Kultur

06.01.2020

Schwungvoller Ausflug in die goldenen 1920er


Dieses Mal waren die 1920er Jahre das Hauptthema des traditionellen Neujahrskonzerts von con amore.

Traditionelles Neujahrskonzert mit dem Ensemble „con amore“ überzeugte mit Können und Witz/Alle drei Vorstellungen waren ausverkauft

von Herma Niemann

Grammophon, Glitzervorhänge, Glamour: im Rittersaal des Welfenschlosses in Herzberg lebten am Wochenende die goldenen 1920er Jahre wieder auf. Mit ihren drei Aufführungen hat sich das Herzberger Ensemble „con amore“ wieder einmal selbst übertroffen. Wie nicht anders zu erwarten war, waren alle drei Konzerte ausverkauft, gilt das Ensemble doch schon seit vielen Jahren mit ihrem traditionellen Neujahrskonzert als Garant für gute Musik und gute Unterhaltung zugleich.

Wie gewohnt hatten die Musiker nicht nur schwungvolle Stücke im Gepäck sondern boten dem Publikum in beliebter Manier eine unterhaltsame und humorvolle Rahmenhandlung dazu. Und so begann das Konzert auf der Silvesterparty der Madame Pompadour, gespielt von Jaqueline Borchert-Seng (Sopran) mit der für die Zeit typischen Kleidung. Hängekleidchen, Zigarettenspitze, geschmückte Stirnbänder und Federboa: Die beiden Musikerinnen des Ensembles verkörperten den Zeitgeist perfekt.

Bettina Lagg (Violine) war eine Frau auf der Suche nach dem richtigen Mann, Andreas Krohn (Violoncello) verkörperte einen Musikkritiker, José V. López de Vergara (Klavier) spielte einen „Professor Doktor Doktorchen“ und Stefan Füllgrabe (Flöte, Saxophon, Klarinette) war wohl ein Gast der Party, der die meiste Zeit auf unterhaltsame Art dem Alkohol verfallen war.

Im ersten Teil des Konzerts war „Bohème“ angesagt. Der Begriff stammt ursprünglich vom sprichwörtlich lustigen „Zigeunerleben“ und bezeichnet eine in der Zeit gegenbürgerliche Subkultur künstlerisch-intellektuellen Lebens. Und so nahm das Ensemble diese Geisteseinstellung und das dazugehörige intellektuelle Gehabe gekonnt auf die Schippe. Stücke wie „Oh Donna Clara“ von Jerzy Petersburski, „Der Duft, der eine schöne Frau begleitet“ von Hans May und ein Evergreens-Medley mit Auszügen von „Veronika, der Lenz ist da“ und „Kleiner grüner Kaktus“ rundeten die Vorstellung ab.

Nach der Pause nahm das Konzert zunehmend an Fahrt auf. Jetzt befanden sich die Zuschauer bereits im Jahr 1923, das Borchert-Seng mit einem Gong eröffnete. Es folgte der bekannte Tango „La Cumparsita“ von Matos Rodriguez, den die meisten wohl aus dem Schwarz-Weiß-Klassiker „Manche mögens heiß“ mit Marilyn Monroe, Jack Lemmon und Toni Curtis kennen dürften. Gleichzeitig wurde eine geheimnisvolle „Kiste“ präsentiert: das erste Rundfunkgerät, das das Grammophon ablösen sollte.

Den Fortschritt in der Tontechnik präsentierte das Ensemble in gewollt übertriebener schauspielerischer Weise. So erfolgte zunächst eine „Live-Schalte“ aus dem royalem Hörsaal Herzberg mit den Liedern „Meine Tante, deine Tante“ und „Wo sind deine Haare, August?“ von Richard Fall. Gekonnt präsentierte Borchert-Seng die beiden Titel mit schrägem Tonfall. Danach folgte ein Kriminalhörspiel, der „Dreigroschenfilm“, mit dem Titel „Mackie Messer“ von Kurt Weill.

Mit viel Liebe zum Detail hatten die fünf Musiker wieder einmal dafür gesorgt, dem Publikum einen hochkarätigen Abend zu bieten, angefangen beim musikalischen Können bis hin zum schauspielerischen Rahmenprogramm. Und, der Hörgenuss wurde wie immer durch ein ansprechendes Bühnenbild komplettiert. Gelungener Abschluss des Abends waren die Darbietungen aus „Übersee“, wie der „Wild Cat Blues“ von Thomas Wright sowie die Stücke „Kongo Kate“ und „I got Rythm“ von George Gershwin. Die Begeisterung des Publikums zeigte sich in langanhaltendem Applaus.

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Grammophon und Federboa: Kostüme und Bühnenbild waren perfekt auf den Abend abgestimmt.

Das intellektuelle Gehabe der 1920er Jahre wurde gekonnt auf die Schippe genommen.


Jaqueline Borchert-Seng, alias Madame Pompadour“ verteilte Pralinen im Publikum.

 

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