Regionales / Harz

08.04.2020

Sonntag im Oberharz


...von Otto Schönfelder

Rund zwölf Stunden Sonnenschein, blauer, wolkenloser Himmel und nahezu sommerliche Temperaturen, die tagsüber selbst im Hochharz im zweistelligen Bereich lagen, da fiel es natürlich den meisten Menschen schwer zu Hause zu bleiben. Nach den vielen trüben Wintertagen war die Sehnsucht nach Bewegung an der frischen Luft wohl größer als das Gebot zur Einhaltung von Ausflugsbeschränkungen.

Auch wenn der große Ansturm, der in normalen Zeiten bei solchen Voraussetzungen hier stattgefunden hätte, natürlich ausblieb, so waren doch viele, teils auch von weiter her in den Harz gekommen, um sich in der freien Natur zu bewegen. Man hielt sich aber weitgehend an die Vorschriften, ging nur zu zweit oder wenn es Familien waren, in kleinen Gruppen spazieren und achtete auch auf gebotenen Abstand zu anderen Personen. Wo man sonst oft miteinander ein wenig plauderte, gab es jetzt meistens nur ein knappes "Hallo" im Vorübergehen.

Wer sich an der früher einmal schönen Waldlandschaft erfreuen wollte, musste mit Entsetzen feststellen, dass davon in den Höhenlagen des Harzes kaum etwas übrig geblieben ist. Wo einst immergrüne Fichtenwälder standen, sind heute nur noch trockene, in den Himmel ragende kahle Stämme, zu sehen. Was saurer Regen, trockene Sommer mit großen Hitzeperioden und Borkenkäfer nicht ganz schafften, ist den orkanartigen Stürmen, die über die Berge hinweg brausten, zum Opfer gefallen. Da wurden die wenigen Fichten, die noch grüne Zweige hatten, entwurzelt oder wie Streichhölzer umgeknickt.

Aber auch das schöne Erlebnis in einem der Harzer Gaststätten und Restaurants einkehren zu können, blieb den Harzbesuchern verwehrt. Es war alles bis auf weiteres geschlossen. Es war wie kurz nach dem Kriege, man musste sich schon selbst versorgen. Trotzdem waren viele Einzelgänger oder ganz kleine Gruppen unterwegs und diese hatten bei längeren Touren belegte Brote und Getränke, meist in Thermosflaschen dabei.

Auf dem Weg vom Torfhaus zum Brocken konnte man wesentlich weniger Wanderer antreffen als sonst. Das Gerücht, dass der Zugang zum höchsten Gipfel des Harzes von der Niedersächsischen Seite gesperrt sein sollte, hat sich offensichtlich nicht bestätigt. Eine junge Frau, die am Sonntag allein zum Brocken gewandert war, berichtete, dass es oben jetzt auch keine Möglichkeiten mehr zum Einkehren und auch keinerlei Erfrischungen gab.

Es sind wohl besonders Erinnerungen, die man jetzt in Corona-Zeiten nach einem Harzbesuch mit nach Hause nimmt. Die Hoffnung bleibt, dass sich vieles wieder normalisiert, wenn dieser winzige, unsichtbare, böse Virus, so wie er gekommen und sich weltweit ausgebreitet hat, auch eines Tages wieder verschwindet. Doch die Spuren, die er jetzt schon hinterlassen hat, werden die Menschen wohl noch sehr lange beschäftigen.



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