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04.02.2020

Klimawandel und Borkenkäfer: Der Wald war und ist ständig im Wandel


Blick ins Fissekental hinter Willensen: Stürme, Trockenheit und der Borkenkäfer machen dem deutschen Wald momentan stark zu schaffen.

SPD-Abteilung Hattorf hatte zum Stammtisch eingeladen / Dr. Karl Schumann referierte über die Zukunft unseres Waldes

von Herma Niemann

„Der Wald verändert sich ständig und versucht, sich anzupassen“, so Dr. Karl Schumann in seinem Vortrag „Was geschieht mit unserem Wald?“, zu dem die SPD-Abteilung Hattorf eingeladen hatte. Rund 40 Interessierte waren in den Landgasthof Trüter nach Hattorf gekommen.

Seit der letzten Eiszeit würde der Wald genutzt und zur Kulturlandschaft umgebaut, berichtete Schumann, der seit 2002 als stellvertretender Leiter im Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrum in Münchehof tätig war. Zuvor war er von 1997 bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Waldinventur und Waldwachstum der Georg-August-Universität Göttingen.

Der deutsche Wald sei weltweit der am besten erschlossene mit einer „Top-Infrastruktur“ mit rund 600.000 Waldwegen und etwa 6.600 Tierarten, die dort ihr Zuhause haben. Die Folgen der Stürme, der trockenen Sommer und der Borkenkäfer hätten nun zu diesem katastrophalen Anblick geführt. Doch der Wald unterliege einem ständigen Prozess, und das bis heute.

Schumann berichtete über die Methoden der Waldbewirtschaftung im 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit habe man Kalhschläge von Fichtenbeständen für den Bergbau vorgenommen. Diese großflächigen Freiflächen seien gerade im Harzforstbestand für die damalige Zeit typisch gewesen. Auch im Jahr 1703 hätten Stürme und der Borkenkäfer zu starken Abholzungen in den Wäldern geführt. „Positiv ist, dass der Wald immer wieder gewachsen ist“, betonte Schumann.

Momentan sei der Wald auf 130 Hektar kahl, das entspreche einem Prozent der Waldfläche. In Deutschland sei gut ein Drittel der Fläche mit Wald bedeckt. Zudem sei die Verteilung zwischen Wald und Feld heute noch so, wie seit dem 15. Jahrhundert. Vier Prozent des Waldes gehören dem Bund, 29 Prozent dem Land, 19 Prozent seien Kommunalwald und 48 Prozent seien im Privatbesitz. Die größte Waldbesitzerin sei im Übrigen die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Europaweit bestünde der Wald aus Zweidrittel Nadel- und zu einem Drittel aus Laubholz. Die Hälfte der Nadelhölzer seien Fichtenbestände. Die Fichte sei zwar anspruchslos, weswegen sie auch massiv Ende des 18. Jahrhunderts gepflanzt worden sei, verfüge aber über ein flaches Wurzelwerk. Das mache sie empfindlicher bei Sturmlagen, die Folgen seien momentan großflächig zu sehen. „Das, was gerade passiert, hat es auch schon früher gegeben.

Der Wald versucht sich immer wieder anzupassen. Die Bäume, die von den Ereignissen profitieren, breiten sich aus, andere gehen zurück“. Hier bedürfe es Alternativen, erklärte Schumann. Die Douglasie, die Weißtanne und auch der Tulpenbaum seien hervorragende Hölzer. „Ich wünsche mir mehr Toleranz für Baumarten mit Migrationshintergrund und mehr Stadtbäume im deutschen Wald“, so Schumann humorvoll, der auch auf das LÖWE-Programm der Landesforsten einging.

Dieses Programm zur „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ (LÖWE) gelte seit 1991 in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten. Es wurde als Regierungsprogramm eingeführt und ist seitdem die verbindliche Leitlinie für die nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung der rund 330.000 Hektar Landeswald. Bundesweit war Niedersachsen mit dem LÖWE-Programm Vorreiter, dem viele Bundesländer mit ähnlichen Ansätzen eines Waldbaues auf ökologischer Grundlage für ihre Landes- und Staatswaldflächen folgten.

„Wir haben insgesamt rund zwei Milliarden Waldbesucher pro Jahr. Der Wald bietet Abwechslung, Erholung und liefert seinen Beitrag zum Klima. Aber auch der Mensch ist gefordert, seinen Beitrag zu leisten, wenn es mit dem Klimawandel so nicht weiter gehen soll“, so Schumann. „Die große Resonanz zeigt, dass das ein Thema ist, das alle angeht und interessiert“, betonte der Vorsitzende der SPD-Abteilung, Wolfgang Wills abschließend.


Dr. Karl Schumann bei seinem Vortrag über die Zukunft des Waldes.

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Dr- Karl Schumann und Wolfgang Wills (von links).

Der Wald bei Ahlhausen/Sievershausen (Landkreis Northeim): Das Sturmtief „Friederike“ hat in 2018 großflächig die Wälder zerstört.

 

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