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06.04.2024

Weg mit der industriellen Landwirtschaft


Bio-Erdbeer-Polykultur in Kalifornien mit Wildblumenstreifen. In der Polykultur werden verschiedene Pflanzenarten zusammen angebaut, was die biologische Vielfalt fördert.

Globale Studie: Diversifizierte Landwirtschaft stärkt Ernährungssicherheit und biologische Vielfalt

(pug) Mischung von Viehhaltung und Ackerbau, Integration von Blühstreifen und Bäumen, Wasser- und Bodenschutz und vieles mehr: Eine umfangreiche globale Studie unter der Leitung der Universitäten Kopenhagen und Hohenheim und mit Beteiligung der Universität Göttingen hat die Auswirkungen einer diversifizierten Landwirtschaft untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die positiven Effekte auf Menschen und die Umwelt nehmen mit jeder Maßnahme zu, während negative Auswirkungen kaum zu finden sind. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sammelten Daten über die Auswirkung von mehr als 20 verschiedenen Arten von Diversifizierungspraktiken, wie dem Erhalt des Bodens, der Diversifizierung von Tierhaltung, dem Wasserschutz, der Diversifizierung des Anbaus (zum Beispiel Fruchtfolge) oder der Nicht-Kultur-Diversifizierung (etwa dem Pflanzen von Hecken oder Anlegen von Blühstreifen). Mit 58 beteiligten Forschenden weltweit und der Verflechtung von 24 Datensätzen aus weiteren Studien repräsentiert das einzigartige Forschungsprojekt insgesamt 2655 landwirtschaftliche Betriebe auf fünf Kontinenten. Die Datensätze reichen von der Maisproduktion in Malawi über Gummibäume in Indonesien bis hin zur silvopastoralen Rinderhaltung in Kolumbien, bei der Nutztierhaltung und die Kultivierung von Bäumen oder Sträuchern kombiniert werden, und Winterweizen in Deutschland.

Während sich frühere Studien entweder mit den sozioökonomischen oder den ökologischen Folgen der landwirtschaftlichen Diversifizierung beschäftigten, untersuchte diese Studie nun erstmals die Auswirkungen in allen Bereichen. Die größten positiven Effekte fanden die Forschenden bei der Ernährungssicherheit, dicht gefolgt von der biologischen Vielfalt. Darüber hinaus verbesserten sich auch soziale Aspekte wie das Wohlbefinden deutlich. Unter den zahlreichen Strategien hatten die Diversifizierung der Tierhaltung und der Bodenschutz die stärksten positiven Folgen.

„Der landwirtschaftlichen Diversifizierung wurde vorgeworfen, dass sie vielleicht gut für die biologische Vielfalt ist, aber auch einige negative Aspekte hat, vor allem im Hinblick darauf, dass keine ausreichend hohen Erträge erzielt werden können“, sagt Prof. Dr. Ingo Grass von der Universität Hohenheim. „Tatsächlich sehen wir aber, dass eine diversifizierte Landwirtschaft keine Ertragsminderung mit sich bringt – auch nicht, wenn wir Daten aus der europäischen Landwirtschaft mit ihren großen Flächen einbeziehen." Vielmehr zeigten die Zahlen, dass sowohl bei kleinen Betrieben als auch bei Betrieben mit großer Anbaufläche eine diversifiziertere Landwirtschaft die Ernährungssicherheit deutlich steigern kann.

Göttinger Forschende haben zu dieser globalen Studie mit Daten aus dem Sonderforschungsbereich EFForTS beigetragen. Zwischen 2012 und 2023 wurden die ökologischen und sozio-ökonomischen Funktionen in kleinbäuerlichen Kautschuk- und Ölpalm-Betrieben auf der indonesischen Insel Sumatra untersucht. „Wir freuen uns, dass unsere umfangreiche Datensammlung und die Forschungsergebnisse aus Indonesien nun auch für diese große weltweite Vergleichsstudie von Nutzen waren. Unsere neuen Ergebnisse sind wichtig, um Agrarpolitiken und Landwirtschaft aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Nutzen von Mensch und Umwelt nachhaltiger zu gestalten“, ergänzt Prof. Dr. Holger Kreft, einer der Mitautoren der Studie und Leiter der Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie an der Universität Göttingen.

Originalveröffentlichung:

Laura Vang Rasmussen et. al. Joint environmental and social benefits from diversified agriculture. Science (2024). https://www.science.org/doi/10.1126/science.adj1914


Nachhaltige Rinderhaltung in Meta, Kolumbien. Im Rahmen nachhaltiger Rinderhaltungspraktiken wird die Milchproduktion gesteigert.

Prof. Dr. Holger Kreft

 

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