sollte. In der Frühe des Abfahrtstages baten die Veranstalter noch darum, etwas mehr mitzubringen. Am Nachmittag kam dann der niederschmetternde Anruf „Alles auf Null“. Das sollte nicht die einzige Absage bleiben. Bad Wildungen, Halle (Saale) und ein Autozulieferer bei Stuttgart kündigten die Aufträge ebenso schnell auf. „Dabei hatten wir schon frohlockt, dass 2020 ein gutes Jahr werden könnte, weil wir mit den fetten Aufträgen bis Ostern und darüber hinaus endlich mal wieder schwarze Zahlen hätten schreiben können“.

„Jetzt stehe ich vor einem finanziellen Fiasko. Das einzige, was genug da ist, ist Heu. Wenn ich so viel Geld wie Heu hätte, wäre ich steinreich“, so Barbara Küppers.
Von den regulären Öffnungszeiten, die es ab Mittwoch, 6. Mai, nur nach telefonischer Anmeldung (0 160 / 46 76 26 3) geben wird, wurden bislang nur 30 Prozent der Kosten gedeckt. Das größere Stück vom Kuchen wird von den Buchungen der Rentiere und des Streichelzoos in der Vorweihnachtszeit und den Frühjahrsaufträgen getragen, und genau die sind alle gecancelt.

Allein die beiden zurückliegenden Jahre hätte sie auf dem Versorgungssektor der Tiere schon finanziell arg gebeutelt, weil in dem nicht gerade ertragreichen 2019 der Verlust der Dürre in 2018 nicht abgedeckt werden konnte. Normalerweise gibt es drei Heuschnitte im Jahr, das dürfte auch 2020 nichts werden, was eine Preiserhöhung beim Heu mit sich bringen und damit bei rund 120 Rundballen stark in die Kasse reinhauen dürfte.

Um diese Menge überhaupt abzudecken musste sie 2019, dieses Futter aus Polen und aus der Rhön zusätzlich besorgen. Für die Rentiere wiederum lässt sie sich in einer Spezialanlage getrocknetes Grummet per LKW aus der Nähe von Österreich bringen. „Das von der Sonne getrocknete und mehrmals gewendete Gras ist für diese Tiere nicht geeignet“. Weil es gilt, beim Heukauf immer zur rechten Zeit zuzuschlagen und sie da 2019 einmal nicht so flüssig war, tauschte sie sogar 100 Rundballen gegen einen alten Trecker ein. Sie muss aber auch für eine Vielzahl von Tieren für 500 bis 700 Euro pro Monat pelletiertes Futter der unterschiedlichsten Art besorgen.

Und da sind jetzt die drei Lämmer, die von ihren Müttern verstoßen wurden, und von Barbara Küppers mittels Flasche großgezogen werden. Wie in den Jahren zuvor, zieht sie dafür einen alten Bademantel an, in dem sich die kleinen Wollknäulen beim Nuckeln einkuscheln können. Weil das 75 Euro pro Schafnachwuchs in der Säugezeit kostet, müsste sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht sagen, dass das zu teuer wird. „Das mach ich aber nicht, dass wäre ein Schritt ins Aufgeben“.

Diese Abschaffungsüberlegung stellt sie ebenso wenig an, wenn es um ihre arbeitstreuen Ponys geht, auf deren Rücken schon seit einigen Jahrzehnten mehrere Generationen von Kindern begeistert Platz genommen hatten. Etwas anders sieht es bei den Großpferden aus. Einige von denen stehen zum Verkauf an. Allerdings schaut sie da ganz genau, ob die Interessenten wirklich die richtigen neuen Besitzer sind. Nicht selten hat sie dabei schon Enttäuschungen erlebt, denn oft wurde eine behufte Maschine oder ein Schaukelpferd gesucht. „Und genau das ist nicht eines meiner Großen“.

Auch wenn sie seit Gestern wieder öffnen darf, wird die wirtschaftliche Sonne nicht aufgehen, weil neben der Auflagen seitens des Landes auch der Verlust des Frühjahrsgeschäftes, der sich auf gut 20.000 Euro beläuft, nicht mehr reingeholt werden kann. Außerdem steht noch lange nicht fest, ob das Weihnachtsgeschäft reibungslos abgewickelt werden kann.

Um das 25jährige Bestehen des Ponyhofes feiern und allen Tieren das Zuhause erhalten zu können, betrat Babara Küppers jetzt einen Weg, den sie sonst immer gemieden hat: den der Spendenbitte. Da sie immer wirtschaftlich so ordentlich gearbeitet hatte, habe sie stets kundgetan, dass sie keine Spenden annimmt. Diese Gelder könnten Tierschutzvereine oder Kinderhilfseinrichtungen besser gebrauchen. „Jetzt brauche ich auch eine finanzielle Unterstützung dieser Art“. Denn ein Kredit von der Bank wäre ein Tod auf Raten.

Das Land Niedersachsen hat ihr immerhin 3.000 Euro überwiesen, sie werde aber versuchen, auch vom Bund noch Gelder zu erhalten. Worüber sie sich allerdings ganz besonders freut, ist die Tatsache, dass sie bundesweit großen Zuspruch erfährt. Viele haben schon Eintrittsgelder im Voraus überwiesen, weil sie sich sicher sind, dass es weitergehen wird. Besonders glücklich ist sie außerdem über die Spendenbereitschaft der Wulftener.

Eine von ihnen ist Melanie Lohrengel, eine Nachbarin von Barbara Küppers. Als sie von der Situation des Ponyhofs erfuhr, holte sie ihre Nähmaschine heraus und nähte Nacht für Nacht Nase-Mund-Masken, weil sie am Tage ihrer Arbeit nachging und geht. Allein mit dieser besonderen Spenden-Aktion kam eine Menge Geld zusammen,
Barbara Küppers wandte sich aber auch hilfesuchend an den Landkreis Göttingen und die Samtgemeinde Hattorf. „Es gibt wohl kaum jemanden im Landkreis Göttingen, der den Namen Küppers nicht schon am Telefon gehört hat“, so die Ponyhof-Besitzerin. Sie habe in Sachen finanzielle Unterstützung stets nette und verständnisvolle Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung gehabt. „Auch wenn sie mir finanziell nicht weiterhelfen konnten, dankte ich allen dafür, dass sie trotz der Krise, immer ein offenes Ohr hatten“. Allein das habe schon sehr gut getan.

Besonders viel Kraft gibt ihr die Tatsache, dass ihre Familie geschlossen hinter ihr steht. Auch wenn alle in Arbeit und Brot stehen, legen sie überall auf dem Gelände Hand mit an. „Ich werde das Handtuch bestimmt nicht schmeißen.“ Auch wenn in den letzten zwei Jahren wetterbedingt keine Rücklagen gebildet werden konnten, werde man mit Mut und Engagement nicht nur die Zeit bis Juni und Juli durchziehen.
Jetzt bleibt erst einmal abzuwarten, ob interessierte Menschen die Möglichkeit nutzen, den Ponyhof wieder zu betreten.

Wer ihm aber mit einer Spende weiter helfen möchte, der sollte sich folgende Daten notieren und merken und daran denken, dass jeder Euro dazu beiträgt, dass die Tür des Ponyhofes nicht endgültig ins Schloss fällt:
Konto Barbara Küppers De252635101500 00 0 95794 oder Paypal  Archepark@aol.com.


Lous Küppers legte nicht nur diese Augenweide an, er baut auch Insektenhotels

Melanie Lohrengel nähte und näht Alltagsmasken zugunsten des Ponyhofes Wulften

Meerschweinchen tummeln sich auch auf dem Ponyhof Wulften

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Diese beiden Puter könnten in ihrer Schönheit fast zu einem Gemälde gehören

Die beiden Irischen Wolfshunde und die zwei Kunekune-Schweine warten auf Besucher

Die Zicklein hätten gegen Besucher auch nichts einzuwenden

 

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