Kultur

09.01.2020

Aus Liebe zur Literatur


Große Themenvielfalt bei der Offenen Lesebühne in Badenhausen

von Christian Dolle

Literatur kann alles sein und alles kann Literatur sein, heißt es. Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich wieder bei der Offenen Lesebühne im Landhaus Finze in Badenhausen. Dort stellten am vergangenen Dienstag zwölf Autoren einige kurze Texte vor, ganz ohne Wettbewerb oder kommerzielles Ansinnen, sondern allein aus der Liebe zur Kunst. Und die zeigte sich daher in besonders vielen Facetten.

So begann beispielsweise Stefan Holzke mit einem Gedicht passend zum Jahresanfang, das Verzagtheit und Mut thematisierte. Ganz anders las Holger Prang einen Teil aus seinem kompletten Roman, der sich an einen geliebten Menschen richtete. Eine satirische Kurzgeschichte las Christian Dolle. Lothar Finze hat in den vergangenen Wochen damit begonnen, seine eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben und traute sich nun erstmals, ein Stück daraus vorzulesen. Passenderweise ging es dabei natürlich um seine Kindheit im Südharz, zu der er feststellte: Es gab keinen Neid in der Nachkriegszeit, denn alle hatten gleich wenig.“

In der Kürze liegt die Würze

Wieder ganz andere Töne schlug Rüdiger Aboreas an, indem er in sehr treffenden Worten über die Annäherung der Geschlechter reimte, die nicht zum erwünschten Erfolg führte. „Da stöhnt er auf: wie ungerecht! Und schaut hinab auf sein Gemächt.“ Doch nicht nur diese Abwechslung gab dem Abend die besondere Note. Auf der einen Seite gab es keinerlei Druck, besonders tiefsinnig, lustig oder was auch immer zu sein, da eine Wertung wie gesagt nicht stattfand und es rein um den Spaß an der Literatur ging. Zum anderen aber nahm Cliff Middleton bei jedem Leser genau die Zeit – acht Minuten waren vorgegeben – so dass durch die Kürze der Vorträge auch eine Dynamik entstand, die der ganzen Sache ebenfalls gut tut.

Nach einer kurzen Pause stellte Manfred Kirchner einen Text vor, der in einer Schreibwerkstatt in Göttingen entstanden war und in dem es um Tagebucheinträge und Briefe von der Front ging, also durchaus ein nicht ganz leicht verdauliches Thema, das aber durch seine intensiven Beschreibungen auf jeden Fall hängen blieb. Uwe Kupke forderte die Zuhörer mit allerlei ausgefeilten Stabreimen, die genaues Zuhören erforderten, anschließend ging es beim Romanauszug von Rita Höske um den Blick hinter die Kulissen eines Homeshoppingsenders.

Auf den Punkt gebracht

Geradezu klassisch muteten die Gedichte von Gerhard Stübner an, doch schaffte er es dank präziser Bilder, auch moderne Themen eindrücklich auf den Punkt zu bringen. So stellte er beispielsweise fest: „Der Wind der Zeit verdorrt den blassen Drachen“ und wohl jeder der anwesenden wird das eine oder andere Mal an diese Formulierung denken, wenn es wieder einmal um Tattoos und das Alter geht.

Um Gegensätze oder auch die zwei Seiten des Lebens ging es in den Gedichten von Samir Jeday, bevor Cliff Middleton zum Abschluss an den afroamerikanischen Aktivisten Albert Woodfox erinnerte, der in den USA unschuldig für mehr als vier Jahrzehnte in Isolationshaft gesessen hatte.

Der Abend wurde von Renate Maria Riehemann moderiert, die im Namen des Autorenkreises „im Takt“ am Ende auch auf weitere Termine der Offenen Lesebühne am 31. März, 30. Juni und am 13. Oktober hinwies. Ein besonderes Event für die Autoren gibt es bereits am 26. Februar, wenn um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Osterode ihr erstes gemeinsames Buch vorgestellt wird. Auch hierzu wird herzlich eingeladen.

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Stefan Holzke

Lothar Finze

Manfred Kirchner

Samir Jeday

 

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